Von Pjotr Akopow
Das Telefongespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, das US-Präsident Donald Trump als sehr erfolgreich bezeichnete, war bereits das sechste in diesem Jahr – zuletzt hatten die beiden erst vor einem Monat miteinander telefoniert. Insgesamt war das Gespräch vom 9. Oktober in den zwanzigeinhalb Monaten von Trumps zweiter Amtszeit bereits das 16. Ein inzwischen gewohnter und regelmäßiger Kontakt zwischen den beiden Staatschefs, könnte man meinen – wäre da nicht die völlig ungewöhnliche Reaktion von Wladimir Selenskij.
Dieser explodierte vor Wut und überschüttete die USA mit Vorwürfen. Was versetzte den Kiewer Machthaber derart in Rage? Der Grund liegt in einer kurzen Erklärung Putins, die auf der Website des Kremls veröffentlicht wurde und lediglich aus drei Absätzen besteht.
Im ersten wurden die Gesprächsthemen aufgezählt – die Aussichten auf eine Beilegung der Ukraine-Krise, die Lage rund um den Iran sowie verschiedene Aspekte der bilateralen Beziehungen. Im dritten ging es um die Bestätigung der Vereinbarung, die Kontakte sowohl zwischen den beiden Staatschefs als auch zwischen ihren Regierungen und Geheimdiensten fortzusetzen. Und genau dazwischen – in der Mitte der Erklärung – stand das, was nicht nur für Trump zum entscheidenden Punkt wurde.
"Bei der Erörterung der Lage auf dem globalen Energiemarkt bekräftigte die russische Seite ihre Bereitschaft, Öl und Erdölprodukte auf den US-amerikanischen und den Weltmarkt zu liefern. Ich bin überzeugt, dass sich dies positiv auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken wird."
Die Einzelheiten der Vereinbarung legte Donald Trump offen: In seiner Erklärung schilderte er ausführlich, wie viel Diesel Russland in den kommenden Monaten auf den Weltmarkt und den US-Markt liefern werde und wie infolgedessen (und natürlich dank "unserer vollständigen Kontrolle über die Straße von Hormus") die Dieselpreise für die Amerikaner rasch auf ein Rekordtief sinken würden. Andere Gesprächsthemen erwähnte Trump überhaupt nicht (er wiederholte lediglich sein Mantra, dass "der Iran keine Atomwaffen besitzen wird"), denn bis zu den US-Zwischenwahlen bleibt weniger als ein Monat, und für ihn ist es wichtig, den Amerikanern zu zeigen, wie sehr er sich um die Senkung der Dieselpreise bemüht. Dafür habe er sogar Russland hinzugezogen – und die Sanktionen gegen Lieferungen russischen Diesels für ein halbes Jahr ausgesetzt! Denn die Senkung der Preise für die Amerikaner sei seine "oberste Priorität".
Trump sagte bereits mehrfach, der Grund für den Anstieg der Dieselpreise sei nicht die Lage rund um die Straße von Hormus, sondern die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien – womit er Wladimir Selenskij faktisch zum Sündenbock machte. Die Aufhebung der Sanktionen ist für unser Land natürlich von Vorteil: Die beschädigten Raffinerien werden wieder instandgesetzt, und der Export von Dieselkraftstoff wird wieder aufgenommen. Doch wenn man glaubt, Russland habe Trump damit erneut in die Hände gespielt, sollte man sich die Äußerungen von Wladimir Selenskij anhören. Unmittelbar nach der Erklärung des US-Präsidenten griff er diesen derart scharf an, dass seine Reaktion, wenn schon keine Panik, so doch ein extremes Maß an Verzweiflung erkennen lässt.
"Frieden durch Schwäche gibt es nie", erklärte Selenskij und fügte hinzu: "Um den Krieg zu beenden, muss Russland wegen dieses Krieges unter Druck gesetzt werden" – also durch Sanktionen. Das Gespräch zwischen Trump und Putin hingegen "führt zu etwas anderem":
"Jede Lockerung der Sanktionen gegen Russland ohne eine klare und langfristige Vereinbarung mit Moskau über eine Deeskalation ist eine offensichtliche Schwäche. Sie spielt Russland in die Hände und führt dazu, dass es noch mehr tötet, noch länger Krieg führt, den Vereinigten Staaten noch weniger Respekt entgegenbringt und der Welt noch größere Verluste und Schäden zufügt. Geschenke an Putin werden weder zum Frieden noch zu irgendeinem Nutzen für die zivilisierte Welt führen. Russland wird sich für den Diesel mit weiterem Terror und Niederträchtigkeiten 'bedanken'."
Mehr noch: Selenskij bezeichnete die von den Amerikanern erteilte Genehmigung für den Verkauf von Erdölprodukten durch Russland als "Investition in den Krieg". Heißt das, er warf Trump vor, Russland zu finanzieren? Ja. Außerdem ist er verärgert darüber, dass das ukrainische Verhandlungsteam (das gerade in den USA Verhandlungen mit Steve Witkoff und Jared Kushner aufnehmen soll) "als Kulisse benutzt wird". Kurz gesagt: "Das ist unfair, nicht partnerschaftlich" und eine "schwache Entscheidung starker Partner".
Das heißt also, Trump begreife den Ernst der Lage nicht – man müsse Druck auf Russland ausüben, anstatt an die eigenen Wahlen zu denken. Schließlich sei "Russland in diesem Jahr an der Front schwächer als zu jedem anderen Zeitpunkt des Krieges" – davon versucht eine Person, deren Hauptstadt buchstäblich erst gestern kurz vor einem Blackout stand, den US-Präsidenten in aller Ernsthaftigkeit zu überzeugen.
Ist Selenskij nicht ganz bei Verstand? Nein. Er hat schlicht große Angst davor, dass Trump sich mit Putin nicht nur auf eine vorübergehende Aufhebung der Sanktionen gegen russische Erdölprodukte einigen könnte, sondern von Selenskij selbst verlangen würde, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Kiew lehnte dies jedoch faktisch bereits ab, solange die russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur nicht eingestellt werden. Damit erteilte Selenskij Trump im Vorfeld so wichtiger Wahlen eine Absage. So etwas wird der US-Präsident nicht vergessen – auch wenn Selenskij selbst nicht mehr allzu viel Zeit bleibt.
Denn die ukrainische Energieversorgung und die Wirtschaft befinden sich in einer Abwärtsspirale – und werden irgendwann einfach zusammenbrechen. Und mit ihnen wird auch der Staat zusammenbrechen. Unabhängig davon, wie die US-Zwischenwahlen in einem Monat ausgehen, und selbst unabhängig davon, ob neue Sanktionen gegen Russland verhängt oder einige der bestehenden ausgesetzt werden. Alles ist bereits wohlüberlegt und entschieden – nicht durch eine geheime Absprache zwischen Trump und Putin (wie Selenskij befürchtet), sondern durch den Lauf der Geschichte selbst – der russischen Geschichte, deren untrennbarer Bestandteil die Ukraine stets war, ist und bleiben wird.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 10. Oktober 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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