Von Rainer Rupp
Wenn eine politisch motivierte Journaille mit einem Heer von Presstituierten in selbsterklärten "Qualitätsmedien" zum Propaganda-Megafon der Regierungseliten des kollektiven Westens geworden ist, dann werden selbst aus harmlosen Kuriositäten alarmierende Nachrichten über angebliche russische Spionage- und Sabotageoperationen. Wenn Ermittler dann keine Beweise finden, ist die Propaganda-Karawane längst zum nächsten Projekt weitergezogen.
Das alles erinnert an Verfahren aus vergangenen, autoritären Zeiten, bei denen die Justiz nicht von einer Straftat ausgeht, um den Täter zu ermitteln, sondern umgekehrt gegen einen unerwünschten Menschen ermittelt und dazu nach einem passenden Vergehen sucht, das man ihm anhängen kann. Die Journaille assistiert dabei, dass aus einem unbegründeten Anfangsverdacht schnell Gewissheit wird. Eventuelle, von anderer Seite geäußerte Zweifel an der Schuld des Angeklagten werden amtlich als bösartige Verleumdung und Untergrabung des öffentlichen Vertrauens in die staatlichen Institutionen bezichtigt, was inzwischen ebenfalls ein Straftatbestand ist.
Bei einer KI‑unterstützten Recherche über die in den vergangenen Jahren Russland anhängigen Verbrechen wie Spionage- und Sabotageoperationen stößt man tatsächlich auf eine bemerkenswerte Reihe von Geschichten, in denen der Kreml für ungewöhnliche oder zunächst unerklärliche Vorgänge ohne zu zögern verantwortlich gemacht wurde. Belastbare Beweise für die Vorwürfe gab es nicht und wurden auch nie vorgelegt. Später wurden die meisten dieser Vorwürfe durch eine sorgfältige Untersuchung aufgeklärt, wobei Russland entschuldigt wurde, wie weiter unten an einigen besonders spektakulären Fällen nachgewiesen wird.
Manche dieser höchst offiziellen Beschuldigungen Russlands sind derart surreal, dass der anti-russische Hass, den sie widerspiegeln, nur durch tief sitzende rassistische Vorurteile erklärbar ist. Manche dieser Vorfälle, wie der russische Spionagewal, wären eine tolle Lachnummer für ein Satire-Magazin gewesen, wenn das Ganze nicht Teil einer todernsten Kriegspropaganda gegen Russland gewesen wäre.
1. Der russische Spionagewal "Hvaldimir"
Im April 2019 tauchte vor der norwegischen Küste ein ungewöhnlich zutraulicher Belugawal auf. Er trug ein Geschirr, dessen Verschluss die Aufschrift "Equipment St. Petersburg" aufwies. Wie bei einer Verbindung zu Russland nicht anders zu erwarten, ließen bösartige Spekulationen nicht lange auf sich warten: Hatte die russische Kriegsmarine einen Spionagewal auf Norwegen angesetzt? Sogar angebliche internationale "Qualitätsmedien" wie die Washington Post berichteten am 29. April 2019 über den angeblichen russischen Spion. Der Wal erhielt den Namen "Hvaldimir", eine Verbindung aus dem norwegischen Wort für Wal und dem Vornamen Wladimir, für "Putin den Schrecklichen".
Das (Fake News) US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" berichtete ebenfalls am 29.4.2019, sogar mit Balkenüberschrift: "WAL BELÄSTIGT NORWEGISCHE SCHIFFE. EXPERTEN SAGEN, DASS ER WAHRSCHEINLICH VON RUSSLAND TRAINIERT WURDE." Zur Bestätigung dieser Geschichte fand Newsweek norwegische Marineexperten wie Martin Biuw vom Institut für Meeresforschung in Norwegen, der mit den Worten zitiert wird: "Wenn dieser Wal aus Russland kommt – und es gibt guten Grund, es zu glauben –, dann sind es nicht (zivile) russische Wissenschaftler, sondern die Kriegsmarine, die das getan hat." Denn das Geschirr, das der Wal trug, sei anscheinend für den Transport einer Kamera oder sogar von Waffen konfiguriert worden.
Audun Rikardsen, Professor am Institut für Arktis- und Meeresbiologie an der Arktischen Universität von Norwegen, stieß ins gleiche Horn und sprach von einem "umfassenden Programm" der russischen Kriegsmarine, die Meeressäuger ausbildet, um ausländische Schiffe im Rahmen von militärischen Operationen zu belästigen. In einer anscheinend konzertierten Operation berichteten auch europäische Medien hysterisch über den heimtückischen Umgang der tierquälenden Russen mit dem armen Wal.
Derweil zeigte sich der Belugawal "Hvaldimir" im Umgang mit Fischern und später mit anderen Menschen in einem Meeresforschungsbassin sehr zutraulich und harmlos. Nach einiger Zeit kam der norwegische Meeresforscher Sebastian Strand zu dem Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, dass "Hvaldimir" ein russischer Spion sei, gegen null ginge. Er vermutete vielmehr ein aus menschlicher Obhut entkommenes Tier. Für eine frühere Ausbildung des Wals durch das russische Militär gab es seither weder Beweise noch Indizien. Besonders schön an dieser Geschichte war dann auch noch die Meldung, dass sich der vermeintliche Geheimagent mit Flossen unter anderem damit die Zeit vertreibt, verlorene Mobiltelefone aus dem Wasser zurückzubringen.
2. Die große EU/NATO-Drohnenpanik von 2025 – und was daraus wurde
Im Herbst 2025 häuften sich in Dänemark, Norwegen, Deutschland, Belgien und anderen europäischen Staaten Meldungen über angebliche Drohnen über Flughäfen und militärischen Einrichtungen. Es gab nahezu keinen Flughafen, der etwas auf sich hielt, der nicht von russischen Drohnenangriffen berichtet hätte. Flughäfen wurden zeitweise geschlossen, Flüge umgeleitet und Sicherheitskräfte mobilisiert. Politiker sprachen von russischer hybrider Kriegsführung.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz gab seinen Senf dazu und erklärte Anfang Oktober 2025, Deutschland vermute Russland hinter den meisten dieser Drohnenflüge. Die Geräte dienten angeblich der Spionage und sollten die Bevölkerung im Westen verunsichern. Letzteres hat jedoch Merz mit seinen grundlosen Verdächtigungen selbst getan. Was ja auch der Sinn der Sache war.
Inzwischen gibt es eine Reihe von Untersuchungen dieser Vorfälle. Dazu veröffentlichte das "Center for Security Studies" der renommierten Technischen Hochschule "ETH Zürich" im Juli 2026 eine besonders interessante Auswertung von 61 Drohnensichtungen aus der zweiten Jahreshälfte 2025. Hier folgen die wichtigsten Einzelfälle:
Kopenhagen, 22. September 2025: Der Flughafen wurde wegen vermeintlicher Drohnen geschlossen. Nach neunmonatigen Ermittlungen erklärte die dänische Polizei am 25. Juni 2026, sie könne nicht einmal bestätigen, dass die beobachteten Flugobjekte Drohnen gewesen seien. Es wurden keine Verdächtigen identifiziert. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Allerdings bestätigte das dänische Militär separat tatsächliche Drohnenflüge über militärischen Einrichtungen.
Oslo, September 2025: Auch hier musste der Flughafen zeitweise schließen. Die norwegische Polizei stellte die Ermittlungen später ein, weil sie weder bestätigen noch ausschließen konnte, dass überhaupt Drohnen beobachtet worden waren.
München, Oktober 2025: Mehrere gemeldete Drohnensichtungen führten zu Flugunterbrechungen. Die Ermittler konnten zunächst keinen Verantwortlichen ermitteln; eine russische Beteiligung wurde nicht nachgewiesen.
Belgien, Herbst 2025: Der belgische Geheimdienst räumte in seinem Jahresbericht ein, dass zahlreiche vermeintliche Drohnen tatsächlich Flugzeuge oder Sterne gewesen seien. Ob die übrigen Fälle Teil einer russischen Kampagne waren, blieb Gegenstand von Ermittlungen, wobei auch einige Hobby-Piloten identifiziert wurden.
Besonders aufschlussreich ist die Entwicklung in Belgien. Verteidigungsminister Theo Francken hatte ein 50 Millionen Euro teures Drohnenabwehrprogramm vorangetrieben. Später kritisierte eine Untersuchung des flämischen Rundfunks VRT, die Bedrohung sei übertrieben und Russland ohne ausreichende Beweise beschuldigt worden.
Die ETH Zürich zog daraus eine bemerkenswerte Schlussfolgerung: Unzureichende Möglichkeiten zur Identifizierung von Flugobjekten und übertriebene Medienberichte hätten die öffentliche Wahrnehmung einer russischen Bedrohung verstärkt, die in dieser Größenordnung durch die verfügbaren Beweise nicht gedeckt gewesen sei.
3. Weitere Fälle, in denen Sabotagevorwürfe gegen Russland Schlagzeilen machten
Neben dem Spionagewal und den Drohnensichtungen gibt es zwei weitere Beispiele, bei denen sich anfängliche russische Sabotageverdächtigungen gegen Ostseekabel vom Januar 2025 später nicht bestätigten.
Der angebliche Sabotageakt
Nachdem ein Unterseekabel zwischen Schweden und Lettland beschädigt worden war, gerieten Schiffe in der Region unter Sabotageverdacht. Die schwedischen Ermittler stellten später fest, dass das Frachtschiff "Vezhen" das Kabel tatsächlich beschädigt hatte – allerdings versehentlich. Als Ursachen wurden Wetterbedingungen sowie Mängel bei Ausrüstung und Schiffsführung genannt. Die Staatsanwaltschaft erklärte ausdrücklich, es habe sich nicht um Sabotage gehandelt.
Im Zusammenhang mit Ermittlungen zu beschädigten Ostseekabeln wurde ebenfalls im Januar 2025 das norwegische Schiff "Silver Dania", dessen Besatzung vollständig aus Russen bestand, festgesetzt. Es wurde anschließend mangels belastender Erkenntnisse wieder freigegeben. Auch hier führte der Verdacht nicht zum Nachweis einer russischen Sabotageaktion.
GPS-Störungen über Finnland
Ein weiterer, anders gelagerter Fall sind die GPS-Störungen über Finnland. Sie waren tatsächlich messbar. Die finnische Polizei stellte jedoch Ermittlungen zu Vorfällen aus dem Jahr 2022 ein, weil die Verantwortlichen nicht identifiziert werden konnten. Daraus folgt nicht, dass Russland unbeteiligt war. In letzter Zeit haben finnische Behörden zahlreiche GPS-Störungen ausdrücklich russischen Aktivitäten zugeordnet.
Eine plausible Erklärung für die russischen "GPS-Aktivitäten" könnte sein, dass die Ukraine einen Teil ihrer Drohnenangriffe gegen Ziele in der russischen Region um St. Petersburg über baltisches Territorium und auch über die östliche Ostsee führt, die dort an finnisches Territorium angrenzt. Zur elektronischen Abwehr von Drohnen setzt Russland auch die Störung des GPS ein, wobei eine exakte Eingrenzung der Wirkung nicht möglich ist und das finnische Grenzgebiet durchaus betroffen war.
4. Was sich aus dem EU-/NATO-Drohnen-Hype von 2025 schließen lässt:
Laut der ETH-Studie wurden in nur drei von 61 Fällen russische Drohnenflüge bestätigt, je ein Fall in Polen, Rumänien und in Moldau. Die Abstürze russischer Drohnen auf das Territorium dieser Staaten, die durch ukrainische elektronische Störungen erfolgreich fehlgeleitet worden waren, wurden auch in anderen Medien gemeldet.
Die entscheidende Erkenntnis ist jedoch, dass eine große Diskrepanz besteht zwischen der von EU-/NATO-Regierungen propagierten Gewissheit über eine "umfassende russische Drohnen-Kampagne" gegen NATO-Territorium einerseits und dem unbedeutenden Umfang der tatsächlich nachgewiesenen Drohnen-Vorfälle. Für diese Feststellung liefert die ETH-Zürich-Untersuchung eine ungewöhnlich deutliche Grundlage.
Noch aufschlussreicher ist der Kopenhagener Fall: Ein internationaler Großflughafen wurde geschlossen, Regierungsvertreter diskutierten hybride russische Angriffe, und neun Monate später konnte die Polizei nicht einmal nachweisen, dass tatsächlich Drohnen geflogen waren.
Und nun sollte sich jeder Leser fragen: Hat sich seit 2025 etwas in der Haltung der EU-/NATO-Regierungen und Medien in Bezug auf unbewiesene Vorwürfe einer hybriden russischen Kriegsführung geändert? Ich kann nur erkennen, dass es "Dank Merz" noch schlimmer geworden ist und wir ein Stück näher an einen heißen Krieg mit Russland gerückt sind.
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