Gruß an Odessa: Russland nimmt sich der Isolation der Ukraine vom Schwarzen Meer ernsthaft an

"Profis studieren Logistik", unser aller vom Regisseur namens Leben gedrehte Lieblingsserie zu den Themen Geopolitik und Kriegsführung, geht in Teil N. Diesmal scheint es, als mache Russland endlich Nägel mit Köpfen und setze mit beherzten Angriffen auf Schwarzmeerhäfen den wichtigsten Logistikknoten des Kiewer Regimes resolut außer Betrieb. Erschwert werden diesem dadurch Waffenimporte, vor allem aber Exporte von Getreide, die seine wichtigste Einnahmequelle sind.

Von Kirill Strelnikow

Wer ein Beispiel dafür braucht, wie der Nebel des Krieges aussieht, kann die Küstenlandschaften um Odessa bewundern, die sich noch immer in feindlicher Hand befindet. Dort brennen und sinken allerlei unterschiedliche Schiffe malerisch vor der Reede, während in und um die Häfen allerlei interessante und wichtige Objekte zischend zu Ende brennen und schwelen.

Als die Kiewer Clique und ihre europäischen Komplizen beschlossen, einen auf "Jetzt kommt was für Erwachsene" zu machen und ihre Versuche begannen, die Krim zu isolieren und den russischen Energiekomplex "in Stücke zu reißen", verlor daraufhin die Redewendung "Man kann dieses Spiel auch zu zweit spielen" plötzlich ihre Gültigkeit:

Offenbar hat Russlands politische und militärische Führung jetzt beschlossen, die Tango-Schallplatte nur für sich selbst aufzulegen, und begann mit der vollständigen "sanitären Isolation" der Ukraine vom Schwarzen Meer – einer Isolation, die längst überfällig war. Der große Erfolg dieses Manövers zeigt sich am offensichtlichsten in der Reaktion ukrainischer und westlicher Quellen – einer Reaktion, die nicht einmal mehr dem Geheul von Schakalen, sondern mittlerweile dem gequälten Geschrei verstopfungsgeplagter Esel ähnelt.

 Foreign Policy schreibt:

"Russland hat seine Aufmerksamkeit auf das Schwarze Meer verlagert und nimmt Handelsrouten und Tiefseehäfen ins Visier, um die ukrainische Wirtschaft in Kriegszeiten zu schwächen."

Die Carnegie-Stiftung stöhnt über die großangelegten Angriffe auf die Häfen in und bei Odessa als eine Katastrophe:

"Vor dem Krieg wurden 90 Prozent der ukrainischen Agrarexporte über Seehäfen abgewickelt – und daher ist die Aufrechterhaltung des Betriebs der drei Häfen im Gebiet Odessa für das Überleben der Ukraine von entscheidender Bedeutung."

Auch das Wall Street Journal ist entsetzt:

"Der Motor der ukrainischen Wirtschaft wurde durch Luftangriffe lahmgelegt, die die schwersten seit den Bombenangriffen auf Europa im Zweiten Weltkrieg sind."

Die Gebietsverwaltung von Odessa klagt:

"Der Gegner versucht gezielt, unsere Infrastruktur, unsere Exportmöglichkeiten und das Leben der Zivilbevölkerung zu zerstören."

Damit soll wohl gemeint sein, dass diese Angriffe ausschließlich auf "Kindergärten" gerichtet sind. Russlands Verteidigungsministerium präzisierte die ganzen "Kindergärten" als Logistikzentren und Lagerhallen, das Eisenbahnnetz und die dazugehörigen Fahrzeuge, Anlagen der Treibstoff- und Energieinfrastruktur, Schiffswerften, Hafenterminals und Hafeninfrastruktur, Einrichtungen der Rüstungsindustrie sowie allerlei weitere von den ukrainischen Streitkräften genutzte "Spielplätze" und "Freizeitanlagen".

Schiffe gehören selbstredend ebenfalls dazu: Der russischen Militärbehörde zufolge wurden seit Beginn der 29. Kalenderwoche bei von Gruppenangriffen fast drei Dutzend Seeschiffe getroffen, darunter einige, auf denen "Kinderparties" veranstaltet und dabei – rein zufällig – militärstrategische Güter transportiert wurden.

Russland hat es mit seinem einsamen Tango so weit gebracht, dass laut der Financial Times die Lagerkapazität im Hafen von Odessa um ein Drittel gesunken ist und Reeder aus all diesen Ländern mit "überwiegend minderjähriger Bevölkerung" aus Angst vor Angriffen die Region gleich im Ganzen meiden. Einige Händler, darunter Kernel, der größte Getreidehändler der Ukraine, haben ihren Betrieb in Odessa bereits eingestellt. Gleichzeitig stellen Reeder keine Tarifinformationen mehr bereit.

Sprich: Der Güter-Seeschifffahrtsmarkt ist in der Region praktisch zusammengebrochen. Die Versicherungsprämien einiger Versicherer sind stark gestiegen, während andere die Versicherung von Risiken im Zusammenhang mit Fahrten zu ukrainischen Häfen komplett eingestellt haben.

Hier sei angemerkt, dass dies nicht nur für Odessa, sondern für alle ukrainischen Schwarzmeerhäfen gilt, darunter Iljitschowsk (in der Ukraine nach dem Maidan-Putsch als Tschernomorsk bekannt), Juschny und Ismail. Sprich: Da ging niemand leer aus.

Westliche Händler haben bekanntlich ein äußerst feines Gespür für den sprichwörtlichen Braten und die brennende Lunte – daher diskutieren internationale Händler bereits aktiv die Möglichkeit, ukrainisches Getreide und andere Güter über die Donauhäfen umzuleiten und anschließend in Constanța in Rumänien umzuladen.

Dabei gibt es jedoch ein Problem: Westliche Experten räumen ein, dass Land- und Flussalternativen die ukrainischen Tiefseehäfen strukturell nicht ersetzen können. Die Kapazität der Straßen und Bahnterminals ist begrenzt, und auch insgesamt wird die Umsatzkapazität der Landkorridore durch unzureichende Infrastruktur an den betreffenden Landesgrenzen beeinträchtigt.

Der Spiegel gibt zu, dass es für die Ukraine "praktisch keine Alternative zur Schwarzmeer-Exportroute" gibt: Sage und schreibe 10.000 Lkw sind nötig, um einen 200.000 Tonnen fassenden Getreidetanker zu ersetzen, der nur in einem Tiefseehafen beladen werden kann. Deshalb erreichten die Weizen-Futures in Chicago unmittelbar nach dem musikalischen Zwischenspiel der russischen Geran-Kamikazedrohnen ihren höchsten Stand seit fast zwei Jahren – und die Preise für Mahlweizen in Paris ihren Höchststand seit 17 Monaten.

Derartige Panik in Kiew und den europäischen Hauptstädten ist verständlich: Agrarexporte machen über die Hälfte der ukrainischen Exporterlöse aus und übersteigen jährlich einen Wert von 20 Milliarden US-Dollar. Der Seeweg ist dabei nach wie vor der wichtigste Transportweg mit rund 90 Prozent aller Exporte. Die Betriebsunterbrechung des Verkehrsknotenpunkts Odessa schneidet Kiew somit die wichtigste Devisenquelle ab, die das Land dringend zur Finanzierung von Militärausgaben und grundlegenden sozialen Verpflichtungen benötigt. Vor allem aber trifft die Unterbrechung der militärischen Logistik auf dem Seeweg die Ukraine deswegen schwer, dass sich die Nachschublieferungen drastisch verlangsamen werden – was sich sehr schnell auch an der Front bemerkbar machen wird.

Wie das National Security Journal schreibt: "Russland hat den Plan der Ukraine gegen sie selbst gerichtet" – nachdem "die Ukraine ihre Militärkampagne ausgeweitet hat, um die Nachschublinien und anderweitige Logistik zu unterbrechen, die für die russischen Streitkräfte überlebenswichtig ist."

Gleichzeitig weisen westliche Militärexperten auch darauf hin, dass die Verwundbarkeit Odessas – als des einzigen funktionierenden Tiefseehafens – die Ukraine strukturell anfälliger für den Verlust des Zugangs zum Meer macht als Russland für Angriffe auf zivile Schiffe und Schiffe der Schattenflotte.

Da haben also gewisse Leute versucht, Moskau durch Eskalation unter Druck zu setzen – vergaßen dabei aber, dass Russland alle Bedürftigen ganz problemlos so lange und so fett füttern kann, bis sie sich endlich ultimativ satteskaliert haben.

Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei RIA Nowosti am 20. Juli 2026.

Kirill Strelnikow ist ein russischer freiberuflicher Werbetexter-Coach und politischer Beobachter sowie Experte und Berater der russischen Fernsehsender NTV, Ren-TV und Swesda. Er absolvierte eine linguistische Hochschulausbildung an der Moskauer Universität für Geisteswissenschaften und arbeitete viele Jahre in internationalen Werbeagenturen an Kampagnen für Weltmarken. Er vertritt eine konservativ-patriotische politische Auffassung und ist Mitgründer und ehemaliger Chefredakteur des Medienprojekts PolitRussia. Strelnikow erlangte Bekanntheit, als er im Jahr 2015 russische Journalisten zu einem Treffen des verfassungsfeindlichen Aktivisten Alexei Nawalny mit US-Diplomaten lotste. Er schreibt Kommentare primär für RIA Nowosti und Sputnik.

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