
Anti-Tagi: Klimaretter Dschingis Khan senkt CO₂ ‒ Russische Spione in Paris

Von Hans-Ueli Läppli

Wie ging noch gleich das Lied?
"Dsching, Dsching, Dschingis Khan!"
Der Mann, vor dem einst ganze Völker zitterten, hat im deutschen Qualitätsjournalismus eine erstaunliche Karriere hingelegt – vom Mongolenherrscher zum unfreiwilligen Klimaretter.
Und Russland? Ist natürlich auch wieder schuld.
Heute im Irrenhaus des europäischen Qualitätsjournalismus: Dschingis Khan rettet das Klima. Wenn der Tages-Anzeiger seine tägliche Dosis Kreml bekommt, liefert die Welt inzwischen den Klimawahnsinn gleich mit.

Berthold Seewald schreibt in der Welt über die mongolischen Eroberungen und zitiert aus einer Studie, die den Bevölkerungsverlust mit der Wiederbewaldung und der Aufnahme von CO₂ in Verbindung bringt. Die makabre Pointe lautet:
"Der stoppte die Erderwärmung, beförderte die Ausbreitung von Wäldern, die rund 700 Millionen Tonnen Klimagase banden und damit sogar für eine Abkühlung sorgten."
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Millionen Tote, zerstörte Städte, Berge von Leichen – und was fällt dem deutschen Klimajournalismus dazu ein? Eine CO₂-Bilanz.

Dschingis Khan, der Schrecken ganzer Völker, wird zum unfreiwilligen Klimaschützer. Fehlt nur noch die posthume Auszeichnung durch Annalena Baerbock und ein grünes Gütesiegel für erfolgreiche Entvölkerung.
Natürlich können Wälder auf aufgegebenen Feldern nachwachsen und Kohlenstoff binden. Aber aus einer modellierten Veränderung des CO₂-Gehalts eine Geschichte zu machen, wonach ein mittelalterlicher Massenmörder die Erderwärmung gestoppt habe, ist ungefähr so seriös, wie Napoleon für die europäische Energiewende verantwortlich zu machen, weil seine Kriege den Pferdebestand verändert haben.
Doch der eigentliche Wahnsinn steckt in der Kombination mit der russischen Besessenheit unserer Medien. Denn kaum geht es um Russland, entdeckt der Tages-Anzeiger hinter jeder Protestbewegung die Finger des Kreml.
Die Franzosen gehen wegen ihrer eigenen Probleme auf die Straße? Russische Bots! Die Menschen können ihre Rechnungen nicht bezahlen? Moskau manipuliert die Stimmung! Die Regierung verliert den Rückhalt? Irgendwo muss eine Trollfabrik sitzen.
Dabei räumt der Tages-Anzeiger im selben Artikel ein, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass ausländische Akteure die Ausschreitungen konkret angestiftet hätten. Die Wut sei französisch gewesen. Der Kreml habe lediglich versucht, sie für seine Zwecke zu nutzen.
Aber Differenzierung stört die Dramaturgie. Russland muss in die Geschichte, koste es, was es wolle.

Was kommt als Nächstes? Eine Studie, wonach die Pest durch den Rückgang der Landwirtschaft den Planeten gerettet hat? Eine Untersuchung über den ökologischen Nutzen des Dreißigjährigen Krieges? Oder ein Tages-Anzeiger-Artikel, der beweist, dass steigende Schweizer Wohnungsmieten das Ergebnis einer russischen Desinformationskampagne sind?
Man lacht, aber genau darin liegt das Problem dieser medialen Maschinerie: Ein realer Vorgang wird aus seinem historischen Zusammenhang gerissen, mit einer ideologischen Erzählung verbunden und als große Erkenntnis verkauft.
Beim Tages-Anzeiger ist es Russland, bei der Welt der Klimawahn. Der eine sieht überall Moskau. Der andere entdeckt in mittelalterlichen Massengräbern eine Lektion über CO₂. Beide zeigen, wie weit sich Journalismus von der nüchternen Erklärung der Wirklichkeit entfernen kann, wenn die Pointe wichtiger wird als die Belege.
Dschingis Khan hat kein Klimaprogramm geschrieben. Die Franzosen brauchen keine russischen Bots, um sich über ihre Regierung zu ärgern. Und wer aus beidem eine ideologische Erzählung bastelt, betreibt keine Aufklärung.
Die neue Medienformel lautet: Protestiert ein Volk, steckt Wladimir Putin dahinter. Sterben Millionen Menschen, entdeckt man den positiven CO₂-Effekt. Fehlt nur noch, dass der nächste Leitartikel erklärt, warum Massenmord nachhaltig ist und jeder Kritiker russischer Propaganda aufsitzt.
Willkommen im Irrenhaus des Qualitätsjournalismus, in dem selbst der blanke Wahnsinn noch mit einer Quellenangabe geadelt wird.
Zum Schluss möchte ich an Wolfgang Heichel erinnern, den Sänger von Dschingis Khan, der in diesem Jahr verstorben ist. Seine Musik bleibt. Und sie erinnert uns daran, das Leben zu genießen, über uns selbst lachen zu können und nicht jeden Unsinn für bare Münze zu nehmen.
Gerade wenn man liest, was heute in den Zeitungen steht, kann eine gesunde Portion Humor nicht schaden. In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Wochenende, lasst es euch gutgehen und nehmt das Leben nicht schwerer, als es ohnehin schon ist. Bis zum nächsten Mal!
Mehr zum Thema ‒ Ukraine zuerst, Deutschlands Reformen später
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
