
Iran durchkreuzt US-Zionistische Pläne in Westasien

Von Rainer Rupp
Vor allem, wenn es um Iran, den Persischen Golf und die Arabische Halbinsel geht, bietet Professor Marandi Einblicke, die man in den westlichen, selbst erklärten "Qualitätsmedien" entweder nicht kennt, oder die bewusst ignoriert werden, weil sie in das geltende Narrativ nicht hineinpassen und die bisherigen prozionistischen Propagandaerfolge aufs Spiel setzen würden. Ein besonders beeindruckendes Gespräch führte Marandi am 21. April auf dem YouTube-Kanal seines bekannten akademischen Kollegen Professor Nima Alkhorshid unter anderem zu diesen Themen:
– Aktuelle Stimmung in Iran; Trumps vergebliche Forderung nach einem zweiten Waffenstillstand-Treffen in Islamabad.
– Warum Iran nicht zur zweiten Runde der Waffenstillstandsverhandlungen nach Islamabad ging
– Irans militärische Fähigkeiten, ungenutzte Waffen und Kriegsstrategie
– Unseriöses US-Verhandlungsverhalten und mangelnde Ernsthaftigkeit
Zur aktuellen Stimmung in Iran: Trumps vergebliche Forderung nach einem zweiten Waffenstillstands-Treffen in Islamabad
Zum Einstieg ins Thema betonte Prof. Marandi, dass niemand seine Zeit damit hätte verschwenden sollen, sich westliche Medien anzuhören, die sich auf angeblich anonyme iranische Quellen beriefen und in Bezug auf das nicht stattgefundene zweite Treffen von einer Spaltung in der iranischen Führung fabulierten. Es habe von vornherein festgestanden, dass es keine iranische Delegation zu einem zweiten Treffen in Pakistan geben würde, solange die Vereinigten Staaten ihre Politik nicht änderten und die Blockade iranischer Häfen und ihre Piraterie gegen zivile Schiffe mit Produkten aus und für Iran stoppten.

Was die von Washington angedrohte Fortsetzung des Krieges betrifft, so habe man in Iran keine Angst. Das iranische Militär habe sich über Jahrzehnte auf einen derartigen Angriff der USA und Israels vorbereitet. Und wenn die Amerikaner oder das israelische Regime versuchen sollten, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen, etwa indem sie gezielt wichtige iranische Infrastruktur zerstören, dann werde Iran entsprechend zurückschlagen.
"Denn wenn Irans kritische Infrastruktur zerstört wird, wie Trump gedroht hat, dann werden noch mehr Kinder und unschuldige Menschen getötet werden. Denn das passiert, wenn der Strom ausfällt: Dann sterben nämlich Menschen in Krankenhäusern und Geburtsstationen. Dann passieren alle möglichen schrecklichen Dinge. Also wird der Iran reagieren müssen, vor allem auch gegen diese Regime im Persischen Golf, weil die Vereinigten Staaten diese nutzen, um uns anzugreifen. […] Ohne diese Regime könnten die Amerikaner keinen Krieg gegen Iran führen. Nicht ohne die Emirate, nicht ohne Saudi-Arabien, Kuwait, Katar und Bahrain. Also werden sie die Konsequenzen tragen, und mein Rat an die dort lebenden Menschen ist, schon jetzt ihr Land zu verlassen, da das Wetter im Persischen Golf bereits in den nächsten Wochen sehr heiß und feucht wird",
so Prof. Marandi, der darauf anspielt, dass ohne Elektrizität keine Kühlanlagen funktionieren und ohne funktionierende Aufbereitungsanlagen es auch kein zum Überleben notwendiges Trinkwasser geben wird, von dem einzelne Golfstaaten bis zu 99 Prozent abhängig sind. Dagegen liefern die iranischen Berge genug Trinkwasser und das Land ist nur zu 3 Prozent von Entsalzungsanlagen im Süden Irans abhängig.
Hier einige Zahlen für die Abhängigkeit von Trinkwasser aus Entsalzungsanlagen in den Golfstaaten und Saudi-Arabien:
- Katar: bis zu 99 Prozent
- Bahrain: über 90 Prozent
- Kuwait: ca. 90 Prozent
- Oman: ca. 86 Prozent
- Saudi-Arabien: ca. 70 Prozent
- VAE: ca. 42 Prozent (manche Quellen nennen für Trinkwasser höhere Werte bis 80 Prozent)
Ohne diese teuren, elektrisch betriebenen Entsalzungsanlagen wären moderne Städte wie Doha, Dubai, Kuwait-Stadt oder Riad praktisch nicht bewohnbar. Im Ernstfall würde es zu einer chaotischen Massenflucht kommen.
"Deshalb wäre es am besten, wenn die Menschen in den Golfstaaten schon jetzt aufbrechen würden. Sie sollten die Wüste durchqueren und in den Irak oder vielleicht sogar nach Jemen gehen oder vielleicht Oman. Auf jeden Fall sollten die Menschen das (heiße und trockene) Gebiet verlassen und auch die Seeleute auf den Schiffen im Persischen Golf sollten bereit sein, ihre Schiffe zu evakuieren“, rät Marandi.
Denn wenn sich der Krieg ausweitet, würden diese Schiffe letztlich nicht überleben, besonders die, die näher an der Straße von Hormus liegen. Sie werden ins Visier genommen und zerstört. Deshalb sei es am besten, wenn sich alle Seeleute sofort auf eine Evakuierung vorbereiten, so Prof. Marandi. Er weiß, wovon er spricht, denn er war Teil der iranischen Delegation zum ersten Treffen mit den Amerikanern in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. In diesem Zusammenhang hebt er nochmals hervor, dass Iran über militärische Fähigkeiten verfüge, die bisher noch nicht offengelegt wurden. Die kritische Infrastruktur des israelischen Regimes werde zerstört werden, ebenso wie die kritische Infrastruktur der US-Unterstützer-Regime am persischen Golf. Wörtlich fügte er hinzu:
"Der Iran will diesen Krieg nicht. Der Iran hat diesen Krieg nicht begonnen. Der Iran hat während des Krieges nie eskaliert. Aber der Iran wird nicht seine Zerstörung hinnehmen und zusehen, wie Mitschuldige an diesem verbrecherischen Krieg, die Feudalregime im Golf, ungeschoren davonkommen."
Warum Iran nicht zur zweiten Runde der Waffenstillstandsverhandlungen nach Islamabad ging
Marandi kam direkt zur Sache:
"Es ist offensichtlich, dass wir keinen Waffenstillstand haben. Wir hatten eine Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten und die Vereinigten Staaten haben diesen Waffenstillstand umgehen verletzt, indem sie eine Blockade gegen iranische Häfen im Persischen Golf verhängten. Das ist inakzeptabel. Das ist ein Bruch der Vereinbarung und deshalb können wir unter diesen Umständen nicht verhandeln. Dann haben die Amerikaner auch noch angefangen, iranische Schiffe zu beschlagnahmen, was die Lage zur Wiederaufnahme von Verhandlungen noch unmöglicher macht."
Was die militärpolitische Lage betrifft, so zeigte sich Marandi zuversichtlich: Die Amerikaner hätten keine guten Optionen, gar keine. Sie hatten keine Trümpfe in der Hand. Denn mehr Kämpfe gegen den Iran würden die Lage für die Vereinigten Staaten nur verschlimmern. An die Zuschauer gewandt folgte dieser Appell:
"Alle Menschen auf der Welt sollten erkennen, dass dieser Krieg das Werk von Netanyahu, der Zionisten und Trumps ist. Wenn Menschen, z. B. in Argentinien, die Folgen dieses Krieges zu spüren bekommen, dann wissen sie, wen sie verantwortlich machen müssen. Überall auf der Welt sollten die Menschen wissen – und sie wissen es bereits –, wer für diese wachsende Katastrophe verantwortlich ist. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Das wirkliche Elend steht uns leider noch bevor."
Irans militärische Fähigkeiten, ungenutzte Waffen und Kriegsstrategie
In diesem Teil bestätigte Marandi die Einschätzungen der meisten internationalen Experten, die nicht von Mossad oder der CIA bezahlt werden, um Trumps faktenresistente Mär von Irans vernichtender Niederlage zu bedienen. Die militärischen Fähigkeiten des Iran seien "noch vollständig erhalten", weil seine wichtigsten Fabriken sowie Forschungs- und Entwicklungszentren tief unter der Erde liegen. Und viele der iranischen Raketenbasen sind noch gar nicht in Betrieb genommen worden. Sie wurden bisher nicht genutzt. Iran habe von Anfang an nur eine begrenzte Zahl seiner Raketenbasen genutzt, weil man nicht wollte, dass das amerikanische Regime und das Netanyahu-Regime zu viel über die anderen Basen erfahren.
Die unterirdischen Marinebasen etwa seien bis heute unberührt, die meisten Raketenbasen und unterirdischen Forschungs- und Entwicklungszentren ebenfalls unberührt, die Fabriken zur Entwicklung von Raketen und anderen Hightech-Waffen, unberührt. Iran sei heute besser vorbereitet als zuvor, auch wenn die Amerikaner weiter behaupten, dem Iran gingen die Raketen und Drohnen aus. Das wiederholten sie seit Beginn des Krieges jeden Tag. Dabei gab Marandi zu bedenken, dass Iran in den letzten zwei Wochen vor dem Waffenstillstand immer härter zugeschlagen habe. Das sei kein Krieg, den die Amerikaner gewinnen könnten.
Und was würde im Fall einer US-Bodenoffensive passieren? Wir werden die Invasoren ins Land kommen lassen, wir werden sie geradezu hineinziehen", so der iranische Professor. Der Iran werde am Boden keine starke Verteidigung aufbauen, um jedes Stück seines Territoriums zu halten. Im Gegenteil: Iran will, dass die Invasoren ins Land kommen, um sie dann im Inneren des unübersichtlichen Landes zu verstricken und auseinanderzunehmen. Wörtlich sagt er:
"Wir werden zuschlagen und treffen, immer wieder Woche um Woche, bis sie schließlich gedemütigt den Rückzug antreten. Der Iran mag keinen Krieg. Der Iran will keinen Krieg. Aber als der Krieg begann, haben wir gesagt, dass das ein langer Krieg wird. Warum? Weil wir nicht wollen, dass uns so etwas noch einmal passiert. Wir wollen, dass es ein für alle Mal vorbei ist. Am Ende dieses Krieges wollen die Iraner sicherstellen, dass kein Land jemals wieder daran denkt, den Iran anzugreifen. Und genau darauf hat sich Iran seit Jahrzehnten vorbereitet."
Unseriöses US-Verhandlungsverhalten und mangelnde Ernsthaftigkeit
Diesbezüglich wartete Prof. Marandi mit interessanten Details auf. Sie bestätigen die Vermutungen der meisten Beobachter, dass das Auftreten der amerikanischen Mini-Delegation beim ersten Treffen in Islamabad wie ein Stück aus dem Klamauk-Theater ablief. In dieser Inszenierung spielten zwei zionistische Immobilien-Milliardäre aus New York, die von internationalen militärpolitischen Fragen absolut keine Ahnung haben und deren einzige Qualifikation die Tatsache ist, dass einer der beiden Clowns, Jared Kushner, und der andere, Steve Witkoff, Trumps Busenfreund ist. Ihre einzig denkbare Funktion bei dieser Inszenierung aus dem Trumpschen Irrenhaus kann eigentlich nur darin gelegen haben, dass die beiden Zionisten und Netanjahu-Freunde aufpassen sollten, dass der US-Verhandlungsführer, US-Vizepräsident JD Vance, keinem Vorschlag zustimmte, der nicht Netanjahus persönliche Zustimmung hatte. Selbst unabhängige westliche Beobachter bei dem Treffen in Islamabad haben bestätigt, dass JD Vance, aber auch seine beiden Clown-Berater, ständig am Telefon entweder zu Trump und/oder Netanjahu gehangen haben. Der dritte Berater an der Seite von Vance war sein Nationaler Sicherheitsberater Andrew Baker, der als einziger über fundierte diplomatische und sicherheitspolitische Erfahrungen verfügt.
Die iranische Delegation, die mit 70 Experten angereist war, wurde von dem Verhandlungsführer und Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf angeführt. Seine drei prominenten Begleiter waren Außenminister Abbas Araghtschi, der auch als Co-Leiter genannt wurde, dann kam Irans Botschafter in Pakistan, Reza Amiri Moghadam, und der dritte war Ali Akbar Ahmadian, Mitglied des Obersten Nationalen Sicherheitsrates.
Vor diesem Hintergrund ist Prof. Marandis Schilderung des Ablaufs des Treffens der beiden Delegationen, bei dem er persönlich anwesend war, besonders aufschlussreich.
Laut Marandi hatten Dr. Ghalibaf und der oberste Staatschef Ayatollah Chamenei vor den Verhandlungen in Islamabad über den Rahmen der Gespräche festgelegt, innerhalb dessen er selbst verbindliche Entscheidungen treffen konnte. Als Dr. Ghalibaf in Islamabad ankam, musste er niemanden in Teheran anrufen. Er hatte die Befugnis, Entscheidungen zu treffen. Sein amerikanischer Gegenüber JD Vance dagegen habe offensichtlich keinerlei Befugnisse gehabt. Zudem sei er umgeben gewesen von zionistisch-israelischen Influencern. Wörtlich führt Marandi aus:
"Vance hat ständig telefoniert und einer derjenigen, die er anrief, das wissen wir alle, war Netanyahu. Netanyahu sagte später ebenfalls, dass Vance ihm Bericht erstattet habe. Dass Vance tatsächlich gegenüber Netanyahu Rechenschaft ablegen musste, ist besonders aufschlussreich. Und Netanyahu sagte: 'Vance wie andere hochrangige amerikanische Vertreter, ich bekomme jeden Tag Berichte von ihnen.' Also offenbar ist Netanyahu der Präsident der Vereinigten Staaten. Vance hatte keine Entscheidungsbefugnis. Das war eindeutig, und genau deshalb wurden die Amerikaner gegen Ende des Tages unkooperativ. Obwohl eigentlich geplant war, die Verhandlungen am nächsten Morgen fortzusetzen, sind sie einfach weggegangen. Also, was für Verhandlungen kann man überhaupt führen, wenn eine Seite keine Entscheidungsbefugnis hat? Diese Seite ist dann nur da, um sagen zu können: Wir waren da, wir haben verhandelt. Offensichtlich steckt da also eine andere Absicht dahinter. Wenn Sie es mit den Verhandlungen nicht ernst meinen, dann war der Plan von Anfang an ein anderer", führt der iranische Professor aus und liegt damit sicherlich nicht falsch.
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