FT: Ukraine will Zollkontrollen auf EU-Gebiet verlagern – Angst vor russischen Angriffen

Die Ukraine will Zollkontrollen für Getreide-Lkw nicht mehr an der Grenze, sondern in benachbarten EU-Staaten durchführen, um die Fahrzeuge angeblich vor russischen Drohnenangriffen zu schützen. Mit Moldau bestehen bereits gemeinsame Kontrollpunkte, nun sollen Abkommen mit Polen und der Slowakei folgen.

Die Ukraine verhandelt mit den EU-Mitgliedern Polen und Slowakei darüber, die Zollkontrollen für Lkw mit Getreideexporten von der Grenze auf das Gebiet dieser Länder zu verlagern. Das berichtete die britische Zeitung Financial Times (FT) unter Berufung auf informierte Kreise. Grund dafür sei, dass die Ukraine die Fahrzeuge vor Angriffen russischer Drohnen schützen wolle.

Nach Angaben des Vertreters des ukrainischen Außenministeriums, Georgi Tichi, hat das Land bereits gemeinsame Grenzübergänge mit Moldau eingerichtet und will dieses Modell auch mit anderen Nachbarländern umsetzen. Tichi erklärte, die Maßnahmen spiegelten die veränderte Sicherheitslage wider, da Russland ihm zufolge gezielt versuche, die Grenzen anzugreifen sowie Logistik, Transport und den Warenverkehr über die Grenze zu stören. Er fügte hinzu, dass Kiew so schnell wie möglich eine Vereinbarung mit Polen erreichen wolle.

FT berichtet weiter, seit August habe die Ukraine mehrere Angriffe auf Grenzübergänge an den Grenzen zu Rumänien, Moldau und Polen registriert. Die Zunahme der Drohnenangriffe habe auf beiden Seiten der Grenze zu langen Lkw-Schlangen geführt. Nach Angaben des ukrainischen Zolls hätten am Mittwoch an einem Grenzübergang im Gebiet Wolhynien mehr als 1200 Lkw auf die Einreise in die Ukraine gewartet.

Wie FT schreibt, musste die Ukraine wegen der Situation in der Schwarzmeerregion einen bedeutenden Teil ihrer Agrarexporte auf Straße, Fluss und Schiene über das Gebiet der EU umlenken, nachdem Russlands Drohnenangriffe die seit langem bestehende Seeroute über das Schwarze Meer praktisch unpassierbar gemacht hätten.

Nach Angaben des ukrainischen Ministers für Agrarpolitik, Taras Wyssozki, hätten die Drohnenangriffe auf die größten Seehäfen der Ukraine und auf Schiffe in der Region die Agrarexporte des Landes um etwa die Hälfte verringert. Im September habe die Ukraine laut Wyssozki 2,4 Millionen Tonnen Agrarerzeugnisse exportiert, was nur 46 Prozent des möglichen Volumens entspreche. Der Minister erklärte, genau deshalb sei es für die Ukraine von entscheidender Bedeutung, alternative Routen aufrechtzuerhalten und auszubauen.

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