
Bären auf Streifzug durch russische Ortschaften: Polizistin erschießt zwei Tiere

Ein Bär dringt in ein Wohnhaus ein, ein anderer verwüstet eine Imkerei oder streift durch die Straßen einer Ortschaft: In mehreren russischen Regionen häufen sich in diesem Herbst Berichte über Braunbären, die die Nähe von Menschen suchen. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Begegnungen, bei denen die Behörden eingreifen und mitunter den Abschuss der Tiere anordnen.
Nach Angaben des russischen Ministeriums für natürliche Ressourcen lebten im Jahr 2026 rund 307.900 Braunbären in Russland. 1990 waren es noch etwa 130.000. Damit hat sich die Population innerhalb von 36 Jahren mehr als verdoppelt. Die größten Bestände gibt es in den Regionen Krasnojarsk und Chabarowsk sowie auf der Halbinsel Kamtschatka.
Wie viele Tiere wegen einer Gefahr für Menschen getötet werden, zeigen Zahlen der Nachrichtenagentur TASS. Auf Grundlage von Angaben regionaler Behörden und anderer öffentlich zugänglicher Informationen berichtete die Agentur, dass seit Jahresbeginn mehr als 3.440 Bären erschossen worden seien. RBC veröffentlichte diese Angaben am 10. Oktober.

27 Menschen seit dem Frühjahr getötet
Wie gefährlich Begegnungen mit Raubtieren werden können, zeigt ein Fall aus dem Gebiet Archangelsk. Am 20. Oktober wurde die Leiche eines 49-jährigen Mannes mit Anzeichen eines Bärenangriffs gefunden. Nach Angaben der Regionalregierung hatte sich der Vorfall am 18. Oktober in der Nähe des Ortes Pinega ereignet. Der Mann war nach vorläufigen Erkenntnissen zum Beerensammeln mit einem Gewehr in den Wald gegangen.
"Fälle von Bärenangriffen auf Menschen wurden hier seit 1978 nicht mehr registriert", teilte die Regionalregierung mit. Die Behörden leiteten eine Suche nach dem Tier ein und zogen Jäger hinzu. Nach Angaben russischer Medien wurde der Mann zum 27. Todesopfer von Bärenangriffen in Russland seit dem Frühjahr 2026.
Auch in anderen Regionen kam es zuletzt zu gefährlichen Zwischenfällen. Am 15. Oktober drang ein Bär auf den Hinterhof eines Cafés im Kabanski-Bezirk der Republik Burjatien vor. Ein Mitarbeiter alarmierte die Polizei. Nach Angaben des regionalen Innenministeriums verhielt sich das Tier aggressiv und stellte eine Gefahr für die Menschen auf dem Gelände dar. Ein Polizist erschoss den Bären mit seiner Dienstwaffe. Menschen wurden nicht verletzt. Die Behörden veröffentlichten Einzelheiten des Vorfalls am 19. Oktober.
Am selben Tag wurde bekannt, dass Polizisten im Dorf Dalni im Autonomen Kreis der Chanten und Mansen/Jugra einen Bären erschossen hatten, der in das Haus einer 83-jährigen Frau eingedrungen war. Als die Beamten eintrafen, hatte das Tier das Gebäude bereits verlassen und streifte aggressiv durch den Ort. Die Polizei erklärte, der Einsatz der Dienstwaffe sei zum Schutz der Bevölkerung notwendig gewesen.
Polizistin erschießt zwei Bären
Wie schnell eine Begegnung mit einem Bären eskalieren kann, zeigt auch der Fall von Natalja Stelmakowa aus dem Gebiet Kemerowo. Die örtliche Polizeibeamtin erschoss im September zwei Braunbären, die in zwei Ortschaften auf Grundstücke vorgedrungen waren und Bewohner bedrohten.

Der erste Vorfall ereignete sich im Dorf Kandalep im Kreis Nowokusnezk. Bären hatten sich wiederholt im Apfelgarten eines Rentnerehepaars aufgehalten. Zunächst hielten sie Abstand zu den Menschen. Eines Tages drang ein Bär jedoch tiefer in den Garten vor und näherte sich den Gehegen mit Hausgeflügel. Die Bewohner versuchten, die Tiere durch Lärm zu vertreiben, doch ohne Erfolg. Schließlich riefen sie die Polizei.
Stelmakowa fuhr zu dem Grundstück. Als sich der Bär weiter näherte und eine Gefahr für die Menschen darstellte, schoss sie zweimal auf das Tier. Wenige Tage später wurde die Polizistin erneut zu einem Einsatz gerufen. Dieses Mal war ein Bär in eine Imkerei im Dorf Kusedejewo eingedrungen, hatte einen Zaun beschädigt und einen Bienenstock zerstört. Der Besitzer hatte sich in einem Nebengebäude in Sicherheit gebracht.
Angesichts der angespannten Lage war Stelmakowa mit einem Sturmgewehr ausgerüstet worden. Zunächst hoffte sie, den Bären vertreiben zu können. Doch das Tier konnte nicht verscheucht werden: Es war mit dem Honig beschäftigt und wollte offenbar nicht teilen. Die Polizistin schilderte dem regionalen Nachrichtenportal AiF Kusbass, wie sich die Situation plötzlich zuspitzte:
"Er knurrte, fletschte bedrohlich die Zähne und richtete sich auf. Er warf mir einen solchen Blick zu – seine Augen glänzten –, dass ich begriff, dass etwas Ernstes passieren würde. Dann ging er wieder auf alle vier Pfoten, fletschte die Zähne und kam auf uns zu."
Erst als sie zu Hause den Bericht über den Waffeneinsatz verfasste, wurde ihr bewusst, wie gefährlich die Situation gewesen war. Der Bär hätte die Entfernung zu ihr und den anderen Menschen innerhalb weniger Sekunden überwinden können. Für Stelmakowa steht die Sicherheit der Bewohner jedoch an erster Stelle:
"Die Menschen sind bei mir am Leben und gesund. Das Wichtigste für mich ist, die Menschen zu schützen."

Warum kommen Bären in die Ortschaften?
Ein wesentlicher Grund für das Auftauchen der Tiere in Siedlungen sind nach Angaben des russischen Ministeriums für natürliche Ressourcen leicht zugängliche Nahrungsquellen. Dazu zählen offene Müllcontainer, Deponien und Lebensmittelabfälle in der Nähe von Ferienanlagen. Bären gewöhnen sich an die leicht verfügbare Nahrung und verlieren mitunter ihre natürliche Scheu vor Menschen.
Auch das Nahrungsangebot in den Wäldern kann eine Rolle spielen. Experten verweisen auf einen möglichen Mangel an natürlichen Nahrungsquellen, der Bären dazu veranlassen kann, in der Nähe menschlicher Siedlungen nach Futter zu suchen.
Das Ministerium betont allerdings, dass nicht jeder Bär, der in der Nähe einer Siedlung gesichtet wird, getötet werden muss. Zeigt das Tier keine Aggression, kann es unter Umständen vertrieben werden. Ob ein Abschuss notwendig ist, hängt von der konkreten Gefahrensituation ab. Für die reguläre Bejagung gelten zudem regionale Abschussquoten.
Die Behörden warnen davor, Bären zu füttern oder Lebensmittel und Abfälle für sie zugänglich zu lassen. Wer die Tiere an leicht verfügbare Nahrung gewöhnt, kann dazu beitragen, dass sie immer wieder in bewohnte Gebiete zurückkehren.
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