Starlink-Ausfall in Ukraine – London überprüft mögliche Vergabe von Militärsatellitenauftrag an USA

Der US-Rüstungsriese Lockheed Martin gilt als Spitzenkandidat für den Bau britischer Militärsatelliten des Typs Skynet, schreibt "The Telegraph". Angesichts der jüngsten Entscheidung der US-Seite, die Starlink-Dienste für die ukrainische Armee zu drosseln, befürchte man in London, dass Washington im Krisenfall auch das Skynet-System einfach abschalten könnte.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Einschränkungen beim Betrieb von Starlink in der Ukraine habe die britische Regierung beschlossen, die Pläne des Verteidigungsministeriums zur Vergabe eines Auftrags zum Bau von Satelliten an den US-Rüstungskonzern Lockheed Martin zu überprüfen. Dies berichtete The Telegraph unter Berufung auf Quellen. Das potenzielle Geschäft im Wert von zwei Milliarden Pfund sehe die Beschaffung einer neuen Generation von Satelliten des Skynet-Systems bei dem US-Konzern vor.

Die Zeitung merkte an, dass das Skynet-System "ein Eckpfeiler des britischen Militärs" sei. Diese Technologie ermögliche es den britischen Streitkräften, selbst in Konfliktsituationen weltweit sicher zu kommunizieren und Informationen auszutauschen.

Nach Berichten über Störungen bei Starlink in der Ukraine befürchte man nun in London, dass der Einsatz der US-Technologien es den USA ermöglichen könnte, bei politischen Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und London den Betrieb der britischen militärischen Satellitenkommunikation zu beinflussen. 

Vertreter der oppositionellen Konservativen Partei sprachen sich gegen das mögliche Geschäft aus. Der Schatten-Verteidigungsminister James Cartlidge forderte am Mittwoch von der Labour-Partei verbindliche Garantien dafür, dass London die vollständige Kontrolle über das Skynet-System behalte.

"Angesichts von Berichten, wonach Elon Musk den Zugang der Ukraine zu Starlink eingeschränkt hat, muss zudem sichergestellt sein, dass das Vereinigte Königreich die volle Souveränität über die militärische Kontrolle einer solchen Fähigkeit behält", sagte der Politiker.

Eine Quelle aus dem Verteidigungssektor erklärte gegenüber The Telegraph, dass die mögliche Vergabe des Skynet-Auftrags an Lockheed Martin das Risiko berge, dass das Weiße Haus im Falle von Krisensituationen das Satellitensystem einfach zwangsabschalten könnte. Als Beispiel für eine solche Krisensituation in der Zukunft nannte er einen möglichen Konflikt um die Falklandinseln.

"Es ist nicht schwer, sich eine Situation vorzustellen, in der es zu einer Konfrontation um die Falklandinseln kommt – wir müssten Skynet nutzen, doch die Amerikaner sagen Nein", warnte er.

Frühere Generationen der Skynet-Satelliten stünden vollständig britischer Kontrolle unter, weil sie in der Stadt Stevenage (Grafschaft Hertfordshire) im Werk von Airbus UK hergestellt worden seien, betonte das Blatt. 

In dem Beitrag wird weiter angemerkt, dass Lockheed Martin US-amerikanische Komponenten und Technologien einzusetzen plane. Diese könnten unter US-Exportbeschränkungen – die Internationalen Vorschriften für den Waffenhandel (International Traffic in Arms Regulations, kurz ITAR) – fallen. Diese Bestimmungen ermöglichen es den USA, anderen Ländern die Modernisierung, Reparatur oder den Reexport von US-Militärausrüstung zu untersagen.

Das Geschäft mit Lockheed Martin könnte tausende Arbeitsplätze in Großbritannien gefährden, so das Blatt weiter. Das Unternehmen Airbus UK warnte vor einem Verlust von bis zu 3.000 Arbeitsplätzen. Der US-Konzern hat seinerseits vorgeschlagen, die Satelliten in einem neuen, 85 Millionen Pfund teuren Werk im Nordosten Englands zu montieren, wodurch etwa 500 Arbeitsplätze entstehen würden. Zudem habe Lockheed Martin betont, dass die Satelliten im Vereinigten Königreich gebaut würden und unter vollständiger britischer Souveränität stünden, schrieb die Zeitung.   

Mehr zum Thema – Bericht: Washington ordnete Drosselung von SpaceX-Dienst Starshield in der Ukraine an