
"Nordhessen zum Ort des Widerstands machen": Bekennerschreiben zu Brand auf Rheinmetall-Baustelle

Nach dem Brand auf einer Baustelle des Rüstungsunternehmens Rheinmetall am Flughafen Kassel-Calden untersucht die Polizei ein im Internet veröffentlichtes Bekennerschreiben. Das Schreiben wurde auf der vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuften Plattform Indymedia veröffentlicht. Wie das Polizeipräsidium Nordhessen mitteilte, prüfe man das Schreiben "bei den weiteren Ermittlungen intensiv".

In der Nacht zum Freitag hatten auf der Rheinmetall-Baustelle drei Baufahrzeuge gebrannt. Nachdem ein Zeuge gegen 3:15 Uhr Feuerwehr und Polizei alarmiert hatte, löschte die Feuerwehr die Fahrzeuge. Weitere danebenstehende Maschinen wurden nach Polizeiangaben beschädigt.
Die Polizei geht von vorsätzlicher Brandstiftung aus und sucht Zeugen, die Verdächtiges beobachtet haben. Geführt werden die Ermittlungen von der Kriminalinspektion Staatsschutz des Polizeipräsidiums Nordhessen.
Im Bekennerschreiben heißt es:
"In Kassel soll das größte Panzerwerk Europas gebaut werden. Wir stellen uns dagegen, zur Rüstungshauptstadt für die kommenden Kriege zu werden. Deshalb haben wir in der Nacht auf den 30. Oktober die Baustelle des Logistikzentrums von Rheinmetall in Kassel-Calden sabotiert und mehrere Bagger und Radlader angezündet."
Der Bau des Panzerwerks in Kassel sei ein "Sinnbild für die Zeitenwende in Deutschland":
"Der Staat tritt als Auftraggeber auf und versucht mit Milliarden an Rüstungsinvestitionen die schwächelnde Wirtschaft anzukurbeln. Deutschland tritt die Flucht nach vorne an. Wenn die Autoproduktion auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig ist, dann immerhin der Leopard-Panzer und vielleicht auch bald wieder das deutsche Heer."
Man wisse aus anderen Konflikten, dass am Ende die einfachen Menschen leiden werden, nicht der Rheinmetall-Chef oder der hessische Ministerpräsident:
"Nicht Armin Papperger und Boris Rhein oder deren Kinder sollen im Schützengraben von der Drohne zerfetzt werden, sondern wir. Wenn wir den Kriegsvorbereitungen nicht international entgegentreten, haben wir bald keine Perspektive für unser Leben mehr."
Das Schreiben endet mit dem Aufruf, "Nordhessen von einer Drehscheibe der Aufrüstung zum Ort des Widerstands gegen den Kriegskurs der Eliten" zu machen. Die linksradikalen Verfasser erinnern des Weiteren an einen Kasseler Studenten, der von den israelischen Streitkräften in Gaza getötet wurde, und bringen schließlich ihre Verbundenheit mit "russischen Kriegsgegner:innen und Saboteuren" zum Ausdruck, die vom "russischen Regime" in Straflager gesteckt oder getötet worden seien.
Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei dem Gelände, auf dem es brannte, um den Standort des geplanten Logistik- und Trainingszentrums sowie des Drohnentestzentrums am Flughafen Kassel. Rheinmetall und das Land Hessen hatten für diesen Standort im August Investitionen von mehr als 260 Millionen Euro angekündigt.
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