Russland ist bereit, seine Erfahrungen bei der Entwicklung und Nutzung digitaler Behördendienste mit den USA zu teilen. Dazu gehören unter anderem das Portal "Gosuslugi" und andere Systeme der elektronischen Verwaltung.
Dies gab der Sonderbeauftragte des russischen Präsidenten für Investitions- und Wirtschaftskooperation mit dem Ausland sowie Chef des Russischen Direktinvestitionsfonds (RDIF), Kirill Dmitrijew, am Rande des BRICS+ Fashion Summit bekannt. Dmitrijew sagte gegenüber Journalisten:
"Der Dialog mit den USA geht weiter. Es gibt natürlich sehr viele Bereiche, in denen wir zusammenarbeiten können. Erst kürzlich haben sie faktisch ein Analogon zu den 'Gosuslugi' eingeführt. Russland kann seine Erfahrungen in diesem und vielen anderen Bereichen teilen."
In einem Gespräch mit der Nachrichtenredaktion Westi ergänzte er:
"Ich denke, dass die Vereinigten Staaten vieles aus den Erfahrungen Russlands übernehmen können: 'Gosuslugi' und viele andere Systeme, die in Russland hervorragend funktionieren. Deshalb werden wir unsere Erfahrungen teilen."
Hintergrund dieser Äußerungen ist der Aufbau einer neuen digitalen Plattform für staatliche Dienstleistungen in den USA. US-Präsident Donald Trump unterzeichnete am 29. September ein Dekret zur Schaffung von America.gov, einer einheitlichen digitalen Plattform auf Basis künstlicher Intelligenz.
Laut dem Dekret müssen die US-Bundesbehörden ihre öffentlichen digitalen Angebote innerhalb von 90 Tagen in das neue Portal integrieren. America.gov soll somit als zentraler digitaler Zugang zu staatlichen Dienstleistungen dienen.
Der Funktionsumfang ist allerdings derzeit noch begrenzt. Der digitale Assistent kann Fragen zu staatlichen Dienstleistungen beantworten, Anforderungen erläutern und Nutzer an die zuständigen Behörden verweisen. Direkte Anträge können über das Portal bislang nicht gestellt werden.
So kann der KI-Assistent beispielsweise keine Eheschließung organisieren. Auf eine entsprechende Anfrage hin teilt er mit, dass hierfür die Behörden der Bundesstaaten und Landkreise zuständig sind. Auch Arzttermine können über das Portal bislang nicht vereinbart werden. Nutzer werden stattdessen an medizinische Einrichtungen verwiesen.
Die US-Regierung plant jedoch, America.gov schrittweise auszubauen. So soll es künftig unter anderem möglich sein, einen Reisepass zu beantragen und sich bei Medicare anzumelden. Laut den vorliegenden Angaben soll der Funktionsumfang bis Dezember 2026 entsprechend erweitert werden.
Zum Vergleich: Das russische Portal "Gosuslugi" ist bereits seit 2009 in Betrieb und bietet Zugang zu einer Vielzahl staatlicher Dienstleistungen. Dmitrijew wies deshalb darauf hin, dass Russland über umfangreiche Erfahrungen mit digitalen Behördendiensten verfügt und diese mit den USA teilen könnte. Die von Dmitrijew angesprochene Zusammenarbeit geht seinen Angaben zufolge jedoch über digitale Technologien hinaus. Auch im Energiebereich sieht er Möglichkeiten für gemeinsame Projekte.
"In vielen anderen Bereichen können Russland und die USA erfolgreiche gemeinsame Projekte entwickeln, wie es auch früher der Fall war. Wir kommen voran, und der Dialog ist wichtig. Der Dialog geht in vielen Bereichen weiter, unter anderem im Energiebereich."
Im Zusammenhang mit diesen Gesprächen war Dmitrijew am 28. September nach Washington gereist. Dort traf er laut russischen Medienberichten unter anderem Vertreter des US-Finanz- und Energieministeriums. Bereits am 23. September hatte er am Rande der UN-Generalversammlung Gespräche mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und dem Unternehmer Jared Kushner geführt. Dabei ging es unter anderem um die wirtschaftliche Zusammenarbeit und mögliche gemeinsame Projekte im Energiesektor.
Das Weiße Haus bestätigte gegenüber RIA Nowosti, dass sich Dmitrijew zu Gesprächen mit US-Beamten in Washington aufgehalten hatte. Laut der US-Regierung wurden dabei unter anderem mögliche gemeinsame Energieprojekte nach Beendigung des Ukraine-Konflikts erörtert. Zudem wurde bekannt, dass der russische Präsident Wladimir Putin Dmitrijews Amtszeit als Generaldirektor des Russischen Direktinvestitionsfonds um fünf Jahre verlängert hat. Das entsprechende Dekret tritt am 17. Januar 2027 in Kraft.
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