International

Kanada kündigt strategische Partnerschaft mit der Türkei an – Freihandelsabkommen im Visier

Kanada sucht neue Handelspartner jenseits der USA und geht dafür eine strategische Partnerschaft mit der Türkei ein. Neben Freihandel und Energie steht vor allem die Rüstungskooperation im Fokus.
Kanada kündigt strategische Partnerschaft mit der Türkei an – Freihandelsabkommen im Visier

Der politische und wirtschaftliche Balanceakt von Kanadas Premierminister Mark Carney hat am Donnerstag begonnen, als er gemeinsam mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan eine strategische Partnerschaft ankündigte. Ziel sei es, den Handel und die Verteidigungszusammenarbeit zwischen beiden Ländern auszubauen. Es ist der jüngste Schritt in der Annäherung zwischen den beiden Staaten und ein wichtiger Meilenstein in Carneys Plan, enger mit anderen Ländern mittlerer Macht zusammenzuarbeiten.

Unmittelbar nach seiner Ankunft in Ankara am Donnerstag besuchte Carney Anıtkabir, das Mausoleum Mustafa Kemal Atatürks, des Gründers und ersten Präsidenten der Republik Türkei. 

Carney bezeichnete die Türkei als einen "außergewöhnlichen" Partner. "Kein Land kann allein Stärke aufbauen", sagte er bei einer gemeinsamen Erklärung auf dem weitläufigen Gelände des Präsidentenpalastes.

Die neue Partnerschaft beruhe auf vier Säulen: Handel und Investitionen, Verteidigung und Sicherheit, Energie sowie die Beziehungen zwischen den Menschen beider Länder.

Im kommenden Monat werden sich Unterhändler in Ankara zur ersten Runde der Freihandelsgespräche treffen. Darüber hinaus umfasst die Partnerschaft ein neues Abkommen über die Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie, das kanadische und türkische Unternehmen enger miteinander vernetzen soll.

Die Partnerschaft soll zudem Investitionen in den Energie- und Rohstoffsektor erleichtern, insbesondere bei kritischen Mineralien. Beide Länder wollen außerdem ein Luftverkehrsabkommen abschließen, das die Zahl der Passagierflüge zwischen ihnen erhöhen soll.

Carney will Kanadas Außenhandel diversifizieren, um die Abhängigkeit des Landes von den Vereinigten Staaten zu verringern. Bisher konzentrierten sich die Bemühungen vor allem darauf, die Beziehungen zu Europa und zu Ländern im indopazifischen Raum zu vertiefen.

Die Türkei, ein NATO-Mitglied mit einer wachsenden Verteidigungsindustrie, gilt als wichtiger Partner sowohl im Handel als auch bei der militärischen Produktion. Das sagt Thomas Juneau von der Universität Ottawa, ein Experte für den Nahen Osten.

Die Türkei will ihre Energiekapazitäten in den kommenden Jahrzehnten deutlich ausbauen. Bis 2050 sollen rund 20 Gigawatt Atomkraft hinzukommen.

Zu diesem Zweck planen Ottawa und Ankara Berichten zufolge die Einrichtung einer Arbeitsgruppe. Diese soll prüfen, ob sich das kanadische Atomenergieunternehmen Candu am Bau des zweiten oder dritten geplanten türkischen Kernkraftwerks beteiligen könnte.

Die Beziehungen zwischen Kanada und der Türkei waren zuvor angespannt. 2020 entbrannte ein Streit, nachdem Ottawa den Export von Wescam-Kameras für türkische Bayraktar-Drohnen genehmigt hatte. Ankara hatte zugesichert, die Technik für NATO-Aufklärungsmissionen in Nordsyrien einzusetzen. Nach kanadischen Erkenntnissen wurden die Kameras jedoch illegal nach Aserbaidschan weitergeleitet und im Krieg um Bergkarabach verwendet. Daraufhin verhängte Kanada faktisch ein Waffenembargo gegen die Türkei. 2024 lockerte Ottawa die Exportbeschränkungen weitgehend. Die Aufhebung der Maßnahmen war eine Bedingung, die Präsident Erdoğan für die Zustimmung der Türkei zum NATO-Beitritt Schwedens gestellt hatte.

Mehr zum Thema – Brasilien und Türkei warten auf jeweils 300.000 Barrel Diesel aus Russland

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.