Die Bundesregierung sucht nach Lösungen, damit die Eishockeyweltmeisterschaft im Mai 2027 trotz Boykottdrohungen verschiedener Länder wegen einer möglichen Teilnahme Russlands in Deutschland stattfinden kann. Wie Regierungssprecher Stefan Kornelius nach Gesprächen mit dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) und dem Eishockeyweltverband IIHF mitteilte, will die Berlin nach dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) beide Verbände unterstützen – offenbar in deren Bestreben, eine WM ohne die Teilnahme Russlands zu ermöglichen.
Der CAS hatte den IIHF dazu verpflichtet, russische Nationalmannschaften zu internationalen Wettbewerben zuzulassen. Der Weltverband habe keine ausreichenden Beweise vorgelegt, um die rechtlichen Voraussetzungen für den Ausschluss russischer Mannschaften zu belegen, begründete der Sportgerichtshof sein Urteil. Der IIHF zeigte sich in einer Erklärung vom Urteilsspruch "enttäuscht".
Nach dem Urteilsspruch drohten verschiedene Nationen – darunter auch der amtierende Weltmeister Finnland – mit einem Boykott der WM, sollte Russland daran teilnehmen. Auch der DEB lehnt die Rückkehr russischer Nationalmannschaften zu internationalen Eishockeyturnieren ab – er erwog einen Verzicht auf die Austragung der WM im kommenden Jahr und wandte sich deshalb auch an die Bundesregierung.
Regierungssprecher Kornelius zufolge ist das Ziel, das Turnier in Deutschland mit den Austragungsorten Düsseldorf und Mannheim wie geplant durchzuführen. Angesichts der drohenden Boykotte mehrerer Nationen sei das allerdings faktisch nicht möglich. "Deswegen wollen wir jetzt tatsächlich auf dem Gesprächsweg Möglichkeiten ausloten, wie wir das Turnier dennoch stattfinden lassen können", so Kornelius. Die Lage sei durch die Rückzugsankündigung vieler Verbände sehr belastet. "Die Bundesregierung unterstützt den Deutschen Eishockey-Bund in seinem Bemühen, jetzt eine einvernehmliche Lösung herzustellen", sagte Kornelius.
Die Gespräche der letzten Tage mit dem DEB, dem IIHF sowie dem Deutschen Olympischen Sportbund hätten demnach gezeigt, dass die Teilnahme Russlands die WM-Durchführbarkeit "sportlich und wirtschaftlich faktisch unmöglich macht". Neben den diversen Boykott-Androhungen ist damit auch die Ankündigung wichtiger WM-Sponsoren gemeint, ihr Engagement einzustellen, sollte Russland tatsächlich wieder an der WM teilnehmen.
Sollte die von Berlin angestrebte "einvernehmliche Lösung" nicht zustande kommen, könnte die Bundesregierung womöglich dem Beispiel Kanadas folgen und selbst Tatsachen schaffen, die eine russische Teilnahme unmöglich machen. So hatte Kanadas Premierminister Mark Carney öffentlich ausgeschlossen, dass eine russische Auswahl an der U20-WM am Jahresende in Kanada teilnimmt. Carney verwies dabei auf die Möglichkeit, Visa für russische Sportler zu verweigern. Dies schließt auch die Bundesregierung für die Heim-WM 2027 nicht aus. "In Zeiten, in denen Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, kann es keine Normalität geben, und die werden wir auch nicht vorspielen", erklärte ein Sprecher des Innenministeriums.
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