Deutschland

Gasspeicher werden jetzt auf Anweisung gefüllt – ein wenig

Der Füllstand der deutschen Gasspeicher ist immer noch weit niedriger als in den Vorjahren. Und die Heizsaison steht bereits vor der Tür. Nun hat sich Wirtschaftsministerin Reiche doch durchgerungen, eine Auffüllung zu verordnen.
Gasspeicher werden jetzt auf Anweisung gefüllt – ein wenig© Urheberrechtlich geschützt

Zwei Wochen nach höflichen Bitten greift Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nun doch zum Mittel der Anweisung: Der Gaslieferant Sefe soll bis Mitte Dezember acht Terawattstunden Erdgas zusätzlich einspeichern. Die Kosten dafür könnten bei etwa einer halben Milliarde Euro liegen – Kosten, die nun in der Verantwortung der Bundesregierung liegen.

Die deutschen Erdgasspeicher sind aktuell nur zu 57,92 Prozent befüllt. Das sind gerade einmal zwei Prozent mehr als vor zwei Wochen. Bei dieser Geschwindigkeit betrüge der Füllstand am 1. November, zu dem in Deutschland eine Befüllung von 80 Prozent vorgeschrieben ist, gerade einmal 62 Prozent.

Tatsächlich ist der Speicher Rehden, der größte Erdgasspeicher Deutschlands und im Besitz von Sefe, bei einer Gesamtkapazität von 54 Terawattstunden nur zu 12,63 Prozent befüllt. Verfügbar, also noch nicht vertraglich vergeben, ist laut agsi.gie.eu Speicherplatz für 20 Terawattstunden. Sofern die Angaben über die bereits geschlossenen Verträge aktuell sind, wäre es für Sefe also auch kein Problem, diese Menge in Rehden einzuspeisen. Sogar die Einspeisungsgeschwindigkeit von 550 Gigawattstunden pro Tag würde es ermöglichen, die besagten acht Terawattstunden binnen zwei Wochen einzulagern.

Allerdings ist mit diesen acht Terawattstunden das Problem noch nicht gelöst. Zu den eigentlich vorgeschriebenen 80 Prozent fehlen derzeit 54 Terawattstunden, also ein Vielfaches der Menge, deren Erwerb Reiche nun angewiesen hat. Diese Menge zu erwerben, würde etwas über drei Milliarden Euro kosten – ein Betrag, über den Reiche womöglich nicht verfügt.

Das Problem ist nämlich, dass Sefe – das einstige Gazprom Deutschland – zwar in Staatsbesitz ist, es sich rechtlich aber um eine eigenständige Gesellschaft handelt, die nach Gesellschaftsrecht verpflichtet ist, die Kosten, die ihr entstehen, beim Staat wieder einzutreiben. Genau deshalb hatte Reiche zuvor "gebeten" – solange der Kauf von zusätzlichem Erdgas auf einer eigenen Entscheidung des Unternehmens beruht, ist der Bundeshaushalt nicht in der Pflicht.

Früher wurden derartige Käufe über die Gasspeicherumlage an die Verbraucher weitergereicht. Das wurde geändert – seit dem 1. Januar 2026 ist die Gasspeicherumlage entfallen. "Die Kosten übernimmt der Bund", heißt es lapidar auf der Seite der Bundesregierung. Das bedeutet, die erwähnten 500 Millionen Euro müssen aus dem Bundeshaushalt ersetzt werden – unabhängig davon, ob nun das staatliche Unternehmen Sefe oder die Firma RWE angewiesen wird, das Gas zu kaufen.

Die in den Gasspeichern eingespeicherte Menge deckt übrigens immer nur einen Bruchteil des gesamten Gasverbrauchs ab, der in Deutschland bei 903 Terawattstunden jährlich liegt – die maximale Kapazität aller deutschen Gasspeicher beträgt 247 Terawattstunden, also weniger als ein Drittel.

Mehr zum Thema ‬‒ Netzagentur: Gasspeicher können keine 80 Prozent mehr erreichen

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