Gesellschaft

Halloween: Britische Polizei warnt vor Verletzung religiöser Gefühle

Am letzten Oktoberabend ziehen auch britische Kinder und Jugendliche durch die Straßen und bitten mit dem Satz "Trick or Treat!" um Süßigkeiten. Warnungen der britischen Polizei vor unerwünschten Halloween-Besuchen sorgen nun für mediale Unruhe.
Halloween: Britische Polizei warnt vor Verletzung religiöser Gefühle© Buckinghamshire Community Safety/Facebook

Verschiedene britische Medien wie die Tageszeitung Telegraph, die Online-Publikation The Independent oder das auf Wirtschaftsnachrichten spezialisierte Online-Portal LondonlovesBusiness berichten vom Bemühen der Polizei, bestimmte Bevölkerungsgruppen vor einer unerwünschten Konfrontation mit Halloween zu schützen.

So postete die Polizeibehörde von Oadby und Wigston in der englischen Grafschaft Leicestershire eine entsprechende Warnung auf ihrem Facebook-Account. Nicht für jeden sei Halloween ein vergnügliches Fest. Die Halloween-Fans seien deshalb angehalten, diese Ablehnung zu respektieren und nicht an Türen von Häusern zu klopfen, an denen keine entsprechende Dekoration angebracht sei. Dazu bot die örtliche Polizei ein entsprechendes Plakat an, das sich Halloween-Verweigerer an die Tür hängen können.

Die Wigstoner Polizei nannte verschiedene Gründe für die Ablehnung von Halloween: So benötigten Kleinkinder oder Schichtarbeiter ihren Schlaf. Auch Menschen mit einer Traumatisierung oder einer psychischen Krankheit könnten mit unerwarteten Besuchern überfordert sein, ebenso ältere Menschen, die das wiederholte Klopfen an der Tür erschrecken könnte, oder Leute mit ängstlichen Haustieren. Neben "Menschen, die einfach nicht teilnehmen möchten", führte die Behörde auch "religiöse oder kulturelle Überzeugungen" an, denen Halloween zuwiderlaufe.

Auch das Swale Borough Council, die lokale Verwaltungsbehörde für den Distrikt Swale in der Grafschaft Kent, bietet ein entsprechendes Plakat an und warnt die Halloween-Feiernden vor Streichen wie Eierwürfen und vor "asozialem Verhalten". Ein ähnliches Plakat gibt es von der Polizeibehörde in Leicestershire.

Während manche Menschen Halloween genießen, sei es nicht jedermanns Sache, Fremden in der Dunkelheit die Tür zu öffnen. Die Behörde in Swale führt neben Schutzbedürftigkeit und religiösen Gründen auch Geldmangel an. Manche Menschen könnten nicht genügend Geld für Dekorationen oder Süßigkeiten haben.

Das Buckinghamshire Council wiederum mahnt zur Rücksicht auf verletzliche Menschen, die "mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen haben". Die Polizei in Suffolk wiederum will Einzelhändler in ihrem Gebiet dazu anhalten, "den Verkauf von Eiern und Mehl an Jugendliche im Vorfeld von Halloween einzuschränken".

Diese behördlichen Bitten um Rücksichtnahme finden nicht überall Anklang. Einige finden sie übertrieben, wie die Regionalzeitung Bucks Free Press berichtet. Das Blatt zitiert den Moderator Alex Armstrong, der auf die jahrhundertealte Tradition von Halloween verweist und die Warnhinweise zu einem "totalen, linken Unsinn" erklärt. Tom Haines, Redakteur bei LondonlovesBusiness, titelte: "Halloween-Polizeihinweise driften ins Lächerliche ab."

Welche religiösen Gemeinschaften das Geisterfest am Vorabend von Allerheiligen ablehnen könnten, erwähnt die britische Polizei nicht. Es ist bekannt, dass Halloween bei traditionell orientierten Christen im Verdacht steht, Kinder an satanische, düstere Bräuche zu gewöhnen. Auch bei den Zeugen Jehovas oder orthodoxen Juden könnte der herbstliche Geisterspuk auf Ablehnung stoßen, heißt es in der britischen Presse.

Auf eine andere Spur weist das deutsche Online-Magazin Apollo News hin. Es hegt den Verdacht, dass die zunehmenden behördlichen Warnungen vor der Verletzung religiöser Gefühle mit der "rasant wachsenden muslimischen Bevölkerung der britischen Inseln" zu tun haben könnten. Denn schließlich seien nach Auffassung vieler islamischer Rechtsgelehrter die Halloween-Feierlichkeiten "haram".

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