Deutschland

Schaeffler streicht Stellen in Deutschland – und baut in China Roboter mit Robotern

Neben Hiobsbotschaften gibt es immer wieder mal Meldungen, die belegen, dass deutsche Firmen durchaus bei den aktuellsten Entwicklungen mit dabei sind. Es gibt daran nur einen Haken: Sie sind es nicht in Deutschland. Siehe Schaeffler.
Schaeffler streicht Stellen in Deutschland – und baut in China Roboter mit Robotern© Urheberrechtlich geschützt

Zwei Meldungen der Firma Schaeffler zeigen, dass die Deindustrialisierung in Deutschland nur eine Seite der Medaille ist. Der Automobilzulieferer Schaeffler will 2.660 Arbeitsplätze in Deutschland streichen. "Zudem sollen die Werke in Dortmund und Morbach geschlossen, die Aktivitäten am Standort Berlin eingestellt und der Standort Schwalbach aufgegeben werden", berichtet die Welt. An den letzten beiden Standorten befinden sich derzeit noch Forschung und Entwicklung.

Schaeffler war im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise 2008 in gewaltige Schwierigkeiten geraten, weil bei dem Versuch der Übernahme des Reifenherstellers Continental allen Aktionären ein Kauf der Aktien zum Kurs von 75 Euro zugesichert worden war. Als die Kurse durch die Krise fielen, nutzten jedoch weit mehr Aktionäre als geplant dieses Angebot. Die Schulden beliefen sich auf 23 Milliarden Euro. Den Zugriff auf direkte staatliche Unterstützung verbaute sich Schaeffler-Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler selbst, als sie um Staatshilfen bat, während ein Auftritt in Kitzbühel im Nerzmantel erst kurze Zeit zurücklag.

Allerdings überlebte Schaeffler damals dennoch vermutlich nur aufgrund staatlicher Stützungsmaßnahmen: Die beiden Banken, die den Übernahme-Coup finanziert hatten, die Dresdner Bank und die Commerzbank, wurden wie die Deutsche Bank unter Einsatz hunderter Milliarden vor der Pleite gerettet. Ohne diese Stabilisierung wären die Banken möglicherweise in die Insolvenz geraten. Ihre Insolvenzverwalter hätten dann die milliardenschweren Kreditengagements gegenüber Schaeffler überprüfen und gegebenenfalls verwerten müssen – mit unabsehbaren Folgen für dieses (aber auch andere) Unternehmen.

Das Wachstum des Automarkts in China sorgte dann dafür, dass die Firma wieder schwarze Zahlen schrieb. Inzwischen ist diese starke Wachstumsphase jedoch vorüber, was nicht nur an den heimischen Angeboten an Elektrofahrzeugen für die Stadtbevölkerung liegt, sondern auch an einem exzellent ausgebauten Nahverkehr.

Die Folgen machen sich hauptsächlich in deutschen Werken bemerkbar, im Rahmen derer Schaeffler nur ein illustrierendes Beispiel für die vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall beschworenen 300.000 Arbeitsplätze ist, die in den nächsten Jahren verloren gehen könnten. Auch wenn Gesamtmetall diese Aussage mit einem Blick auf die laufenden Tarifverhandlungen machte, könnte die Zahl angesichts der zentralen Rolle des Fahrzeugbaus in Deutschland noch zu niedrig liegen.

Was aber nicht notwendigerweise etwas über die Zukunft der Firmen besagt, nur über die ihrer deutschen Arbeitskräfte. Parallel zur Ankündigung von Werksschließungen in Deutschland wird nämlich gemeldet, Schaeffler habe am 20. Oktober in China eine neue Fabrik eröffnet. Sie nennt sich "Lighthouse Factory" und produziert humanoide Roboter, allerdings mittels anderer humanoider Roboter.

Angesiedelt ist diese Fabrik im "German Industrial Park" in Taicang. Dort sind etwa 560 mittelständische deutsche Unternehmen angesiedelt; 70 Prozent davon sind in der Automobilindustrie tätig. Im Jahr 2001 wurde dort sogar bereits das deutsche duale Ausbildungssystem eingeführt. Der FC Bayern betreibt dort eine Fußballschule mit und ein örtliches Oktoberfest gibt es mittlerweile auch. Sogar eine "Rothenburg-Straße" simuliert deutsches Lokalkolorit.

Die deutsche Industrie ist nicht weg. Sie ist nur woanders.

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