Deutschland

Nach Berlin-Wahl: Munteres Abwerben bei der Polizei

Flüchten Polizisten vor dem Berliner Wahlergebnis aus der Bundeshauptstadt? Den Eindruck kann man fast gewinnen, wenn man sieht, wie gut das Angebot ankam, das der Innenminister Baden-Württembergs kurz nach der Wahl gemacht hatte.
Nach Berlin-Wahl: Munteres Abwerben bei der Polizei© Urheberrechtlich geschützt

Gleich nach der Wahl gab es die ersten Angebote. Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel wollte die Gunst der Stunde nutzen und unterbreitete Berliner Polizisten ein Angebot: "Die Berliner Polizei ist zu schade für eine linke Clan-Bürgermeisterin, die ihr Mittel und Befugnisse nehmen will", hatte er erklärt, und seine Personalwerbung gleich angehängt: "Wer für Sicherheit, Freiheit und unseren Rechtsstaat einsteht, ist bei uns immer willkommen. Jede und jeder Einzelne. Jederzeit." Ein besonderes Interesse habe man an Ermittlern aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität.

Die Linke Berlin hatte wegen dieser Äußerung in der ARD gegen Hagel geklagt, aber die Unterlassungsklage wegen der "linken Clan-Bürgermeisterin" wurde vom Stuttgarter Verwaltungsgericht abgelehnt. Hagels Aussage sei von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Auch der Brandenburger Innenminister, wie Hagel von der CDU, hatte sich zu Wort gemeldet, seine Anwerbeversuche aber auf Instagram und auf Polizeinachwuchs ausgerichtet. Auch er konnte sich einen entsprechenden Seitenhieb nicht verkneifen: "Die einen stellen die Polizei infrage. Wir stellen die Polizei noch besser auf!"

Das Magazin Focus berichtete nun, dass diese Werbung Erfolg hatte. Tatsächlich hätten sich, so meldeten das mehrere Bundesländer auf Nachfrage, seit der Berliner Wahl 72 Polizisten aus der Hauptstadt in anderen Bundesländern beworben. Berlin konnte das noch nicht bestätigen – einen Versetzungsantrag gibt es aber erst, wenn die Bewerbung auch angenommen wurde. Außerdem wird vermutet, gerade jüngere Polizisten würden auf eine förmliche Versetzung (und damit auf aufgelaufene Pensionsansprüche) verzichten und einfach nach einer erfolgreichen Bewerbung kündigen.

Bezogen auf die Gesamtzahl der Berliner Polizisten, 18.500, wirkt das nicht beeindruckend. Allerdings lag die Gesamtzahl der Versetzungsanträge aus Berlin im vergangenen Jahr bei 22. Allein in der kurzen Zeit seit der Wahl wurde also der Wert des gesamten Vorjahres übertroffen. "Wenn das Schule macht, haben wir ein Problem", meinte demgemäß auch Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei Berlin.

Die meisten Beamten, 58, wollten tatsächlich nach Baden-Württemberg, zehn nach Bayern, drei nach Thüringen und einer nach Bremen. Eigentlich ist es ein Tabubruch, wenn ein Bundesland einem anderen Polizisten abwirbt. Schließlich wird die Ausbildung vom jeweiligen Bundesland finanziert. Aber Wahlversprechen der Berliner Linken, die unter anderem anlasslose Kontrollen abschaffen und die Finanzierung der Polizei ausdünnen will, stellten wohl eine allzu große Versuchung dar für die Innenminister anderer Bundesländer.

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