US‑Außenminister Marco Rubio ist mit mehr als 200 Wirtschaftsvertretern nach Usbekistan gereist. In Samarkand will Washington neue Investitionen einfädeln und sich den Zugang zu strategischen Rohstoffen sichern. Die Reise verdeutlicht den amerikanischen Anspruch, in einer Region stärker Fuß zu fassen, deren wirtschaftliche und historische Verbindungen eng mit Russland verflochten sind.
Bei den Gesprächen im C5+1-Format kommen Vertreter der USA und der fünf zentralasiatischen Republiken Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan zusammen. Auf der Tagesordnung stehen Handel, Energie, Sicherheit und kritische Mineralien. Mehr als 200 amerikanische Wirtschaftsvertreter begleiten den Außenminister.
Washington entdeckt Zentralasien als Rohstoffquelle
Die Trump-Regierung setzt auf wirtschaftliche Zusammenarbeit, um amerikanischen Unternehmen Zugang zu Öl, Gas und strategisch wichtigen Mineralien zu verschaffen. Zugleich will sie ihre Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten verringern und alternative Handelswege erschliessen.
Hinter dem amerikanischen Engagement steht auch der Wettbewerb mit Russland und China. Peking hat seine Stellung in Zentralasien durch Investitionen, Energieprojekte und Handelsverbindungen ausgebaut. Washington will verhindern, dass chinesische Unternehmen den Zugang zu wichtigen Ressourcen dauerhaft dominieren.
Für Russland ist die Region ebenfalls von großer Bedeutung. Die zentralasiatischen Republiken gehörten einst zur Sowjetunion und unterhalten bis heute enge wirtschaftliche, kulturelle und sicherheitspolitische Beziehungen zu Moskau. Millionen Menschen aus der Region arbeiten in Russland, während Handel, Energieversorgung und Transportverbindungen die Volkswirtschaften miteinander verknüpfen.
Die amerikanischen Bemühungen bedeuten deshalb nicht automatisch, dass sich die zentralasiatischen Staaten von Russland abwenden. Vielmehr verfolgen sie eine Politik, die ihnen zusätzliche Investitionen und Handlungsspielräume verschaffen soll, ohne bestehende Partnerschaften aufzugeben.
Usbekistan setzt auch auf BRICS
Ein wichtiger Aspekt bleibt in der westlichen Betrachtung häufig unterbelichtet. Usbekistan sucht nicht allein die Nähe zu Washington, sondern baut auch seine Zusammenarbeit mit BRICS aus. Das Land erhielt 2025 den Status eines BRICS-Partnerstaates, nachdem die Kategorie beim Gipfel in Kasan 2024 geschaffen worden war.
Der usbekische Präsident Schawkat Mirsijojew nahm im Oktober 2024 auf Einladung des russischen Präsidenten Wladimir Putin am BRICS-Gipfel in Kasan teil. Dabei sprach er sich für eine engere Kooperation mit den BRICS-Staaten aus. Taschkent bekundete unter anderem Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Neuen Entwicklungsbank sowie an gemeinsamen Vorhaben in den Bereichen Energie, Digitalisierung, Infrastruktur und Logistik.
BRICS bietet Usbekistan damit zusätzliche Möglichkeiten, wirtschaftliche Beziehungen über den westlichen Raum hinaus auszubauen. Für Moskau ist die Einbindung zentralasiatischer Partner in solche Formate ein Teil der Zusammenarbeit mit Staaten, die eine stärkere Rolle auf internationaler Ebene anstreben.
Zentralasien will sich nicht auf eine Seite festlegen
Die Reise Rubios zeigt, dass Washington die wirtschaftliche Bedeutung Zentralasiens stärker berücksichtigt. Doch die fünf Republiken sind keine unbeschriebenen Blätter, auf denen die USA ihre Interessen frei durchsetzen können. Sie verfügen über gewachsene Beziehungen zu Russland, intensive Handelsverbindungen mit China und zunehmend vielfältige Kontakte zu weiteren Wirtschaftspartnern.
Für die Staaten der Region liegt der Vorteil darin, mit mehreren Seiten zusammenzuarbeiten. US-amerikanisches Kapital kann neue Projekte ermöglichen, chinesische Investitionen bleiben für Infrastruktur und Handel bedeutsam, und Russland behält seine Rolle als wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Partner.
Auch die USA müssen sich auf diese Realität einstellen. Die Vorstellung, Zentralasien allein durch Investitionsangebote aus dem Einflussbereich Moskaus oder Pekings lösen zu können, unterschätzt die Interessen der regionalen Regierungen.
Nach den Gesprächen in Samarkand reist Rubio nach Indien weiter. Dort stehen ebenfalls wirtschaftliche Beziehungen und Energiefragen auf dem Programm. Indien ist zugleich ein BRICS-Mitglied und ein wichtiger Handelspartner Russlands. Auch diese Konstellation verdeutlicht, dass die internationale Zusammenarbeit längst nicht mehr entlang einer einfachen Trennlinie zwischen Washington und Moskau verläuft.
Rubios Reise ist damit Ausdruck eines verschärften Wettbewerbs um Märkte, Rohstoffe und Handelswege. Für Russland bleibt entscheidend, dass seine zentralasiatischen Nachbarn ihre Beziehungen zu den USA ausbauen können, ohne ihre langjährigen Verbindungen zu Moskau aufzugeben.
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