Rund 60.000 Tonnen russischer Mineraldünger, die für bedürftige Länder Afrikas bestimmt sind, sitzen wegen der antirussischen Sanktionen weiterhin in europäischen Häfen fest. Dies erklärte Anna Jewstignejewa, stellvertretende Ständige Vertreterin Russlands bei den Vereinten Nationen, gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.
Ursprünglich waren nach Einführung der Sanktionen rund 262.000 Tonnen russischer Mineraldünger in den Häfen Lettlands, Estlands, Belgiens und der Niederlande blockiert worden. Russland hatte bereits 2022 angeboten, die Düngemittel bedürftigen Staaten kostenlos zu überlassen, insbesondere afrikanischen Ländern. Ihre Lieferung werde weiterhin behindert, so Jewstignejewa.
Mehr als 200.000 Tonnen bereits geliefert
Trotz der Hindernisse ist es Russland seit Einführung der Sanktionen gelungen, mehr als 200.000 Tonnen Düngemittel nach Malawi, Kenia, Nigeria, Simbabwe, Sri Lanka und Bangladesch zu liefern.
Jede dieser Lieferungen stellte jedoch eine eigene Herausforderung dar. Die russische Seite musste zahlreiche bürokratische und finanzielle Hürden überwinden. Dazu gehörten die Zahlung von Steuern, die Lagerkosten für die blockierten Düngemittel, die Schiffscharter, der Umschlag und weitere logistische Dienstleistungen. Selbst die Abwicklung der Zahlungen wurde durch die Sanktionen erschwert.
Jewstignejewa kritisierte zudem, dass die Blockierung russischer Düngemittel andauere, während europäische Vertreter gleichzeitig vor Gefahren für die globale Ernährungssicherheit warnten und Russland für die Situation verantwortlich machten.
Russland will Agrarlieferungen nach Afrika ausbauen
Ungeachtet dieser Hindernisse setzt Russland auf den Ausbau seiner Wirtschaftsbeziehungen mit dem afrikanischen Kontinent. Moskau strebt an, den jährlichen Handelsumsatz mit Afrika auf 50 Milliarden US-Dollar zu steigern. Die Perspektiven einer solchen Entwicklung wurden auf dem Dritten Russland-Afrika-Gipfel erörtert, der am 29. Oktober in Moskau zu Ende ging.
Auf der Plenarsitzung des Wirtschafts- und Humanitären Forums "Russland-Afrika" am 28. Oktober erklärte Präsident Wladimir Putin, dass Russland seit Jahresbeginn 13 Millionen Tonnen Agrarprodukte nach Afrika geliefert habe.
Das russische Außenministerium betonte zudem, dass Moskau bereit sei, die in bestehenden Verträgen vorgesehenen Getreidemengen vollständig an afrikanische Länder zu liefern. Dafür könnten alternative Transportrouten genutzt werden.
Russische Unternehmen interessieren sich für Produktionsstandorte in Afrika
Neben dem Ausbau des Handels gewinnt auch die industrielle Zusammenarbeit an Bedeutung. Putin zufolge sind einige russische Unternehmen daran interessiert, angesichts der verhängten Sanktionen Teile ihrer Produktion auf den afrikanischen Kontinent zu verlagern.
Darüber hinaus wollen russische Unternehmen neue Märkte erschließen, Produktionsstätten in Afrika aufbauen und Technologien transferieren. Gemeinsame Interessen bestehen insbesondere in den Bereichen Investitionen, Infrastruktur, Landwirtschaft, Energie, Bildung und Marktzugang. Die Umsetzung solcher Vorhaben wird allerdings unter anderem durch die internationale Instabilität erschwert.
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