Eine für Sonntag, dem 18. Oktober 2026 angesetzte Auktion sorgte in den vergangenen Tagen bei der israelischen Regierung und in der israelischen Medienlandschaft für Empörung. Das Osloer Online-Auktionshaus "Valkyrie Historical Auctions" ist nach eigenen Angaben ein Spezialist für Artefakte aus dem Zweiten Weltkrieg und die Holocaust-Ära und hat sich zum Ziel gesetzt, Sammlern und Museen weltweit authentische historische Objekte anzubieten.
Im Angebot der jüngsten Auktion war auch ein Stück einer Thorarolle, die während des Holocausts von der SS geplündert und dann als Paketverpackung missbraucht worden war. Die Feldpostnummer auf dem Pergament ist noch gut zu erkennen. Das Fragment des den Juden heiligen Schriftstücks stammte ursprünglich aus einer polnischen Synagoge – woher genau, war nicht zu eruieren. Auch jüdische Gebetsriemen waren im Angebot.
Der geplante Handel mit dem Überrest einer von den Nationalsozialisten geplünderten Thorarolle rief das israelische Außenministerium auf den Plan. In einem Beitrag auf der Social-Media-Plattform X schrieb es:
"Eine Nazi-Veranstaltung in Oslo. Heute in Oslo wird erwartet, dass das Auktionshaus 'Valkyrie Historical Auctions' eine Auktion eines Fragments einer Thorarolle abhält, das von deutschen SS-Soldaten während des Holocausts geplündert wurde. Es handelt sich um ein Pergamentblatt aus einer Thorarolle, das von der SS geschändet, geplündert und beschädigt und sogar von SS-Soldaten als Einwickelpapier verwendet wurde."
Im Anschluss daran erhob das israelische Außenministerium die Forderung an die norwegische Regierung, "dieser moralischen Obszönität unverzüglich ein Ende" zu setzen. Gideon Taylor, Präsident der World Jewish Restitution Organization (WJRO) forderte eine sofortige Rückgabe des Thora-Fragments an das jüdische Volk.
Unklar bleibt, ob die Auktion des Holocaust-Relikts wirklich stattgefunden hat. Die israelische Botschaft in Norwegen erklärte gestern auf ihrem X-Konto, die Versteigerung habe stattgefunden. Durch den Handel werde eine heilige Schrift zu einer Ware degradiert, statt mit Würde und Respekt behandelt zu werden. Der hebräischsprachigen Tageszeitung Maariv zufolge wurde das Thora-Fragment für 8.500 US-Dollar ersteigert.
Dagegen weiß die norwegische evangelikal-christliche Onlinezeitung Verdinytt zu berichten, dass der Verkauf nicht stattgefunden hat. Demnach hat ein Mitarbeiter von "Valkyrie Historical Auctions" Verdinytt mitgeteilt, das Angebot sei zehn Minuten vor Auktionsbeginn zurückgezogen worden. Das Auktionshaus plane, das Thora-Fragment der US-amerikanischen gemeinnützigen Organisation "RUTH Remember Us The Holocaust" zu spenden.
Der Handel mit den materiellen Hinterlassenschaften und letzten Lebenszeugnissen von NS-Opfern, aber auch von NS-Tätern ist hochumstritten. Im November 2025 wollte ein Auktionshaus im nordrhein-westfälischen Neuss eine Auktion von hunderten NS- und KZ-Devotionalien starten. Nach einem öffentlichen Aufschrei verzichtete das Unternehmen auf die Versteigerung. Dennoch will die deutsche Politik einen ähnlichen Skandal in Zukunft verhindern. Seit Mai 2026 liegt deshalb im Bundesrat ein Gesetzesvorhaben vor, das den Handel mit NS-Opfer-Relikten stark reglementiert.
Andererseits kommen durch Auktionshäuser und Militaria-Händler manchmal erst wichtige Zeugnisse und Beweismittel für NS-Verbrechen ans Licht der Öffentlichkeit. Das zeigen die im Frühjahr 2026 entdeckten Bilder vom Massaker von Kaisariani. Ohne die Möglichkeit des Verkaufs hätten wohl weniger Erben ein Interesse daran, die Bilder von Kriegserlebnissen und auch Untaten ihrer Vorfahren der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Fällt diese Option künftig weitgehend weg, könnten solche Bilder wie von der Massenerschießung in einem Athener Vorort 1944 in der Papiertonne oder im Ofen landen.
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