
Raus aus Merz-Deutschland, rein in die Schweiz: SVP-Politiker läuft Sturm

Immer mehr Deutsche kehren ihrer Heimat den Rücken und ziehen in die Schweiz. Höhere Löhne, niedrigere Steuern und bessere berufliche Aussichten locken Arbeitnehmer über die Grenze. Doch die Zuwanderung aus dem Norden sorgt zunehmend für politischen Ärger. Der Zürcher SVP-Kantonsrat Domenik Ledergerber wettert in einer ProSieben-Reportage gegen deutsche Einwanderer. Sie würden das Dorfleben kaputtmachen und Schweizer auf dem Arbeitsmarkt verdrängen.
"Das macht das Dorfleben kaputt, ihr bringt diese Mentalität nicht mit",
sagt Ledergerber im Gespräch mit dem Reporter Jenke von Wilmsdorff. Auch auf dem Arbeitsmarkt sieht der SVP-Politiker Probleme. Unternehmen würden einen "billigen Deutschen" einstellen und dafür einen teureren Schweizer Arbeitnehmer "entsorgen".

Ledergerber geht noch weiter. Bei der Frage nach einer Abschottung der Schweiz spricht er von einer Mauer um das Land. "Niemand raus, niemand rein." Die Schweiz solle in ihrem heutigen Zustand eingefroren werden. Das würde funktionieren, meint er.
Die Schweiz lockt deutsche Arbeitnehmer
Die Zahlen erklären, weshalb das Thema an Bedeutung gewinnt. Laut dem Statistischen Bundesamt verließen 2025 insgesamt 288.579 deutsche Staatsangehörige Deutschland.

Das war der höchste Wert der entsprechenden Zeitreihe. Die Schweiz gehörte zu den beliebtesten Zielen. Rund 23.000 deutsche Staatsangehörige zogen laut deutscher Wanderungsstatistik dorthin.
Nach Angaben des Schweizer Bundesamts für Statistik lebten Ende 2025 insgesamt 338.584 deutsche Staatsangehörige dauerhaft in der Schweiz. Sie bilden damit die zweitgrößte ausländische Bevölkerungsgruppe nach den Italienern.
Für viele Deutsche ist der finanzielle Anreiz groß.
Ein Busfahrer verdient in Deutschland rund 2.500 Euro im Monat. Bei den Verkehrsbetrieben Zürich sind Jahreslöhne von bis zu rund 99.000 Franken (106.000 Euro) möglich. Das entspricht gut 8.000 Franken (8.600 Euro) im Monat.
Solche Lohnunterschiede machen die Schweiz für deutsche Arbeitnehmer attraktiv. Allerdings sind auch die Lebenshaltungskosten deutlich höher.

Auch die beruflichen Aussichten spielen eine Rolle. Allerdings sind Mieten, Krankenkassenprämien und andere Lebenshaltungskosten in der Schweiz ebenfalls hoch.
Streit um Arbeitsplätze und Dorfkultur
Ledergerber stört nicht nur die Zahl der Einwanderer. Er wirft ihnen auch vor, sich zu wenig in die Schweizer Gesellschaft einzubringen. Das Vereinsleben sei ein wichtiger Bestandteil vieler Gemeinden. Turnvereine, Musikgesellschaften, Feuerwehren und lokale Veranstaltungen leben vom Engagement ihrer Mitglieder.
Ob Deutsche tatsächlich weniger mitmachen als Schweizer, ist allerdings nicht durch die Aussagen des Politikers belegt. Dafür wären Daten über die Beteiligung in einzelnen Gemeinden nötig. Auch andere Faktoren wie Arbeitszeiten, Pendelwege und die Wohndauer können eine Rolle spielen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Arbeitsmarkt. Dass Unternehmen in einzelnen Fällen günstigere Bewerber bevorzugen können, ist denkbar. Einen allgemeinen Nachweis dafür, dass Deutsche systematisch ältere Schweizer verdrängen, gibt es bislang nicht. Das Staatssekretariat für Wirtschaft sieht in seinen Untersuchungen zur Personenfreizügigkeit insgesamt eine Ergänzung der einheimischen Erwerbsbevölkerung durch ausländische Arbeitskräfte. Regionale und berufsspezifische Probleme sind damit nicht ausgeschlossen.
SVP fordert weniger Zuwanderung
Ledergerbers Auftritt passt zur politischen Linie der SVP. Die Partei warnt seit Jahren vor den Folgen des Bevölkerungswachstums für Wohnraum, Infrastruktur, Löhne und die Schweizer Identität.
Am 14. Juni 2026 lehnte die Schweizer Stimmbevölkerung die Initiative "Keine 10-Millionen-Schweiz!" mit 54,79 Prozent Nein-Stimmen ab. Dennoch fand die Forderung nach einer Begrenzung der Zuwanderung bei einem erheblichen Teil der Bevölkerung Unterstützung.
Die Reportage zeigt damit einen Widerspruch, der die Schweiz weiter beschäftigen dürfte. Das Land ist auf ausländische Fachkräfte angewiesen und zieht Arbeitnehmer aus Deutschland mit attraktiven Löhnen und beruflichen Möglichkeiten an. Zugleich wächst der Widerstand gegen die Folgen des Bevölkerungswachstums.
Während Deutsche Deutschland verlassen, um in der Schweiz bessere Bedingungen zu finden, sieht Ledergerber ihre Ankunft kritisch. Seine Aussagen gehen über die Forderung nach einer Begrenzung der Zuwanderung hinaus. Er stellt auch die Mentalität deutscher Einwanderer infrage. Ob seine Vorwürfe über Arbeitsplätze und Dorfleben zutreffen, muss sich an konkreten Zahlen und Erfahrungen vor Ort erweisen.
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