87-Jährige stirbt nach Zwangsräumung: Proteste erschüttern Spanien, Sánchez ruft Neuwahlen aus

Die 87-jährige Marícarmen Abascal, deren Zwangsräumung landesweite Proteste gegen Spaniens Wohnungsnot ausgelöst hatte, ist gestorben. Abascal starb am Mittwoch im Hospital Gregorio Marañón in Madrid, nachdem sie am 23. September aus ihrer Wohnung im Stadtteil Retiro geräumt und anschließend ins Krankenhaus gebracht worden war.
Abascal hatte rund 70 Jahre in der Wohnung gelebt. Ihr Vater hatte sie 1956 gemietet, später wurde der Mietvertrag zunächst auf ihre Mutter und nach deren Tod auf Abascal übertragen.
Nach dem Kauf der Immobilie durch Urbagestión im Jahr 2018 begann ein jahrelanger Rechtsstreit über den alten Mietvertrag. Drei Räumungsversuche waren zuvor gescheitert. Beim vierten wurde Abascal am 23. September auf einer Trage aus der Wohnung gebracht und in ein Krankenhaus gefahren.

Ihre Räumung löste massive Proteste in Madrid und anderen spanischen Städten aus. Hunderte Menschen campierten an der Puerta del Sol und forderten einen besseren Schutz von Mietern. Unter dem öffentlichen Druck kam Ende September eine Vereinbarung zustande, die Abascal eine Rückkehr in ihre Wohnung für rund 450 bis 500 Euro monatlich und mit einem Vertrag über acht Jahre ermöglicht hätte. Doch die Vereinbarung kam zu spät. Abascal befand sich weiterhin im Krankenhaus und konnte sie nicht mehr selbst bestätigen.
Der politische Druck nahm weiter zu. Die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez brachte zwei Wohnungsdekrete auf den Weg, die unter anderem den Schutz vor Zwangsräumungen ausweiten und den Mietmarkt stärker regulieren sollten. Der Kongress lehnte die Maßnahmen am 2. Oktober ab. Drei Tage später kündigte Sánchez vorgezogene Neuwahlen für den 29. November an.
Hunderte Menschen versammeln sich nach dem Tod der älteren Frau vor dem Parlament und singen.
Madrid https://t.co/Er3wN8QNqM
— Bruno Thevenin (@BrunoThevenin) October 7, 2026
Am Dienstag verabschiedete die Regierung daraufhin erneut 21 dringende Wohnungsmaßnahmen. Vorgesehen sind unter anderem ein Fonds von zehn Milliarden Euro für Wohnkredite und Bauhilfen sowie ein stärkerer Schutz besonders gefährdeter Mieter. Über die Maßnahmen soll nun ein verkleinertes Übergangsparlament entscheiden.
Mit dem Tod Abascals ist ihr Schicksal erneut zum Mittelpunkt der Proteste geworden. Der Madrider Mieterbund erklärte, die Einigung, die ihr die Rückkehr nach Hause ermöglicht hätte, sei zu spät gekommen. Auf der Puerta del Sol legten Demonstranten nach Bekanntwerden ihres Todes eine Schweigeminute ein.
Sánchez sprach der Familie sein Beileid aus. "All meine Zuneigung an Maricarmens Familie und ihre Angehörigen", schrieb der Ministerpräsident.
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