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Selbst gemacht – Milliarden verpulvert, Industrie ruiniert und Brüssel warnt vorm Winter

Europas Energiekrise: Über 900 Milliarden Euro zusätzliche Energiekosten seit 2022, leere Gasspeicher und eine Industrie auf dem Rückzug: Die Energiepolitik der EU präsentiert ihre Rechnung. Während Brüssel weitere Sanktionen verteidigt, zahlen Bürger und Unternehmen für eine teure, außer Kontrolle geratene Strategie.
Selbst gemacht  – Milliarden verpulvert, Industrie ruiniert und Brüssel warnt vorm Winter© mit KI erstellt

Von Rainer Rupp

900 Milliarden Euro – die Rechnung für die Energiepolitik der EU

Europa steuert erneut auf einen teuren Winter zu. Und ausgerechnet jene politischen Führungskreise in Brüssel, die maßgeblich an der Neugestaltung der europäischen Energieversorgung beteiligt waren, schlagen nun Alarm. Was als geopolitische Machtdemonstration gegen Russland begann, hat sich für die europäische Wirtschaft zu einer kostspieligen Belastungsprobe entwickelt.

Nach Angaben des vorliegenden englischen Berichts hat die Europäische Union allein im Jahr 2026 bereits rund 100 Milliarden Euro zusätzlich für Öl und Gas ausgegeben. Seit 2022 sollen sich die energiebedingten Mehrkosten auf mehr als 900 Milliarden Euro summieren – und das, obwohl der gesamte Energieverbrauch zurückgegangen ist.

Unbestreitbar ist der historische Preisschock. Nach Eurostat belief sich der Wert der EU-Energieimporte 2022 auf 693,4 Milliarden Euro. Im Jahr 2025 waren es noch 336,7 Milliarden Euro. Die Importrechnung hatte sich also deutlich entspannt, bevor die jüngste Nahostkrise die Märkte erneut erschütterte.

Doch der eigentliche Skandal liegt tiefer: Europa hat seine Energieabhängigkeit nicht beseitigt, sondern teilweise nur geografisch verlagert. An die Stelle preiswerter und verlässlicher russischer Pipeline-Energie traten verstärkt andere Lieferanten, LNG-Terminals, internationale Tankermärkte und neue geopolitische Risiken bei Lieferanten im Mittleren Osten.

Die EU-Kommission und die Regierungen der Mitgliedstaaten hatten diese Abkehr bewusst vorangetrieben. Dass die Rechnung am Ende bei Verbrauchern und Unternehmen landet, scheint man in Brüssel lange für einen hinnehmbaren Kollateralschaden gehalten zu haben.

Erst jetzt entdeckt die EU plötzlich die hohen Energiepreise

EU-Energiekommissar Dan Jørgensen warnt inzwischen vor "sehr hohen" Öl- und Gaspreisen im kommenden Winter. Gleichzeitig beruhigt er, dass keine unmittelbaren Versorgungsprobleme erwartet würden.

Eine bemerkenswerte Kombination: Energie soll also ausreichend vorhanden sein – nur möglicherweise zu Preisen, die sich immer weniger Haushalte und Industriebetriebe leisten können.

Als Lösung machte Jørgensen den tollen Vorschlag, die Einführung neuer Vorschriften zur Verringerung von Methanemissionen bei Energieimporten zu verschieben, um den Markt zu entlasten. Ausgerechnet die EU, die sich jahrelang mit immer neuen regulatorischen Anforderungen profilierte, entdeckt nun die wirtschaftlichen Vorteile einer vorübergehenden Lockerung ihrer eigenen Regeln.

Beim Brüsseler Gipfel Mitte Oktober warnte Jørgensen zudem davor, dass hohe Energiekosten die Wähler in die Arme populistischer Parteien treiben könnten. Vorübergehende gezielte Subventionen für fossile Energieträger seien deshalb möglicherweise als politische Maßnahmen notwendig, um die herrschenden Eliten an der Macht zu halten. Offenbar beginnt man, sich weniger über die Belastung der Bürger als über deren mögliche politische Reaktion Sorgen zu machen.

Deutschlands Gasrechnung: Weniger Energie für viel mehr Geld

Wie dramatisch sich die Energiekrise ausgewirkt hat, zeigen amtliche deutsche Zahlen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes importierte Deutschland 2021 Erdgas im Wert von rund 30,4 Milliarden Euro. Im Krisenjahr 2022 stieg diese Rechnung auf 67,9 Milliarden Euro – obwohl die importierte Gasmenge deutlich zurückging. Deutschland zahlte damit 2022 rund 37,4 Milliarden Euro mehr für wesentlich weniger importiertes Pipelinegas als im Vorjahr.

Der durchschnittliche Importpreis je Energieeinheit stieg von 7.213 Euro pro Terajoule 2021 auf 23.920 Euro im Jahr 2022. Das entspricht mehr als einer Verdreifachung. Im Jahr 2025 stieg die Rechnung weiter auf rund 24,8 Milliarden Euro, obwohl die importierte Menge erheblich unter dem Niveau von 2021 lag.

Diese Entwicklung zeigt, wie empfindlich die Preise in Deutschland auf den Zusammenbruch seiner bisherigen Energieversorgung reagierten. Der Krieg in der Ukraine, ausfallende Lieferungen, politische Sanktionen und die Neuordnung des europäischen Gasmarktes wirkten dabei zusammen. Die exakten Kostenanteile dieser einzelnen Ursachen lassen sich aus den Importstatistiken nicht isolieren.

Da stellt sich doch die Frage: War es wirtschaftlich klug, eine der wichtigsten Grundlagen des deutschen Industriestandorts aufzugeben, ohne zuvor eine dauerhaft preislich konkurrenzfähige Alternative sicherzustellen?

Die deutsche Industrie bezahlt mit Arbeitsplätzen

Die Folgen sind längst nicht mehr auf den Energiemärkten zu besichtigen, sondern in den Fabrikhallen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank die Produktion der energieintensiven deutschen Industrie zwischen Februar 2022 und März 2026 um 15,2 Prozent. Die gesamte Industrieproduktion ging im selben Zeitraum um 9,5 Prozent zurück.

Besonders hart traf es die Herstellung von Glas, Keramik und Baustoffen mit einem Rückgang von 25 Prozent. Die Papierindustrie verlor 18,5 Prozent ihrer Produktion, die chemische Industrie 18,1 Prozent und die Metallerzeugung und -verarbeitung 12,9 Prozent.

Gleichzeitig verschwanden in den energieintensiven Industriezweigen rund 53.200 Arbeitsplätze. Die Beschäftigung sank um 6,3 Prozent.

Das sind keine abstrakten Konjunkturindikatoren. Dahinter stehen Betriebe, die ihre Produktion einschränken, Investitionen verschieben oder Standorte infrage stellen müssen.

Natürlich wäre es falsch, den gesamten industriellen Rückgang ausschließlich auf die EU-Sanktionspolitik zurückzuführen. Auch schwache Nachfrage, internationale Konkurrenz, Bürokratie, Investitionsschwäche und strukturelle Probleme der deutschen Wirtschaft spielen eine Rolle.

Doch zweifelsfrei sind es die hohen Energiepreise, die der Haupttreiber dieser Entwicklung sind.

Besonders bitter ist, dass energieintensive Branchen 2024 rund drei Viertel des industriellen Energieverbrauchs Deutschlands ausmachten. Wer diesen Unternehmen dauerhaft hohe Energiepreise zumutet, riskiert deshalb weit mehr als einzelne Betriebsschließungen. Er gefährdet einen wesentlichen Teil der industriellen Wertschöpfungsketten des Landes.

Die Gasspeicher: Viel Hoffnung, wenig Reserve

Auch die Vorbereitung auf den Winter 2026/27 liefert Anlass zur Kritik. Einem Bericht des Energiemarkt-Portals "OilPrice.com" vom 17. Oktober 2026 zufolge waren die europäischen Gasspeicher im zurückliegenden September nur zu etwa 67 Prozent gefüllt, gegenüber einem saisonalen Durchschnitt von rund 80 Prozent.

Deutschland lag demnach lediglich bei ungefähr der Hälfte seiner Speicherkapazität. Die Bundesnetzagentur bestätigte Anfang Oktober einen ungewöhnlich niedrigen deutschen Speicherfüllstand von 59,2 Prozent. Allerdings widerspricht sie der Vorstellung einer unmittelbar bevorstehenden Versorgungskatastrophe. Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet, und die Gefahr einer angespannten Gasversorgung werde derzeit als gering eingeschätzt, weil ein warmer Winter erwartet wird. Der niedrige Speicherstand bleibt trotzdem ein Risiko, insbesondere wenn das Wetter – wie es öfter passiert – doch nicht nach Plan verläuft, oder wegen weiterer internationaler Lieferstörungen.

Die entscheidende Frage ist dabei allerdings, zu welchem Preis Deutschland genügend Gas beschaffen kann. Denn eine Versorgung, die technisch funktioniert, aber deren Preise die Unternehmen und Haushalte wirtschaftlich komplett überfordert, kann kaum als energiepolitischer Erfolg oder als gelungene Vorsorge gefeiert werden.

Der Nahe Osten liefert die nächste Preisexplosion

Zu den selbst geschaffenen europäischen Problemen kommt nun die Eskalation im Nahen Osten. Laut "OilPrice.com" haben sich die europäischen Erdgaspreise seit Beginn des amerikanisch-israelischen Krieges gegen Iran mehr als verdoppelt. Für den Zeitraum vom 25. September 2025 bis zum entsprechenden Datum 2026 nennt der Bericht folgende Preissteigerungen: 65 Prozent bei Rohöl, 45 Prozent bei Diesel und 112 Prozent bei Flugtreibstoff.

Die Einschränkungen des Energiehandels durch die Straße von Hormus sowie Gefahren für Pipelines und Energieanlagen bedrohen wichtige internationale Lieferketten. Hinzu kommen Angriffe der Huthi im Roten Meer. Die Autorin des Berichts hält deshalb weitere Beschränkungen des weltweiten Ölhandels bis weit in das Jahr 2027 hinein für möglich.

Die Reaktion der EU-Kommission auf diese Situation ist surreal: Sie appellierte an die Verbraucher, ihren Energiebedarf zu reduzieren. Man könnte das als europäische Energiepolitik in ihrer reinsten Form bezeichnen: Erst wird die Energieversorgung durch die EU-Unfähigkeit verteuert, dann wird den Bürgern empfohlen, weniger davon zu verbrauchen.

Amerikanisches Flüssiggas als Rettungsanker – zu welchem Preis?

Entlastung könnte nach Einschätzung der OilPrice-Autorin ausgerechnet aus den Vereinigten Staaten kommen. Washington versucht, seine Öl- und Gasproduktion auszuweiten. Gleichzeitig werden immer mehr LNG-Tanker auf europäischen Routen eingesetzt. Die unabhängige LNG- und Schifffahrtsanalystin Pratiksha Negi erklärt dazu:

"Der wachsende Anteil des Atlantikhandels wird zusammen mit einer steigenden Zahl kurzfristig verfügbarer Schiffe die Frachtraten weiter unter Druck setzen."

Für das vierte Quartal 2026 erwartet sie, dass Europa wegen seiner niedrigen Gasreserven der wichtigste zusätzliche Absatzmarkt für amerikanisches Flüssiggas bleibt.

Allein in den ersten sieben Monaten 2026 wurden nach ihren Angaben rund 55 neue LNG-Schiffe ausgeliefert. Bis zum Jahresende sollen weitere 40 bis 45 hinzukommen. Das verbessert die Transportmöglichkeiten und kann die Frachtkosten senken. Doch aufgrund der technischen Gegebenheiten ist Flüssiggas immer viel teurer als Pipelinegas. Zugleich bleibt Europa – und insbesondere Deutschland – weiterhin von internationalen Energiepreisen und Lieferanten abhängig. Die frühere Abhängigkeit von russischem Pipelinegas haben die EU-Eliten durch Abhängigkeit von viel teurerem Gas und unsichereren Lieferanten ersetzt.

Großbritannien als Warnung für Europa

Auch Großbritannien steht unter Druck. Auf "OilPrice.com" wird berichtet, dass in diesem Jahr im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges bis zu 163.000 Arbeitsplätze in UK verloren gehen werden, besonders in industriell geprägten Regionen wie Südwales und der Humber-Region. Der Vorstandsvorsitzende des britischen Energiekonzerns Centrica, Chris O’Shea, erklärte bereits im August, Großbritannien habe für den kommenden Winter "fast kein Gas auf Lager".

Die britische Situation zeigt, wie problematisch geringe Speicherkapazitäten bei gleichzeitig hoher Importabhängigkeit werden können. Sollten Unternehmen im Winter ihre Energiekosten nicht mehr tragen können, drohen Produktionsunterbrechungen und Arbeitsplatzverluste. Höhere Betriebskosten werden zudem häufig über steigende Produktpreise an die Verbraucher weitergegeben, was die Inflation weiter anheizt.

Die Rechnung zahlen die Bürger – die Verantwortung bleibt in Brüssel

Die europäische Energiekrise ist hauptsächlich das Werk der EU-Kommission, angefangen beim Grünen Deal bis zur selbstzerstörerischen Weigerung, aus moralischer Heuchelei und ideologischen Gründen preiswertes Öl und Gas von einem über Jahrzehnten hinweg zuverlässigen Lieferanten zu beziehen. Hinzu kommen die internationalen Marktverwerfungen und die militärische Eskalation im Nahen Osten, welche die Energieversorgung Europas zusätzlich belastet haben.

Die europäischen Entscheidungsträger tragen die volle politische Verantwortung für die Tiefe der Krise, in der die EU-Länder stecken, denn wegen ihrer ideologischen Blindheit haben sie die langfristigen wirtschaftlichen Kosten ihrer Strategie, vor denen viele gewarnt hatten, in den Wind geschlagen.

Auch die deutschen Entscheidungsträger waren für diese Entwicklung in unserem Land maßgeblich verantwortlich. Mit ihrer kurzsichtigen, von heuchlerischem Moralin triefenden Klima-Politik und ihrem Russland-Hass, der nicht nur russisches Gas, sondern auch russische Kultur verbannt, haben sie den deutschen Karren tief in den Schlamm gefahren. Das allein ist schlimm genug!

Noch schlimmer ist, dass ich keinen Weg sehe – und damit stehe ich nicht allein da –, wie mit dem aktuellen politischen Führungspersonal aus intellektuellen Tieffliegern der deutsche Karren wieder aus dem Dreck gezogen werden kann.

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