Deutschland

Deutschlands Insolvenzwelle weiter auf hohem Niveau

Die weiterhin hohe Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland läuft im Jahr 2026 meist unbemerkt im Stillen unverändert fort. Vereinzelt berichten Branchenseiten oder lokale Medien über das Ende von Traditionsunternehmen oder alteingesessenen Geschäften.
Deutschlands Insolvenzwelle weiter auf hohem Niveau© Urheberrechtlich geschützt

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt weiter. Laut Statistischem Bundesamt wurden von Januar bis Juli 2026 insgesamt 15.185 Fälle registriert – 6,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Laut Agenturmeldungen ist dabei die Zahl der Firmenpleiten im zweiten Quartal weiter gestiegen, wobei annähernd alle Branchen betroffen sind, so exemplarisch aktuell eine seit dem Jahr 1979 existierende Baufirma mit 19 Angestellten in der baden-württembergischen Kreisstadt Aalen.

Dazu heißt es, dass das Bauunternehmen beim zuständigen Amtsgericht Aalen einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat. Der Betrieb plane demnach, mit seinen Beschäftigten zunächst weiter zu arbeiten und laufende Aufträge zu beenden. 

Nach eigener Darstellung ist das Unternehmen seit dem Jahr 1979 im Holzbau tätig. Zum Angebot gehören unter anderem Holzhäuser, Dachstühle, Aufstockungen und komplette Dachsanierungen.

Zu den Gründen der Insolvenz zählen laut Artikel der Schwäbischen Zeitung "insbesondere die Kosten- und Preisentwicklung bei Materialien sowie das schwierige Marktumfeld in der Bauwirtschaft, vor allem der rückläufige Neubau".

Der angeschlagene Automobilmarkt informiert über die Insolvenz des renommierten Autohauses König. Das Unternehmen beschäftigt aktuell deutschlandweit mehr als 1.200 Mitarbeiter in über 80 Filialen. Mehr als 30 Filialen befinden sich in Berlin und Brandenburg.  In diesem Jahr wollte das in Berlin gegründete Unternehmen sein 60-jähriges Jubiläum feiern. Laut Eigeninformation plant das Unternehmen ein vorläufiges Insolvenzverfahren, um darüber zu versuchen, sich "im laufenden Geschäftsbetrieb zu sanieren". In einer Erklärung heißt es:

"Ursächlich ist die eingetretene Zahlungsunfähigkeit vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden strukturellen Wandels im Automobilhandel: Die Transformation vom Verbrenner zum Elektroantrieb, ein spürbar gewachsener Wettbewerbsdruck durch neue Marktteilnehmer sowie ein insgesamt stagnierendes Neuwagengeschäft belasten die gesamte Branche."

Nach 175 Jahren Firmengeschichte muss auch der Fahrradhersteller Böttcher aus dem schleswig-holsteinischen Dithmarschen das Ende verkünden. Die Gehälter der knapp 100 Beschäftigten werden den Angaben zufolge "zunächst für drei Monate durch das beantragte Insolvenzgeld gesichert", meldet der NDR. Gründe für die finale Insolvenz wurden seitens der Unternehmensführung nicht genannt.

Mit der Vollmer Werke Maschinenfabrik GmbH meldet erneut ein traditionsreicher Maschinenbauer Insolvenz an. Das im Jahr 1909 gegründete Unternehmen im oberschwäbischen Biberach an der Riß (Baden-Württemberg) schickt 450 Mitarbeiter in eine ungewisse Zukunft. Bereits im Vorjahr hatten die Vollmer-Werke angekündigt, rund 15 Prozent der Stellen am Stammsitz abbauen zu wollen. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen noch rund 580 Mitarbeiter.

Im Norden Ostfrieslands informiert die Hotel Reichshof GmbH, dass für das Tides Boutique Hotel Insolvenz angemeldet werden musste.

Im Vormonat berichtete ein Lokalblatt über das Ende eines Traditionsgeschäfts in der Kleinstadt Karlsruhe in Baden-Württemberg:

"Wer heute durch die Kaiserstraße geht, findet an der früheren Adresse von Schirm Weinig keinen traditionsreichen Fachladen mehr. Das Familienunternehmen hat seinen Betrieb Ende Juni 2026 beendet. Damit endet eine Geschichte, die 1840 begann und über fünf Generationen weitergegeben wurde."

Die K-Zeitung titelt "Aktuelle Insolvenzen in der Kunststoffbranche". Bereits Anfang Oktober hieß es, dass sich die Firmenpleiten in diesem Bereich aktuell auf "Rekordniveau" befinden. Ein "Ticker zeigt, welche Unternehmen der Kunststoffindustrie aktuell Insolvenz anmelden". Weiter heißt es zu den Hintergründen:

"Für Kunststoffverarbeiter wächst das Ausfallrisiko in der Lieferkette drastisch. Die deutsche Wirtschaft verzeichnet derzeit eine Marktbereinigung historischen Ausmaßes. Was sich im vergangenen Jahr mit deutlichen Zuwächsen abzeichnete, hat sich im zweiten Quartal 2026 zu einer ausgewachsenen Welle an Firmenpleiten ausgeweitet."

Ein "Insolvenzrechts-Experte" bestätigte in der Vorwoche gegenüber dem Portal Börse Online, dass die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland im ersten Halbjahr "den höchsten Wert seit 21 Jahren markiert" hätte.

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