Liveticker zur Wahl in Sachsen-Anhalt: Schulze tritt nicht mehr für Landesvorsitz an

7.09.2026 20:35 Uhr
20:35 Uhr
Schulze zieht sich zurück
Sven Schulze, noch Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt und Landesvorsitzender der CDU, wird nach einer Meldung der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung auf dem nächsten Parteitag der CDU in Sachsen-Anhalt nicht mehr für den Landesvorstand kandidieren. "Sven Schulze werde für kein Amt mehr zur Verfügung stehen, hieß es aus der Partei." Dieser Parteitag soll im November, spätestens Anfang Dezember, stattfinden.
Das soll Schulze auf einer Beratung mit Landesvorstand und Kreisvorsitzenden der CDU in Magdeburg angekündigt haben. Der Landesvorstand hat dort ebenfalls entschieden, dass die CDU künftig ihre Aufgabe im Landtag in der Opposition sieht.
Die Oppositionsrolle hatte Schulze bereits am Morgen vorgegeben; es war aber noch unklar, ob er selbst Konsequenzen aus der Wahlniederlage ziehen würde. Mit dieser Aussage ist er praktisch zurückgetreten, auch wenn er das Amt noch bis zum Parteitag ausübt.
20:05 Uhr
Campact lässt gegen das Wahlergebnis in Berlin demonstrieren

Demonstration in Berlin, 07.09.2026Urheberrechtlich geschützt Campact und Fridays for Future haben am heutigen Montag zu einer Demonstration gegen die AfD aufgerufen. Am Brandenburger Tor in Berlin demonstrierten nach Polizeiangaben etwa 5.000 Menschen. Hauptrednerin war die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi. Das Motto der Veranstaltung lautete "Zeit zum Handeln: AfD stoppen."
Die Organisation Campact, die in den letzten Monaten durch diverse politisch motivierte Boykottaktionen aufgefallen ist und womöglich staatliche Mittel in den Wahlkampf der Grünen geleitet hat, nennt das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt ein "dramatisches Ergebnis". Es gibt allerdings durchaus unmittelbare Eigeninteressen seitens Campact und anderer NGOs – Sachsen-Anhalt betreibt ein Landesprogramm "Wir sind das Land", das mit dem Bundesprogramm "Demokratie leben" zusammenarbeitet. Diese Mittel wären durchaus gefährdet, wenn eine AfD-geführte Regierung zustande kommt.
Im Verlauf der Woche sollen weitere Kundgebungen unter anderem in Hamburg, München, Bremen und Leipzig stattfinden. Ebenfalls geplant sind Aktionen in Mecklenburg-Vorpommern. Derartige Demonstrationen sind relativ neu; in früheren Jahrzehnten demonstrierte man für konkrete Forderungen oder auch während des Wahlkampfes, aber nicht infolge eines unerwünschten Wahlergebnisses.
In Magdeburg hatte es auf dem Domplatz bekanntlich am Samstag und Sonntag Kundgebungen gegen die AfD gegeben. Das Wahlergebnis haben sie kaum beeinflusst.
19:22 Uhr
Schwesig macht AfD zum Hauptwahlkampfthema
Manuela Schwesig, die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und Spitzenkandidatin der SPD, hat passend zum Wahlerfolg der AfD ein neues Wahlplakat vorgestellt.
Ich bitte um die Stimmen von allen, die verhindern wollen, dass die AfD die Macht übernimmt. Ich bin eure Frau gegen Blau! pic.twitter.com/8TMQrlsGic
— Manuela Schwesig (@ManuelaSchwesig) September 7, 2026Gleichzeitig mit der Bundeshauptstadt Berlin muss Schwesig sich am 20. September der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern stellen. In aktuellen Umfragen erreicht die AfD 35, die SPD 32, die Linke elf, die CDU acht, die Grünen fünf und das BSW vier Prozent. Eine AfD-Regierung scheint also nicht sehr wahrscheinlich.
Allerdings ist es durchaus vorstellbar, dass die AfD das Plakat kontert und die Bundesvorsitzende Alice Weidel dann als "Frau in Blau" plakatiert – sollte sie sich auf den Verzicht auf Inhalte einlassen.
18:47 Uhr
Ein "Weiter-so" aus Alternativlosigkeit?
Nicht nur in seiner Pressekonferenz heute Mittag, sondern auch in der Fraktionssitzung blieb Bundeskanzler Friedrich Merz bei einem deutlichen "Weiter-so". SPD-Vize Bärbel Bas hatte zuvor erklärt, der Reformkurs der Regierung sei zwar nötig, aber "wir dürfen die Sozialreformen nicht gegen die Menschen machen". Es müsse "am Ende doch bei den Menschen auch übrig bleiben, dass es besser wird, wenn wir Reformen machen". Merz' Rhetorik richte Schaden an. Der Bundeskanzler hatte den Deutschen unter anderem Faulheit vorgeworfen. Allerdings erklärte sie auch: "Jetzt noch die Bundesregierung in ein Chaos zu stürzen, das kann nicht unser Weg sein."
Merz soll laut Bild in der Fraktionssitzung erklärt haben, es werde "keine Diskussion" über eine Aufweichung der Reformen geben. Sie müssten "schnell durchgesetzt werden". Mehr noch – er will von Finanzminister Klingbeil noch weitere Reformen, insbesondere bei den Steuern, fordern.
In den Medien herrscht ein etwas anderer Ton. In der Rheinischen Post hieß es, Merz müsse die Union retten oder den Weg freimachen. Zudem wird spekuliert, wer in der CDU womöglich seinen Hut in den Ring werfen könne. NRW‑Ministerpräsident Hendrik Wüst könne das etwa sein. Ein möglicher Zeitpunkt wäre nach den beiden nächsten Wahlen am 20. September. "Der Baum in der CDU brennt lichterloh", lautete die Überschrift über einen Videokommentar der Welt zum Wahlergebnis.
Wie sehr die Koalitionspartner inzwischen voneinander abhängen, zeigte unter anderem das Wahlergebnis der SPD in Sachsen‑Anhalt. Bei einer Umfrage der ARD nach der Wahl gaben 78 Prozent der SPD-Wähler an, die SPD nur gewählt zu haben, um die AfD zu verhindern. Diese Leihstimmen stammten vor allem von der CDU.
Auch in Sachsen-Anhalt selbst ist noch nicht klar, inwieweit das Wahlergebnis in der CDU zu Konsequenzen führen wird. Die entscheidende Fraktionssitzung läuft noch.
18:00 Uhr
Die fünf "Zünglein an der Waage"
Die fünf Abgeordneten des BSW besitzen vermutlich die entscheidenden Stimmen bei der Bildung der neuen Regierung in Sachsen-Anhalt. Alle fünf sind Neulinge, nicht nur im Landtag; auch in der Kommunalpolitik verfügen sie über keine Vorerfahrungen.
Spitzenkandidat Thomas Schulze, 1964 geboren, ist gelernter Koch und leitet eine Landeserstaufnahmeeinrichtung in Stendal, arbeitete aber auch schon in einer Justizvollzugsanstalt. Seine Kollegin Claudia Wittig, 42, lehrt Geschichte an der Universität Halle. Margitta Kriebel ist Diplom-Forstingenieurin und kommt aus Börde. Michael Reim, 43, ist IT-Berater und Vater von vier Kindern und stammt aus Quedlinburg. John Lucas Dittrich ist 22 und studiert Lehramt Deutsch und Sozialkunde. Dittrich und Wittig waren zuvor in der Linkspartei.
Die fehlende parlamentarische Erfahrung dürfte die Arbeit der neuen Abgeordneten anfangs sehr erschweren. In der Fraktion der AfD befinden sich zwar ebenfalls mindestens 14 Parlamentsneulinge (von 39), aber so gut wie alle haben kommunalpolitische Erfahrung.
Alle fünf BSW-Abgeordneten gelten als loyal gegenüber Wagenknecht. Allerdings dürfte diese Loyalität ganz neu auf die Probe gestellt werden, wenn sie im Mittelpunkt eines Ringens um die Regierungsmacht stehen.
17:04 Uhr
Landtag mit wenigen Frauen
Von den insgesamt 83 Abgeordneten im künftigen Landtag von Sachsen-Anhalt sind 18 Frauen und 65 Männer. Das ist mit 21,7 Prozent der niedrigste Frauenanteil in allen deutschen Landtagen. Zuvor war diese Position von Bayern besetzt, wo der Frauenanteil 24,6 beträgt. Im alten Magdeburger Landtag waren noch 27,8 Prozent der Abgeordneten Frauen. Konkret wurden 5 Mandate nicht mehr mit Frauen besetzt.
Dabei dürfte allerdings auch eine Rolle spielen, dass viele Mandate direkt vergeben wurden. Je höher der Anteil der direkt gewählten Abgeordneten, desto niedriger der Frauenanteil, selbst in Parteien, die quotieren, was bei CDU und AfD nicht der Fall ist. In Sachsen-Anhalt gingen bis auf drei alle Direktmandate an die AfD. Auch in Bayern ist der Anteil der direkt besetzten Mandate sehr hoch.
Den höchsten Frauenanteil aller deutschen Landesparlamente hat der Stadtstaat Hamburg mit 48,8 Prozent. Darauf folgen dann Bremen und Berlin. Die Reihenfolge hat sich übrigens seit 2008 umgekehrt – damals war es Brandenburg, das den höchsten Frauenanteil im Landtag aufwies.
15:42 Uhr
AfD-Chef Chrupalla schwebt eine Ost-Sonderwirtschaftszone vor
Auf der heutigen AfD-Pressekonferenz in Berlin deutete der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla eine teilweise wirtschaftliche Abkoppelung der Ost-Bundesländer vom Rest der Republik an. Er sprach von eine gemeinsamen Sonderwirtschaftszone, die man verwirklichen wolle, sobald die AfD auch in anderen Bundesländern gewonnen habe. Dann sei man nicht mehr bloß ein von Geldflüssen aus dem Bund abhängiges "Anhängsel" und könne wirtschaftlich selbstständig agieren.
15:28 Uhr
BSW-Spitzenkandidatin Wittig: Brandmauer ist "undemokratisch"
Die sachsen-anhaltische BSW-Politikerin Claudia Wittig betrachtet die gegen die AfD gerichtete Brandmauer als undemokratische Vorgehensweise. Dies sagte sie einer Meldung der Deutschen Presseagentur zufolge bei dem Fernsehsender Phoenix. Es gehe nicht an, eine Partei, die mehr als 40 Prozent aller abgegebenen Stimmen erhalten habe, grundsätzlich auszuschließen.
Auch sei eine Brandmauer kontraproduktiv. Damit sei es bisher nicht gelungen, die AfD zu schwächen. Stattdessen will das BSW Wittig zufolge bei einzelnen Sachthemen mit der AfD zusammenarbeiten, etwa bezüglich der Bewältigung der Energiepreise. "Rechtsextreme Projekte" lehne man jedoch ab und auch einen AfD-Ministerpräsidenten wolle man nicht wählen.
Das BSW pocht weiterhin auf einen überparteilichen Ministerpräsidenten. Falls es nicht zu einer Einigung diesbezüglich komme, werde man sich bei der Ministerpräsidentenwahl enthalten. Der Ministerpräsident wird mit der Mehrheit aller Abgeordneten gewählt. Dazu wären die Stimmen des BSW nötig. Erst nach zwei gescheiterten Wahlgängen reicht eine einfache Mehrheit.
15:15 Uhr
SPD bringt überparteilichen Ministerpräsidenten für Sachsen-Anhalt ins Spiel
Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, wächst bei den Sozialdemokraten die Akzeptanz für einen überparteilichen Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt.
Damit geht sie auf eine Forderung des BSW ein, das auf einen parteiunabhängigen Ministerpräsidenten pocht, der mittels wechselnder Mehrheiten, gegebenenfalls mit den Stimmen der AfD, regieren soll. Allerdings steht noch nicht fest, wer dem BSW als Kandidat für den Posten des überparteilichen Ministepräsidenten überhaupt vorschwebt.
Der sachsen-anhaltische SPD-Spitzenkandidat und derzeitige Wissenschaftsminister Armin Willingmann nannte in Berlin eine solche Lösung "nicht das allererste Mittel der Wahl". Man solle aber diese Idee auch nicht "a priori" ablehnen. Es gelte eine politische Blockade zu verhindern.
15:01 Uhr
Der polnische Außenminister Sikorski arbeitet sich auf X an AfD-Wahlsieg ab
In mehreren Beiträgen kritisierte der Außenminister und stellvertretende Ministerpräsident Polens, Radosław Sikorski, den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt. Sikorski ist seit 2023 Außenminister Polens und gehört der liberal-konservativen Partei Platforma Obywatelska (Bürgerplattform) an.
Zu den diplomatischen Gepflogenheiten gehört es eigentlich, sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, den dortigen Wählerwillen zu respektieren und nicht durch vorschnelle Kommentierungen die Zusammenarbeit mit künftigen Regierungen zu gefährden. Doch dieses Prinzip ficht Sikorski an. So kritisierte er in einem Post auf X mögliche AfD-Bündnispartner in Polen.
Żeby potem nie było, że nikt w Polsce nie bronił AfD. https://t.co/8dbkFGb9wn
— Radosław Sikorski 🇵🇱🇪🇺 (@sikorskiradek) September 7, 2026An den polnischen Ministerpräsidenten Karol Nawrocki gerichtet, der der nationalkonservativen PiS-Partei nahesteht, schrieb Sikorski wiederum:
"Der Präsident und unsere Rechte dämonisieren das heutige demokratische, proeuropäische Deutschland und werden es noch vermissen."
Pan Prezydent i nasza prawica demonizują dzisiejsze demokratyczne, proeuropejskie Niemcy a jeszcze za nimi zatęsknią. https://t.co/ZqdsyBvVHI
— Radosław Sikorski 🇵🇱🇪🇺 (@sikorskiradek) September 7, 2026In einem Interview für den polnischen Radiosender VOX FM erklärte Sikorski:
"Das Ergebnis der Alternative für Deutschland (AfD) bei den Wahlen am Sonntag in Sachsen-Anhalt ist in der Tat ein sehr beunruhigendes Signal."
Offenbar in Anspielung auf den sogenannten Operationsplan Deutschland, der Sachsen-Anhalt als Durchgangsgebiet für den NATO-Aufmarsch gen Osten vorsieht, wies Sikorski darauf hin, dass staatliche Institutionen dem Einmarsch fremder Truppen zustimmen müssten:
"Wenn also amerikanische, französische oder andere Truppen nach Polen vorzudringen hätten, hätten wir ein Problem, denn Sachsen liegt zwischen Berlin und der alten Grenze der Bundesrepublik Deutschland."
(Hier verwechselt Sikorski offenbar die beiden Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt)
Der polnische Außenminister fügte mahnend hinzu:
"Das passiert, wenn man mit Nationalisten sympathisiert."
Herr Tusk, zjedz Snickersa! 🥂
— Tomasz Froelich (@TomaszFroelich) September 6, 2026Auch der polnische Präsident Donald Tusk (ebenfalls zur Bürgerplattform gehörig) äußerte seine Besorgnis angesichts des AfD-Erfolgs im westlichen Nachbarland. Ebenfalls auf X erklärte er:
"In Polen können sich nur Idioten oder Verräter über den Triumph der AfD in Deutschland freuen. Es hat sich ein bisschen von ihnen in den Konföderationen und der PiS angesammelt."
Was wiederum den polnischstämmigen EU-Abgeordneten Tomasz Froelich (AfD) zu der Antwort herausforderte:
"Herr Tusk, essen Sie ein Snickers!"
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