
Trust me Bro: Palantir kann nach eigenen Angaben KI-System der NATO nicht abschalten

Die NATO nutzt das KI-System Maven des US-Softwareunternehmens Palantir, das riesige Datenmengen von Satelliten, Radarsystemen und anderen Sensoren verarbeiten kann, um ein genaues und zeitnahes Bild vom Schlachtfeld zu vermitteln. Die NATO nutzt Maven auch in der Ukraine in ihrem Krieg gegen Russland.
Doch nachdem laut Kiews Angaben der für Drohneneinsätze und Gefechtsfeldkommunikation genutzte US-Satellitendienst Starshield – der auf der Starlink-Konstellation von Elon Musks SpaceX basiert – von den USA gedrosselt wurde, wachsen in Europa die Bedenken hinsichtlich der Abhängigkeit von US-Technologie.

Durch die Drosselung des Systems funktionierten die Terminals auf sich schnell bewegenden Plattformen nicht mehr, was die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Ziele behindert.
Laut einem Bericht des Wall Street Journal soll Musk die Drosselung persönlich angeordnet haben. Der Techmilliardär bestreitet das und verwies auf das Weiße Haus, das seinerseits eine Beteiligung bestritt.
Ukrainische und europäische Regierungsvertreter äußerten den Verdacht, dass Washington mit der Drosselung Druck auf Wladimir Selenskij ausüben will, da sich der ukrainische Machthaber weigert, der Forderung von US-Präsident Donald Trump nachzukommen und die Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen.
Der Vorgang löste bei europäischen Bündnispartnern neue Bedenken aus, zu stark von US-Technologie abhängig zu sein, deren Lieferung unterbrochen werden könnte, wodurch sich die Verteidigungsfähigkeit des Kontinents verringern würde.
Palantir versucht nun, die Europäer zu beschwichtigen. Laut dem Unternehmen verfügt das von der NATO genutzte militärische KI-System über keinen "Kill-Switch", also einen Notausschalter, mit dem sich ein technisches System stoppen oder deaktivieren lässt.
Louis Mosley, Topmanager von Palantir für Großbritannien und Europa, sagte gegenüber Reuters mit Blick auf die KI-Plattform Maven: "Es gibt keine Notabschaltmechanismen. Weder Palantir noch die US-Regierung haben die Möglichkeit, von außen einzugreifen und das System abzuschalten."
Das System wird vom militärischen Hauptquartier der NATO und mehreren europäischen Streitkräften genutzt.
"Was wir in den letzten Tagen in den Nachrichten rund um Starlink gesehen haben, ist äußerst besorgniserregend", sagte Mosley. "Was Palantir betrifft, kann ich jedoch kategorisch versichern, dass Kunden, die unsere Software erworben haben, die volle operative Kontrolle über diese Software besitzen."
Die NATO erwarb Maven im Jahr 2025 für ihr Oberkommando der Alliierten Streitkräfte in Europa (Shape) und erklärte im Juni dieses Jahres, das System habe die "volle technische Einsatzfähigkeit" erreicht.
Einige europäische NATO-Staaten wie Deutschland und Frankreich haben Maven jedoch nicht für ihre eigenen Streitkräfte eingeführt. Sie begründeten dies mit Bedenken hinsichtlich der Abhängigkeit von einem US-Unternehmen vor dem Hintergrund der häufigen Spannungen zwischen Trump und den europäischen Bündnispartnern.
Der Leiter des deutschen Cyberkommandos schloss im vergangenen April den Kauf von Maven aus und erklärte, es sei "undenkbar", dass Mitarbeiter eines privaten Unternehmens Zugang zur nationalen Militärdatenbank des Landes hätten.
Mosley hält dem entgegen, es liege "voll und ganz im Ermessen des Kunden", ob Palantir-Mitarbeiter am Betrieb des Systems beteiligt seien. Solche Mitarbeiter seien Staatsangehörige des jeweiligen Landes und verfügten über die erforderliche Sicherheitsfreigabe.
"Es kann absolut unabhängig von uns betrieben werden, und wir haben viele, viele Kunden auf der ganzen Welt – sowohl im militärischen Bereich als auch in der Wirtschaft –, die das tun", beschwichtigte der Manager.
Im April hatte Palantir-Chef Alex Karp in einem Manifest in 22 Thesen die Überlegenheit des Westens im Allgemeinen und der USA im Besonderen betont und für Investitionen in KI-Waffen geworben. Schon im allerersten Punkt postulierte Karp eine Pflicht der Unternehmen des Silicon Valley, sich an der "Verteidigung der Nation", gemeint ist die US-amerikanische, zu beteiligen. Die somit zum Ausdruck gebrachte "America first"-Haltung des Palantir-Chefs dürfte kaum förderlich sein, die europäischen Partner zu beschwichtigen.
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