Meinung

Italiens Regierung fürchtet sich vor einem General

In Italien tobt ein lauter feministischer Skandal, den viele als Teil des Wahlkampfs betrachten. Im Mittelpunkt steht General Roberto Vannacci, dem neben Sexismus und Machotum vorgeworfen wird, er würde für Russland arbeiten. Und tatsächlich will er zumindest eine Frau wirklich loswerden – Premierministerin Giorgia Meloni.
Italiens Regierung fürchtet sich vor einem GeneralQuelle: Gettyimages.ru © Massimo Insabato/Mondadori Portfolio

Von Geworg Mirsajan

Der Skandal begann mit einer außeramtlichen Äußerung von Außenminister Antonio Tajani. In einem Gespräch darüber, was für eine Frau er seinem Sohn zu heiraten empfehlen würde, sagte er, dass das eine seriöse und treue Frau sein müsste, die eine gute Mutter abgeben würde, wobei seriöse Frauen "längere Röcke tragen" würden.

Die Opposition protestierte, und ihre weiblichen Abgeordneten erschienen im Parlament in Miniröcken. Daraufhin entschuldigte sich Tajani und betonte, er habe niemanden beleidigen wollen. Den Rock-Flashmob verschärfte jedoch ein anderer Politiker – der Vorsitzende der Partei "Nationale Zukunft", der pensionierte General Roberto Vannacci, indem er erklärte, er bevorzuge Frauen ganz ohne Röcke. Und mithilfe von KI "entkleidete" er ein Foto von Matilde Siracusano – stellvertretende Ministerin der Regierung, Lebensgefährtin des Regionalpräsidenten von Kalabrien und Mitglied der Partei von Antonio Tajani. Allerdings zog er ihr nicht den Rock aus, sondern das T-Shirt unter ihrem Jackett.

Gefallen hat diese Aktion natürlich nicht allen. "Es ist abscheulich zu denken, dass man das Bild einer Frau für eine derart widerliche Propaganda manipulieren kann", erklärte Siracusano selbst. Und das ist nicht das erste Mal, dass Vannacci durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz für Schlagzeilen sorgt. Der General veröffentlichte auch KI-Videos, in denen er Verbrecher verprügelt und in der Rolle eines römischen Kaisers die Hinrichtung seiner Gegner in der Arena des Kolosseums befiehlt.

All das sind nicht bloß Scherze, sondern eine (im Falle der Hinrichtung natürlich eine allegorische) Visualisierung des politischen Programms von Roberto Vannacci. Im Jahr 2023 veröffentlichte er das Buch "Il mondo al contrario" – eine Art rechtes Manifest mit Kritik an der Ersatzmigration, an sexuellen Minderheiten usw.

Auf Grundlage der dort dargelegten Thesen ruft die Partei "Nationale Zukunft" zu Massenabschiebungen von Migranten und zu einer Blockade des Mittelmeers zum Schutz der italienischen Küste auf, tritt für eine Erschwerung von Abtreibungen, für die Senkung des Strafmündigkeitsalters Minderjähriger (auf 12 Jahre) und für die Einführung einer 20-jährigen Mindestaufenthaltsdauer für den Erhalt der Staatsbürgerschaft ein.

Außerdem verspricht der General, den Femizid (also gezielt gegen Frauen begangene Verbrechen) als eigenständige juristische Kategorie abzuschaffen, und wirbt für die Idee einer Renaissance des "mediterranen Patriarchats" in Italien.

Feministinnen versichern, Vannaccis Programm sei "eine Rückkehr zur Vorherrschaft des weißen CIS-Mannes und der Frau in der Rolle seiner Dienerin". Der General selbst beteuert jedoch, seine Strategie des "mediterranen Patriarchats" beruhe nicht auf "Unterdrückung und Besitz", sondern auf "Pflicht, Treue und Opferbereitschaft".

Und diese Idee findet bei einem Teil der Wählerschaft Anklang.

Der Abgeordnete der "Nationalen Zukunft", Emanuele Pozzolo, sagt dazu:

"Ich glaube, dass die Instinkte junger westlicher Männer im Umgang mit Frauen sehr oft geradezu kastriert werden. Das kulturelle Problem besteht darin, dass alles, was sie tun, oft als Belästigung dargestellt wird."

Vannacci folgt einer eigenen Wahllogik, die Ähnlichkeiten mit Donald Trumps "neuer Aufrichtigkeit aufweist". Das Magazin Politico schreibt:

"Das Ergebnis ist ein politisches Angebot, das verschiedene Traditionen miteinander verbindet: konservative katholische Vorstellungen von Familie und Sexualität, das traditionelle italienische Männlichkeitsbild und eine weit neuere Online-Politik, die auf der Unzufriedenheit von Männern gründet."

Vannacci diente in Somalia, Ruanda, im Jemen, im Irak, in Afghanistan sowie in Bosnien-Herzegowina. Deshalb ist das Image dieses neuen Gesichts in der italienischen Politik zwar recht spezifisch, aber in sich stimmig. Und das ist ein großes Problem für die amtierende Premierministerin Giorgia Meloni.

Vannacci ist eine Art Klon der Meloni von 2022. Damals ging auch sie als "neues Gesicht" in die Politik, ebenfalls mit einer rechten Agenda. Nach ihrem Wahlsieg rückte sie jedoch in die politische Mitte und gab ihre Wahlversprechen eines kompromisslosen Kampfes gegen die Migration und das Diktat der Brüsseler Beamten auf. Damit schuf sie ein Vakuum am rechten Rand, das nun gerade Vannacci zu füllen versucht.

Die Premierministerin bemüht sich, ihre Wähler zurückzugewinnen: etwa durch eine harte Reaktion auf die Migrationskrise in Ceuta, samt Schließung der Grenzen zu Spanien und einem Verbot muslimischer Kopfbedeckungen an Schulen – doch an ihre Aufrichtigkeit glauben inzwischen nur noch wenige.

Aber ist das denn wirklich so wichtig? Ja, 2027 stehen in Italien Wahlen an, doch Melonis persönliche Zustimmungsrate liegt bei 41 Prozent. Das ist viel, besonders im Vergleich zu Macrons 15 Prozent und den 10 Prozent von Merz. Ihre Partei führt zudem die Wahlumfragen an, während Vannacci und seine "Nationale Zukunft" auf weniger als 8 Prozent kommen.

Italien wird allerdings nicht von einzelnen Parteien, sondern von Koalitionen regiert. Derzeit gehören Melonis Koalition die "Brüder Italiens", die "Forza Italia" von Antonio Tajani und die "Lega" von Matteo Salvini an. Und diese Koalition liegt derzeit leicht (buchstäblich um ein paar Prozentpunkte) hinter dem Mitte-links-Lager unter Führung der Demokratischen Partei. Inmitten all dessen hat Vannacci derzeit rund 8 Prozent – und damit den vierten Platz unter allen Parteien. Er hält also eine "goldene Aktie", deren Wert bis zur Wahl noch steigen kann. Zum Beispiel durch die Proteste, die derzeit in Europa wüten.

Die linke britische Zeitung The Guardian schreibt:

"Dieser feurige Demagoge wird, ähnlich wie Marine Le Pen in Frankreich, zweifellos versuchen, die Unruhen zu nutzen, um das Image seiner Partei als Kämpfer für Recht und Ordnung zu unterstützen."

In seinem Kampf schlägt Vannacci den Einsatz von Armee, Gummigeschossen und Diensthunden sowie Freiheitsstrafen von mindestens sechs Jahren für diejenigen vor, die "bei der Begehung von Straftaten gegen die öffentliche Ordnung" auf frischer Tat ertappt werden. Bei vielen Opfer der Plünderer wird er damit Anklang finden.

Ein weiteres Instrument zum Punktesammeln ist seine Haltung zur Ukraine und zu Russland. Jetzt, da Kiew von der EU weitere 70 Milliarden US-Dollar zur Deckung seiner Haushaltsausgaben verlangt, kommen Vannaccis Worte, Selenskij behandle Europa wie einen Geldautomaten, bei vielen Italienern gut an – ebenso wie seine Forderung, die Waffenlieferungen an die ukrainischen Streitkräfte einzustellen.

Nur 20 Prozent der Italiener unterstützen Waffenlieferungen an die Ukraine, während 61 Prozent strikt dagegen sind. Die italienische Regierung musste sogar eingestehen, dass sie in dieser Frage gegen den Willen der Bevölkerung des Landes handelt.

Verteidigungsminister Guido Crosetto erklärte dahingehend:

"Wir sind uns vollkommen bewusst, dass ein großer Teil unserer öffentlichen Meinung, auch unter dem Einfluss ausländischer Quellen, gegen die Hilfe für die Ukraine ist. Es ist schwer zu erklären, warum man einer Nation beim Widerstand helfen muss, und dass die Unterstützung dieses Widerstands nicht bedeutet, dass man gegen den Frieden ist."

Weiter fügte er hinzu: "Wir können uns dieser Meinung nicht beugen, wenn wir sie für falsch halten."

Vannacci hingegen wird kaum so etwas sagen wie: "Mir ist die Meinung der Leute, die mich wählen, egal." Er ist grob, brutal direkt, aber gleichzeitig auch aufrichtig. In ihre Koalition aufnehmen will Meloni ihn nicht, ihn sich zum Feind zu machen traut sie sich aber nicht – denn der Kampf gegen einen ehrlichen Menschen könnte noch mehr Italiener von einer Premierministerin abwenden, die ihre Wahlversprechen gebrochen hat.

Die Menschen haben die Lügen und Konventionen der modernen Verbotsgesellschaft satt, in der linksliberale Ideen selbst rechtszentristische Parteien vergiften. Der Popularitätszuwachs der "Nationalen Zukunft" entsteht aus dem Versuch, die neue Aufrichtigkeit und patriarchale Tendenzen irgendwie unter ein Dach zu bringen und so die wirtschaftliche und soziale Sackgasse zu überwinden, in der sich das Land befindet.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 27. Oktober 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

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