Mitte Januar erklärte Armeniens Ministerpräsident, sein Land wolle "definitiv und eindeutig" der Europäischen Union beitreten, müsse dafür aber die Standards der Gemeinschaft erfüllen.
Jerewan sei sich dabei bewusst, so Paschinjan, dass Armenien nicht gleichzeitig EU-Mitglied und Teil der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) sein könne. Armenien werde so lange Mitglied der EAWU bleiben, bis die "Frage der Unvereinbarkeit" aufkommen würde.
Nun haben die Experten des Eurasischen Zwischenstaatlichen Rates einen Bericht erstellt, in dem sie über die möglichen Folgen eines Austritts Armeniens skizziert haben. Dies ist einer Mitteilung der Zeitung Kommersant zu entnehmen.
An dem Bericht haben Vertreter aus Russland, Weißrussland, Kasachstan und Kirgisistan gearbeitet. Ihrer Einschätzung nach können die Gasimporte aus den EAWU-Mitgliedsstaaten für Armenien um 69 Prozent teurer werden.
Wie es heißt, gelte aktuell für Armenien ein Basispreis von 177,5 US-Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas. Im Jahr 2025 habe der durchschnittliche Marktpreis an der europäischen Börse TTF bei 422 US-Dollar pro 1.000 Kubikmeter gelegen.
Der tatsächliche Vertragspreis für das gelieferte Gas könne unter Berücksichtigung der Lage auf dem Weltgasmarkt höher ausfallen, meinen die Experten der EAWU. So würde der Preis für Gaslieferungen an Armenien um 268,5 Millionen US-Dollar beziehungweise um 69 Prozent steigen.
Experten zufolge werde dies mit einem Anstieg der Erzeugerpreise und Haushaltsausgaben einhergehen und sich mittel- bis langfristig negativ auf die Inflationsrate sowie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auswirken.
Die EAWU ist ein von Russland mitgeprägter Wirtschaftsverbund, dem neben Armenien auch Weißrussland, Kasachstan und Kirgisistan angehören. Armeniens mögliche Annäherung an die EU wird daher sowohl in Moskau als auch in Jerewan als strategisch bedeutende Weichenstellung betrachtet.
Russland Präsident Wladimir Putin hat Jerewan dazu aufgerufen, so bald wie möglich ein Referendum über die Mitgliedschaft des Landes in der EU oder der EAWU abzuhalten.
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