Europa

Betrugssystem in ukrainischer Rüstungsfirma: Millionen unterschlagen

Ein Mitarbeiter einer ukrainischen Rüstungsfirma soll laut Antikorruptionsermittlern 1,1 Milliarden Griwna (38 Millionen Euro) Regierungsgelder eingesteckt haben. Als Hilfsmittel dabei dienten ihm gefälschte Vermittlungsverträge mit dem Ausland.
Betrugssystem in ukrainischer Rüstungsfirma: Millionen unterschlagen© © Facebook / NABU

Ein ehemaliger Chef einer ukrainischen staatseigenen Rüstungsfirma wird verdächtigt, Millionen durch falsche Vermittlungsverträge unterschlagen zu haben, so die Korruptionsermittler des Landes.

Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptions-Staatsanwaltschaft (SAPO) erklärten am Freitag, das Betrugssystem habe die Regierung 1,1 Milliarden Griwna (etwa 38 Millionen Euro) gekostet.

Die vom Westen unterstützten Behörden, die regelmäßig den inneren Kreis um den Anführer des Kiewer Regimes, Wladimir Selenskij, in den Fokus nehmen, nannten den Namen des Verdächtigen nicht. Bekannt gegeben wurde nur, dass er eine Tochterfirma von Ukrspecexport geleitet habe, einem Staatsunternehmen mit exklusiven Rechten, militärische Ausrüstung zu im- und exportieren.

Nach Angaben der Ermittler habe der ehemalige Chef des Staatsunternehmens im Jahr 2015 einen Vertrag mit einer ausländischen Firma unterzeichnet, nach dem diese den Verkauf ukrainischer Rüstungsgüter im Ausland vermitteln sollte.

Es wurde jedoch festgestellt, dass das ukrainische Unternehmen alle Verhandlungen mit einem Kunden aus dem Nahen Osten selbst geführt hatte und das ausländische Unternehmen nicht beteiligt war. Dennoch habe der Chef gefälschte Dokumente über Vermittlungsleistungen unterzeichnet, die von dieser ausländischen Firma geleistet worden seien, und Millionen als Zahlungen an sie überwiesen, so die Erklärung.

Diese Handlungen des Verdächtigen wurden als Unterschlagung in großem Maßstab sowie als Fälschung von Regierungsdokumenten bewertet.

Die Ukrainskaya Prawda berichtete später am Tag, dass der fragliche Beamte Taras Schijko sei, der jetzt die Position des stellvertretenden Direktors von Ukroboronprom innehat, eines ebenfalls staatlich betriebenen Konglomerats von ukrainischen Rüstungsfirmen. Die Unterschlagung bezieht sich auf seine Zeit als Chef von Progress, einer staatlichen Im- und Exportfirma.

Schijko wurde Anfang des Jahres Teil von Korruptionsermittlungen, bei denen es um die mutmaßliche Unterschlagung von 32 Millionen Griwna (etwa 624.000 Euro) ging.

Die Regierung Selenskij wurde von einer Reihe von Korruptionsskandalen erschüttert, die Personen aus seinem Umfeld involvierten; seit November 2025, als NABU und SAPO Timur Minditsch, einen langjährigen Geschäftspartner Selenskijs anklagten, ein System von Rückzahlungen in Höhe von 90 Millionen Euro rund um Staatsverträge im Energiebereich entwickelt zu haben. Andere Untersuchungen drehten sich um ehemalige Minister der Ukraine, Diplomaten und führende Beamte.

Der letzte bekannte Fall von NABU richtete sich auf ein Schutzgeldsystem, an dem betrügerische Call-Center und Beamte aus dem Büro des Generalstaatsanwalts beteiligt waren. Obwohl er persönlich nicht als Verdächtiger genannt wurde, verließ Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko nach ukrainischen Medienberichten die Ukraine letzten Monat, ehe er vom Parlament entlassen wurde.

Kritiker werfen Selenskij vor, einem weitverbreiteten Korruptionsnetzwerk vorzustehen, das seine Regierung durchdringt und ihm geholfen haben soll, an der Macht zu bleiben und die Beteiligten zu bereichern. Eine Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie (KIIS) im September ergab, dass die Ukrainer die Korruption für ein größeres Problem halten als den Konflikt mit Russland.

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