Von Hans-Ueli Läppli
Donald Trump will die US-amerikanischen Streitkräfte auf ihren Kernauftrag zurückführen. Disziplin, körperliche Eignung und Kampfbereitschaft sollen Vorrang vor gesellschaftspolitischen Modetrends haben.
Verteidigungsminister Pete Hegseth setzt Trumps Linie um, stößt damit jedoch auf Widerstand der Demokraten. Sie stellen sich gegen den Ausschluss transgeschlechtlicher Soldaten aus den Streitkräften. So stellen sich in der Marine und beim Marine Corps militärische Gremien teilweise gegen die Entlassung transgeschlechtlicher Soldaten. Damit wird die Transgender-Frage in den USA zunehmend zu einem politischen Machtkampf zwischen Trump und seinen demokratischen Gegnern.
Donald Trump will die US-Streitkräfte neu ausrichten. Körperliche Eignung, Disziplin und militärische Leistungsfähigkeit sollen wieder den Maßstab bilden. Am 27. Januar 2025 unterzeichnete er dazu die Executive Order "Prioritizing Military Excellence and Readiness", auf Deutsch etwa "Vorrang für militärische Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft". Die Verfügung richtet sich gegen Diversitätsprogramme und die Anerkennung geschlechtlicher Identitäten in den Streitkräften.
Verteidigungsminister Pete Hegseth setzt Trumps Kurs konsequent um. Bei einer Rede vor Marines im September stellte er unmissverständlich klar, worauf es in den US-Streitkräften ankommen soll: körperliche Fitness, eiserne Disziplin und die Fähigkeit, einen Krieg zu gewinnen. Die Armee sei kein Experimentierfeld für gesellschaftspolitische Ideologien, sondern müsse ihre Soldaten auf den Kampf vorbereiten.
Rund 4.250 transgeschlechtliche Menschen dienten nach den im Oktober veröffentlichten Schätzungen in den US-Streitkräften. Das entspricht etwa 0,1 Prozent des gesamten Personals. Trump und Hegseth halten den Ausschluss für vereinbar mit ihrem Anspruch, die militärische Einsatzbereitschaft zu stärken. Die Regierung verweist auf medizinische Anforderungen, körperliche Belastbarkeit und die besonderen Bedingungen militärischer Einsätze.
Eine Armee muss Soldaten auch dann einsetzen können, wenn medizinische Versorgung nicht jederzeit verfügbar ist. Wer unter extremen Bedingungen dient, muss die Anforderungen seines Dienstes erfüllen. Für die Regierung Trump stehen deshalb militärische Eignung und die Funktionsfähigkeit der Truppe über gesellschaftlichen Trends.
Die Geschlechtsidentität allein sagt noch nichts über die individuelle Leistung eines Soldaten aus. Gute Beurteilungen, Auszeichnungen und jahrelanger Dienst können für seine weitere Verwendung sprechen. Auf solche Kriterien stützen sich Gremien der Marine und des Marine Corps, die sich in mehreren Verfahren gegen eine Entlassung ausgesprochen haben.
Die New York Times, die Trumps Politik regelmäßig kritisch begleitet, berichtete, dass die Gremien der Marine und des Marine Corps in neun von zwölf untersuchten Verfahren für den Verbleib transgeschlechtlicher Soldaten stimmten. Der Bericht liefert damit Argumente für jene Demokraten, die Trumps Ausschlusspolitik als pauschalen Eingriff in die Laufbahnen einzelner Soldaten ablehnen. Doch in der Realität wurden die Entlassungsvorgaben in Armee und Luftwaffe deutlich konsequenter umgesetzt.
Die Anti-Trump-Medien spielen Trump in die Hände
Die Anti-Trump-Presse glaubt, mit der Transgender-Frage einen neuen Hebel gegen den Präsidenten gefunden zu haben. Doch sie könnte das Gegenteil erreichen. Trump verspricht, die US-Streitkräfte wieder auf ihre militärischen Kernaufgaben auszurichten.
Fitness, Disziplin und Kampfkraft sollen den Maßstab bilden. Indem seine Gegner den Streit über geschlechtliche Identität in den Vordergrund rücken, geben sie Trump die Möglichkeit, seine Politik als Abkehr von ideologischen Vorgaben und Rückbesinnung auf den militärischen Auftrag zu präsentieren.
Trumps Anspruch auf eine Neuausrichtung endet jedoch nicht bei den eigenen Streitkräften. Auch die US-amerikanischen Verpflichtungen gegenüber den Verbündeten stellt er infrage. Washington soll seine militärischen Ressourcen stärker an den eigenen Interessen ausrichten, während die europäischen NATO-Staaten mehr Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen. Aus Trumps Sicht kann es nicht sein, dass die USA den größten Teil der militärischen Lasten tragen und ihre Verbündeten den US-amerikanischen Schutz als selbstverständlich betrachten.
Der Iran-Krieg verschärfte den Streit mit den europäischen NATO-Partnern. Trump wirft ihnen vor, Washington im entscheidenden Moment nicht ausreichend unterstützt zu haben. Im März 2026 kritisierte er die Allianz öffentlich, weil zahlreiche Mitgliedstaaten eine direkte militärische Beteiligung am Krieg gegen Iran ablehnten.
Die USA hätten über Jahre enorme Summen für das Bündnis aufgebracht, erklärte er, während die Verbündeten nun nicht in gleicher Weise an der Seite Amerikas stünden. Ende März stellte er infrage, ob Washington seine europäischen Partner künftig noch im gleichen Umfang verteidigen sollte. Anfang April sagte Trump der britischen Zeitung The Telegraph, ein Austritt der USA aus der NATO sei für ihn mehr als nur eine Überlegung. Das Bündnis bezeichnete er als "Papiertiger".
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