
Vier Jahre nach den Explosionen: Nord-Stream-Prozess in Hamburg eröffnet

Am Mittwoch hat am Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg der Prozess gegen den ukrainischen Staatsbürger Sergei Kusnezow wegen der Sprengstoffanschläge auf die Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 begonnen. Die Verhandlung findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Es ist der erste Prozess in Deutschland zu den Anschlägen vom September 2022, berichtet die Nachrichtenagentur TASS.

Kusnezow wurde unter Bewachung in den Gerichtssaal gebracht. Neben dem Angeklagten und seinen Verteidigern sind Vertreter der Bundesanwaltschaft und Journalisten anwesend. Für den Prozess wurden mehr als 100 Journalisten akkreditiert. Bis Ende Januar hat das Gericht 24 Verhandlungstermine angesetzt. Weitere Termine im Februar sind vorgesehen. Die Abstimmung darüber läuft noch.
Die deutsche Bundesanwaltschaft wirft Kusnezow vor, eine Sabotagegruppe angeführt zu haben, welche die Anschläge auf die Pipelines geplant und ausgeführt haben soll. Nach Darstellung der Anklage handelten er und sechs mutmaßliche Komplizen "im Auftrag staatlicher Stellen der Ukraine".
Kusnezow werden unter anderem Angriffe auf zivile Infrastruktur, die Zerstörung von Eigentum und Beihilfe zu einem Kriegsverbrechen zur Last gelegt. Die Vorwürfe umfassen außerdem den Einsatz verbotener Methoden der Kriegsführung, die Herbeiführung einer Explosion, die Zerstörung von Bauwerken und die Beeinträchtigung öffentlicher Einrichtungen.
Vor Beginn der Hauptverhandlung hatte das Gericht die Anklage zugelassen. Die Richter sahen "ausreichend Beweise", um den Verdacht eines Kriegsverbrechens zu begründen.
Den Ermittlern zufolge koordinierte Kusnezow die Gruppe. Ziel der Operation sei es gewesen, die Gaslieferungen aus Russland nach Deutschland über die Pipelines "dauerhaft zu unterbinden."
Zu diesem Zweck soll Kusnezow im September 2022 mit einem gefälschten ukrainischen Pass nach Deutschland eingereist sein. Anschließend soll er gemeinsam mit seinen mutmaßlichen Komplizen eine Segeljacht bei einem deutschen Unternehmen gemietet haben. Mit der "Andromeda" sollen sie den Sprengstoff zu einem Ort nahe der dänischen Insel Bornholm transportiert haben. Dort soll Kusnezow den Sprengstoff an einer der Pipelines angebracht haben.
Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.
Im August 2025 gab die deutsche Bundesanwaltschaft die Festnahme Kusnezows in Italien bekannt. Nach Angaben von Interfax befand er sich seit dem 21. August in Haft in der Küstenstadt Riccione. Am 16. September ordnete ein italienisches Gericht schließlich seine Auslieferung nach Deutschland an. Anschließend wurde er nach Deutschland überstellt und in Untersuchungshaft genommen.
Während des Auslieferungsverfahrens soll Kusnezow in einem privaten Telefongespräch erklärt haben, dass er zum Zeitpunkt der Operation in den ukrainischen Streitkräften gedient und für den ukrainischen Sicherheitsdienst gearbeitet habe. Das ZDF berichtete, die Beweislage gegen ihn sei aufgrund eigener Äußerungen in Telefongesprächen während seiner Auslieferung aus Italien erdrückend.
Unterdessen wurde ein weiterer ukrainischer Staatsbürger in Kroatien festgenommen. Auch er steht im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu den Nord-Stream-Anschlägen.
Die Explosionen an den beiden Gaspipelines ereigneten sich am 26. September 2022 nahe der dänischen Insel Bornholm. Dabei wurden drei der vier Leitungsstränge beschädigt. Nord Stream 1 war damals die wichtigste Route für russische Gaslieferungen nach Deutschland. Nord Stream 2 wurde weder bis dahin noch zu einem späteren Zeitpunkt in Betrieb genommen.
Deutschland, Dänemark und Schweden schlossen eine gezielte Sabotage als Ursache der Explosionen nicht aus.
Die russische Generalstaatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen eines Akts des internationalen Terrorismus ein. Kremlsprecher Dmitri Peskow hat wiederholt erklärt, Russland habe mehrfach Informationen zu den Explosionen angefordert, jedoch keine erhalten.
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