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Zu russlandfreundlich: Deutscher Vatikan-Botschafter kanzelt Papst Leo ab

Im Auswärtigen Amt ist man offenbar unzufrieden mit der Russland-Politik des katholischen Kirchenoberhaupts. In einem Interview warf Vatikan-Botschafter Bruno Kahl dem Papst vor, seiner Verantwortung als moralische Instanz nicht gerecht zu werden und nicht hinlänglich zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.
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Eine Analyse von Astrid Sigena

Gegenüber der katholischen Publikation Christ in der Gegenwart übte der deutsche Botschafter im Vatikan, Bruno Kahl, diese Woche deutliche Kritik an der Haltung des Papstes in der Russland-Frage. Aufhänger der Kritik war der Berichterstattung der katholischen Nachrichtenagenturen KNA und KAP zufolge die erste Enzyklika von Papst Leo XIV., Magnifica Humanitas.

Demnach monierte Botschafter Kahl an der Einstellung des Vatikans gegenüber Russland, dass in jüngster Zeit ein realistischer Blick fehle. Bruno Kahl kann als hochrangiger Repräsentant der Bundesrepublik gelten. Vor seiner Zeit als Vertreter Deutschlands am Heiligen Stuhl war er von 2016 bis 2025 Präsident des deutschen Auslandsgeheimdiensts BND.

Der Berichterstattung zufolge wünscht sich Kahl in den Fragen von Sicherheit und Rüstung eine klarere Positionierung des Papstes. Es fehle die Unterstützung des Vatikans beim Bestreben der Europäer, sich gegen Russland zu verteidigen. Vielmehr käme sogar Kritik daran.

In der Enzyklika des Papstes werde das Recht auf Selbstverteidigung zwar angesprochen, aber die Gefahr von Waffen und Rüstung überbetont. Dies sei unrealistisch, so Kahl: "Solange der Mensch als Sünder auf dieser Welt lebt, muss er mit Krieg rechnen", erklärte der deutsche Botschafter, der selbst Katholik ist. Fehlende Abschreckung sei eine Einladung zur Aggression.

Deutschland sehe sich genötigt, seine Verteidigungsfähigkeit an die geopolitische Realität anzupassen. Es sei eine falsche Hoffnung gewesen, dass Russland "uns im Frieden akzeptieren und respektieren" werde. Ein in den Augen des deutschen Botschafters aggressives Russland richte sich nicht nur gegen die Ukraine, sondern gegen die europäische Nachkriegsordnung an sich.

Er wünsche sich zwar, dass die diplomatischen Bemühungen des Papstes von Erfolg gekrönt seien, beteuert Kahl. Er sehe aber wenig Chancen dafür, vielmehr die Gefahr, dass sich der Papst vor "Putins Karren" spannen lasse und damit russischer Propaganda diene.

Als moralische Instanz sei die katholische Kirche dazu verpflichtet, zwischen "Gut und Böse" zu unterscheiden. Offenbar sieht der deutsche Botschafter Russland auf der Seite des Bösen, denn er erklärt: "Russland hat Angst vor der Demokratie, bekämpft die Demokratie, da ist eine Äquidistanz nicht mehr angebracht."

Die von Kahl angesprochene Enzyklika ist bereits im Mai dieses Jahres erschienen. Sie dürfte demnach nur der Vorwand gewesen sein, um an der Russland-Politik von Papst Leo XIV. Kritik zu üben. Denn der Vatikan hat in den vergangenen Monaten sein Bemühen um eine Beilegung des Ukraine-Konflikts in erheblichem Maße gesteigert.

Der vatikanische Sondergesandte, Kardinal Matteo Maria Zuppi, war im Juli 2026 zuerst in die Ukraine gereist, im September dann nach Moskau, wo er mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow und dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. Gespräche führte. Während beider Reisen besuchte Kardinal Zuppi jeweils auch Kriegsgefangenenlager und bemühte sich um humanitäre Erleichterungen.

Der vatikanische Außenminister, Erzbischof Paul Richard Gallagher, besuchte im Juli und im August 2026 Kiew und Moskau. Er sprach jeweils mit Wladimir Selenskij und dem russischen Außenminister Lawrow.

Schließlich wurde auch Papst Leo selbst aktiv. Nach seiner Lungenoperation telefonierte er mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem Anführer des Kiewer Regimes. Sein Anliegen war Medienberichten zufolge, eine Waffenpause in der umkämpften Frontstadt Aljoschki zu erreichen, wo aufgrund der ukrainischen Blockade eine humanitäre Katastrophe drohte. Auch die US-amerikanische First Lady Melania Trump setzte sich für eine Waffenruhe ein. Ende Oktober glückten schließlich die Versorgung und Evakuierung der Not leidenden Stadtbevölkerung.

Welche dieser diplomatischen Aktivitäten des Vatikans das Missfallen der Bundesregierung erregt hat, muss offen bleiben. Klar ist jedoch: Das Auswärtige Amt nutzte nun über seinen Botschafter Kahl die Gelegenheit, dem Papst seine Unzufriedenheit kundzutun. Dass der Vatikan wiederum öffentlich auf die Kritik reagiert, dürfte unwahrscheinlich sein.

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