Deutschland

Bundeswehr-General nennt Angriff durch Russland "sehr, sehr realistisch"

Ein Angriff Russlands auf NATO-Territorium sei "sehr, sehr realistisch". Das erklärte ein ranghoher Bundeswehr-General in einem Interview. Bereits heute könne man natürlich nicht mehr von Frieden sprechen. Russland greife Europa "quantitativ und qualitativ zunehmend an".
Bundeswehr-General nennt Angriff durch Russland "sehr, sehr realistisch"© Urheberrechtlich geschützt

Der Bundeswehrgeneral Alexander Sollfrank hat in drastischen Worten vor einem russischen Angriff auf die NATO gewarnt. Im Gespräch mit dem Springer-Medium Politico behauptete der Generalleutnant und Befehlshaber des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr:

"Wir werden aktuell durch Russland in einer Art und Weise quantitativ und qualitativ zunehmend angegriffen."

Konkret sehe man in zunehmendem Maße Spionage, Sabotage und Desinformation. Mit Blick auf die Sicherheitslage in Europa sagte Sollfrank:

"Ich stimme der Beobachtung zu, dass man natürlich heute von Frieden nicht mehr sprechen kann."

Ein russischer Angriff auf NATO-Territorium sei möglich, so der General. Die von Russland ausgehende militärische Gefahr dürfe nicht unterschätzt werden. Zwar seien derzeit keine unmittelbaren Angriffsvorbereitungen erkennbar, dennoch gelte:

"Ein Angriff ist sehr, sehr realistisch."

Verteidigungspläne für den Fall eines russischen Angriffs auf die baltischen Staaten seien längst vorbereitet. "Mindestens 20.000 Soldaten" würden dann "auf dem Land-, Luft- und Seeweg in Marsch" gesetzt und in das Baltikum verlegt. Die Vorbereitungen würden "noch vor dem ersten Schuss" anlaufen.

Auch in Deutschland verschärfe die Truppe ihre Schutzmaßnahmen, sagte der General unter Anspielung auf die angeblichen Sabotagefälle und Drohnenangriffe der jüngeren Zeit. Auch die eigenen Drohnenabwehrmöglichkeiten würden verstärkt.

Eine Schlüsselrolle wies Sollfrank dabei dem "Operationsplan Deutschland" zu. Dieser Plan solle "noch Krieg verhindern und Russland klar signalisieren: Achtung, wage es nicht, anzugreifen, wir sind vorbereitet". Deutschland fungiere innerhalb der NATO als Drehscheibe für die Verlegung von Truppen nach Osten.

In dem Gespräch mit Politico verwendete der General die nur gegenüber Russland gebräuchliche westliche Propagandafloskel eines "verbrecherischen Angriffskriegs". Der russischen Regierung unterstellte Sollfrank dabei drei strategische Fehler: Sie habe die "Stärke der eigenen Streitkräfte überschätzt, die Stärke der ukrainischen Streitkräfte unterschätzt und die Geschlossenheit der Europäer und der NATO ebenfalls unterschätzt". Den Widerspruch zwischen den angeblichen Fehleinschätzungen und der behaupteten Bedrohung löste der Generalleutnant nicht auf.

Die Äußerungen des Generals, die offenbar darauf abzielen, die eigene Bevölkerung auf einen militärischen Konflikt vorzubereiten, erfolgen vor dem Hintergrund der massiven deutschen Aufrüstung und zunehmender militärischer Aktivitäten der Bundeswehr im Baltikum.

Generalleutnant Sollfrank promovierte 2024 an der Bundeswehruniversität München. Erstgutachter seiner Dissertation "Kann ein russischer Angriff auf die baltischen Staaten erfolgreich sein?" war der aus einschlägigen Talkshows bekannte Politologe Carlo Masala. Die Arbeit kann hier nachgelesen werden.

Mehr zum Thema ‒ Bundeswehrgeneral: NATO wird im Falle eines Krieges 800.000 Soldaten gegen Russland schicken

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