Österreich

Wien verbarrikadiert Luxusgeschäfte: Angst vor Halloween-Krawallen in Österreich

Holzplatten statt Schaufenster: Aus Sorge vor angekündigten Halloween-Krawallen haben Wiener Geschäftsleute ihre Läden verbarrikadiert. Auch Luxusgeschäfte in der Innenstadt treffen Schutzmaßnahmen. Die Polizei verstärkte ihre Präsenz nach Aufrufen zu gewaltsamen Protesten.
Wien verbarrikadiert Luxusgeschäfte: Angst vor Halloween-Krawallen in Österreich

Die Angst vor gewaltsamen Ausschreitungen hat am Halloween-Samstag auch Wien erreicht. Mehrere Geschäfte in der österreichischen Hauptstadt haben ihre Schaufenster mit massiven Holzplatten verbarrikadiert. Auch bekannte Luxusmarken in der Innenstadt schützen ihre Verkaufsräume mit Holzplatten.

Die Händler fürchten Plünderungen und Sachbeschädigungen, nachdem in sozialen Netzwerken zu gewaltsamen Aktionen aufgerufen worden war. Die Polizei reagierte mit Hausdurchsuchungen und einem verstärkten Aufgebot. Der Blick richtet sich dabei auch nach Frankreich, Deutschland und in die Schweiz, wo Protestbewegungen und Aufrufe zu Aktionen für Unruhe sorgen.

In Frankreich ist die Lage bereits seit Wochen angespannt. Die Proteste richten sich gegen steigende Preise, marode Bildungseinrichtungen, fehlende staatliche Investitionen und wachsende soziale Ungleichheit.

Bei früheren Protesten kam es zu Plünderungen, Sachbeschädigungen und gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei. In Limoges wurde das Rathaus angezündet, in mehreren Städten setzte die Polizei Tränengas ein. Die Bilder dieser Ausschreitungen verbreiteten sich rasch über soziale Netzwerke und wurden auch in anderen europäischen Ländern zum Bezugspunkt für neue Mobilisierungen.

Am Samstag gingen in Frankreich erneut Tausende Menschen auf die Straße. Es war bereits das dritte Protestwochenende in Folge. Das Innenministerium meldete am frühen Nachmittag rund 15.000 Teilnehmer und 27 Festnahmen. In Lyon und Toulouse setzte die Polizei Tränengas ein, aus Marseille wurden Spannungen gemeldet. Rund 70.000 Polizisten und Gendarmen waren landesweit im Einsatz.

Auch in Deutschland wurde am Samstag in zahlreichen Städten demonstriert. Die Initiative "Gen Z regelt" hatte in 34 Städten zu Protesten aufgerufen. Die Forderungen reichen von besseren Bildungseinrichtungen und bezahlbarem Wohnraum bis zu mehr öffentlichen Investitionen und einem Ende der Wehrpflicht. Die Organisatoren betonen, dass sie friedlich demonstrieren wollen und sich von Gewalt distanzieren. Dennoch kam es in einzelnen Städten zu Zwischenfällen. In Hamburg wurden Barrikaden angezündet, in Köln stoppte die Polizei einen Demonstrationszug nach dem Einsatz von Rauchbomben durch vermummte Teilnehmer. In Stuttgart musste eine Kundgebung wegen Pyrotechnik und vermummter Personen mehrfach unterbrochen werden.

In Deutschland sind die Sicherheitsbehörden auf die Protestaufrufe eingestellt. Das Bundesinnenministerium bestätigte Kontakte zu den Behörden in Frankreich und Italien. Der Verfassungsschutz hat zudem einschlägige Internetseiten und soziale Netzwerke im Blick.

Die Behörden unterscheiden dabei ausdrücklich zwischen friedlichen Protesten und gewaltbereiten Gruppen, die solche Veranstaltungen für eigene Aktionen nutzen könnten.

In der Schweiz ist die Lage anders, doch auch hier gibt es Aufrufe zu Protesten. In Zürich mobilisierten linksextreme Gruppen für eine unbewilligte Kundgebung im Kreis 4. Der Aufruf wurde auf Barrikade.info veröffentlicht und unter anderem von der Revolutionären Jugend Zürich verbreitet. Darin wird ausdrücklich auf die Protestbewegungen in Frankreich und anderen europäischen Ländern Bezug genommen. Wie weit die Gewaltbereitschaft reicht, zeigt eine Passage, in der eingeschlagene Schaufensterscheiben als Ausdruck von Gerechtigkeit dargestellt werden. Die Stadtpolizei Zürich bereitete sich auf einen entsprechenden Einsatz vor.

Eine landesweite Demonstration der deutschen Initiative "Gen Z regelt" war in der Schweiz für den 31. Oktober hingegen nicht angekündigt. Für den 20. November ist ein eigener internationaler Jugendstreik geplant. Schweizer Organisatoren, darunter die Juso, wollen dabei soziale Fragen und die Kritik an steigenden Rüstungsausgaben in den Mittelpunkt stellen. Juso-Präsidentin Mirjam Hostettmann distanzierte sich ausdrücklich von den Gewalttaten in Frankreich.

In Wien reagierte der Staatsschutz bereits vor dem Wochenende mit sechs Hausdurchsuchungen in Wien und Niederösterreich. Sechs Personen wurden im Zusammenhang mit Gewalt- und Plünderungsaufrufen im Internet ausgeforscht, vier Verdächtige zwischen 14 und 22 Jahren vernommen. Sichergestellt wurden zwei Schreckschusspistolen, eine Softair-Waffe, Munition, eine Machete und Datenträger.

Mehrere Händler sicherten ihre Schaufenster mit Holzplatten oder verkürzten die Öffnungszeiten. Das österreichische Außenministerium warnte diplomatische Vertretungen vor möglichen Ausschreitungen. Für die Halloween-Nacht wurden zusätzliche Polizeikräfte mobilisiert.

Am Nachmittag blieb es zunächst ruhig. Rund 100 Personen zogen nach einer Kundgebung vor dem Parlament in Richtung Universität. Die Versammlung verlief friedlich, die Polizei meldete keine Zwischenfälle. Ob es in den Abendstunden zu Ausschreitungen kommen würde, war damit noch offen.

Frankreich, Deutschland, die Schweiz und Österreich erleben keine einheitliche Protestbewegung. Doch die Bilder von Plünderungen, brennenden Barrikaden und Straßenschlachten verbreiten sich über soziale Netzwerke und können andernorts als Vorbild für neue Aktionen dienen. Wiens Händler reagieren auf diese grenzüberschreitende Mobilisierung, indem sie ihre Luxusauslagen vorsorglich hinter Holzplatten schützen.

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