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Schweiz warnt vor neuer Eurokrise: Frankreichs Schulden werden zum Risiko für Europa

Frankreichs Schuldenlast wird zur Belastungsprobe für Europa. Hohe Ausgaben, magere Wachstumsraten und politische Blockaden erschweren die Sanierung des Haushalts. Die Warnung aus Bern macht deutlich, dass eine Krise der großen Euro-Länder auch Schweizer Banken, Unternehmen und Exporteure treffen könnte.
Schweiz warnt vor neuer Eurokrise: Frankreichs Schulden werden zum Risiko für EuropaQuelle: RT

Die Schweizer Finanzministerin Karin Keller-Sutter warnt vor einer neuen Eurokrise. Frankreichs ausufernde Staatsverschuldung, das hohe Haushaltsdefizit und das schwache Wirtschaftswachstum bringen die Finanzmärkte zunehmend unter Druck. Die Renditen französischer Staatsanleihen sind auf den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren gestiegen. Auch die Schweiz könnte die Folgen einer neuen Schuldenkrise nicht einfach abschütteln.

"Wir sind international so eng miteinander verflochten, dass wir ebenfalls verwundbar sind, wenn eine Schuldenkrise durch die Staatsverschuldung großer Länder entsteht",

sagte Keller-Sutter dem Schweizer Fernsehen SRF in Bangkok. Neben den USA verwies sie ausdrücklich auf Frankreich, dessen Finanzprobleme eine neue Krise des Euro auslösen könnten. Die Finanzministerin äußerte sich am Rande der Jahrestagungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank.

Frankreich ist längst kein gewöhnlicher Schuldner mehr. Ende Juni 2026 belief sich die öffentliche Verschuldung auf 3,596 Billionen Euro. Das entsprach rund 119 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Die Europäische Kommission rechnet damit, dass die Schuldenquote bis 2027 auf rund 120 Prozent steigen könnte. Damit entfernt sich Paris weiter von den europäischen Vorgaben, die eine Obergrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vorsehen. 

Noch schwieriger ist die Lage beim laufenden Haushalt. Frankreichs Defizit dürfte 2026 nach Einschätzung des IWF 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen. Ursprünglich wollte die Regierung den Fehlbetrag bereits in diesem Jahr auf fünf Prozent senken. Dieses Niveau ist inzwischen jedoch zum neuen Ziel für 2027 geworden. Bis 2029 muss Paris das Defizit gemäss den EU-Regeln wieder unter drei Prozent drücken.

Frankreich steckt auch konjunkturell in der Klemme. Bei einem erwarteten Wachstum von gerade einmal 0,4 Prozent im Jahr 2026 und 0,7 Prozent 2027 kann die Wirtschaft kaum zusätzliche Einnahmen für den Staat liefern. Der IWF rechnet für die Eurozone mit deutlich besseren Werten von 1,1 und 1,2 Prozent. Die schwache Leistung der französischen Wirtschaft erschwert damit die Sanierung des Haushalts.

Die Finanzmärkte reagieren bereits. Mitte Oktober näherte sich die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen der Marke von 4,9 Prozent. Der Abstand zu vergleichbaren deutschen Bundesanleihen lag bei rund 1,4 Prozentpunkten. Dieser Risikoaufschlag ist ein wichtiger Indikator dafür, wie viel mehr Zinsen Anleger für französische gegenüber deutschen Staatspapieren verlangen.

Für Paris wird das teuer. Je höher die Zinsen ausfallen, desto mehr Geld muss der Staat für die Refinanzierung seiner Verbindlichkeiten aufwenden. Dieses Geld fehlt für andere Ausgaben oder muss durch höhere Steuern und Einsparungen aufgebracht werden. Steigende Finanzierungskosten können so den Druck auf den Haushalt weiter erhöhen.

Der IWF sieht kurzfristig zwar noch keine außer Kontrolle geratene Situation am Anleihemarkt. Die Laufzeiten der französischen Schulden seien vergleichsweise lang, die Investorenbasis breit und die Liquidität der Banken hoch. Bleiben die Zinsen jedoch länger auf dem erhöhten Niveau, wächst der Druck auf die Regierung, einen glaubwürdigen Plan zur Sanierung der Staatsfinanzen vorzulegen. Besonders wichtig ist dabei der Haushalt für 2027.

Die Sanierung der französischen Staatsfinanzen droht am Widerstand im Parlament zu scheitern. Die Parteien verfolgen unterschiedliche Vorstellungen über Ausgaben, Steuern und den künftigen Sparkurs. Für die Regierung wird es damit schwieriger, ein tragfähiges Haushaltspaket zu verabschieden. Vor der Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 dürfte der Spielraum für unpopuläre Maßnahmen weiter schrumpfen. Diese Unsicherheit schlägt sich auch in der Einschätzung der Anleger nieder.

Ein Blick auf die übrige Eurozone erklärt die Nervosität ebenfalls. Ende 2025 lag die öffentliche Verschuldung des Währungsraums bei 87,8 Prozent der Wirtschaftsleistung. Frankreich gehörte mit 115,6 Prozent zu den höchstverschuldeten Mitgliedstaaten. Nur Griechenland und Italien wiesen höhere Quoten auf. Das französische Haushaltsdefizit lag 2025 bei 5,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit deutlich über der europäischen Drei-Prozent-Grenze. 

Für die Schweiz ist diese Lage mehr als ein Problem der europäischen Nachbarn. Schweizer Banken, Versicherungen und Unternehmen sind eng mit den internationalen Finanzmärkten verbunden. Eine Krise französischer Staatsanleihen könnte die Bewertung von Vermögenswerten unter Druck setzen, die Kreditvergabe erschweren und die Nachfrage nach Schweizer Exporten schwächen. In einer schweren Finanzkrise würden zudem Investoren ihre Anlagen neu bewerten und Kapital in vermeintlich sichere Häfen verschieben.

Die Schweizer Ausgangslage ist allerdings deutlich besser. Das Land verfügt über eine vergleichsweise niedrige Staatsverschuldung und eine institutionell verankerte Schuldenbremse. Keller-Sutter machte dennoch klar, dass solide eigene Finanzen keinen vollständigen Schutz vor den Folgen einer internationalen Krise bieten. Wenn eine große Volkswirtschaft in Schwierigkeiten gerät, können sich die Auswirkungen über Banken, Handel und Kapitalmärkte rasch ausbreiten.

Hinzu kommen die Energiepreise, die nach Einschätzung der Finanzministerin zusätzliche Risiken für die wirtschaftliche Stabilität schaffen. Steigende Energiekosten belasten Unternehmen und Haushalte, während höhere Zinsen die Finanzierung verteuern. Für Regierungen wird es damit schwieriger, die Konjunktur zu stützen und zugleich die Staatsverschuldung zu begrenzen.

Eine neue Eurokrise ist nicht zwangsläufig. Frankreich verfügt weiterhin über Zugang zu den Kapitalmärkten, und der IWF hält die kurzfristigen Risiken für beherrschbar. Doch die Kombination aus einer Schuldenquote nahe 120 Prozent, anhaltend hohen Defiziten, schwachem Wachstum und politischer Blockade lässt wenig Spielraum für Fehler.

Keller-Sutters Warnung ist deshalb auch ein Signal an die europäischen Regierungen. Die Schuldenprobleme großer Staaten lassen sich nicht dauerhaft durch neue Kredite überdecken. Wenn Frankreich das Vertrauen der Anleger verliert und seine Finanzierungskosten weiter steigen, könnte daraus ein Problem für den gesamten Euro-Raum werden. Die Schweiz wäre trotz ihrer soliden Staatsfinanzen unmittelbar mitbetroffen.

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