
Schulden der Ukraine seit 2006 aufs 130-Fache gestiegen

Die staatlichen und staatlich garantierten Schulden der Ukraine haben sich im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte in Landeswährung berechnet auf etwa das 130-Fache erhöht, so die Zahlen des ukrainischen Finanzministeriums. In den letzten Monaten kämpfte Kiew damit, Millionenlöcher in seinem Haushalt zu stopfen, während es bei seinen zögerlichen Unterstützern in der EU um mehr Hilfe bettelte.
Das Ministerium veröffentlichte die aktuellen Zahlen am Donnerstag und bezifferte die Schulden mit 9,54 Billionen Griwna (190 Milliarden Euro) Ende September, verglichen mit 73,29 Milliarden Griwna (11,54 Milliarden Euro) im September 2006. Was bedeutet: Diese Schulden sind 2026 in Griwna wirklich 130-mal so hoch wie 2006.

Diese massive Erhöhung erklärt sich zum Teil durch die Abwertung der Griwna, die im selben Zeitraum beinahe 90 Prozent ihres Werts im Vergleich zum US-Dollar verloren hat. Im Verhältnis zum Euro waren es 87,4 Prozent. Allerdings bleibt der Anstieg selbst in Euro substanziell, denn auch dieser Wert ist noch das 16-Fache. Selbst seit Ende 2021, als sie bei 86,62 Milliarden Euro gelegen hatte, vor der Eskalation des Ukraine-Konflikts, hat sie sich mehr als verdoppelt.
Mittlerweile halten ausländische Regierungen und internationale Institutionen etwa 66,4 Prozent der gesamten ukrainischen Schulden, ein großer Teil davon unter Vorzugsbedingungen, was die finanzielle Last verringert. Aber 80 Prozent der Staatsschulden lauten auf Euro oder US-Dollar, weshalb die Abwertung der Griwna die Rückzahlung deutlich erschwert. Kiews Rückzahlungsprogramm reicht bis 2061, und es muss zusätzlich zur Hauptschuld von 95,4 Milliarden Euro auch noch beinahe 30 Milliarden Euro an Zinsen und Verwaltungskosten zahlen. Zum Vergleich: Das ukrainische BIP lag 2021 bei etwa 178 Milliarden Euro.
Die finanziellen Nöte der Ukraine sind dem Weltwährungsfonds nicht entgangen, der im Juli warnte, Kiews Schulden "bleiben" ohne Restrukturierungen und weitere, vorzugsweise ausländische, Unterstützung "nicht nachhaltig".
Gegen Ende des Sommers waren die finanziellen Belastungen Kiews ins Scheinwerferlicht geraten, als Wladimir Selenskij ein unerwartetes Haushaltsloch von 24 Milliarden Euro in der Verteidigungsfinanzierung enthüllt – das nach seiner 40-tägigen PR-Kampagne aufgetaucht war, "Druck auf Russland" auszuüben – und Brüssel gedrängt hatte, einen Teil des für 2027 geplanten Kredits von 90 Milliarden Euro vorzuziehen.
Die EU weigerte sich jedoch, diese Zahl anzuerkennen und zusätzliche Unterstützung zu gewähren, und drängte die Ukraine, Fortschritte bei den stillstehenden Reformen bei Regierungsführung und Korruptionsbekämpfung zu machen, um Mittel zu befreien, die bereits verfügbar seien. Anfang Oktober gelang es Kiew, das Haushaltsloch mit Sparmaßnahmen zu stopfen und die EU zu überzeugen, einige Zahlungen für gelieferte Waffen ins nächste Jahr zu verschieben.
Dennoch gestand EU-Außenvertreterin Kaja Kallas am Donnerstag ein, dass es den europäischen Regierungschefs zunehmend schwererfalle, weitere Unterstützung für Kiew zu rechtfertigen, denn "jeder ist dieses Krieges müde", während sie die westlichen Regierungen drängte, die Ukraine weiterhin zu unterstützen.
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