Beim Nachwuchs der Bundespolizei denken zwei von drei ans Aufhören

Es wird immer mehr sichtbare Polizei gefordert, aber aktuell sind vielfach schon die bereits vorhandenen Stellen nicht besetzt. Jeder Fünfte, der eine Ausbildung bei der Polizei beginnt, bricht ab. Die Polizeigewerkschaft lässt nun die Gründe erforschen.

Das mag damit zu tun haben, dass die Bundespolizei an den Grenzen, an Bahnhöfen und Flughäfen besonders viel mit Migrationsproblemen zu tun hat, aber auch andere junge Polizisten sind unzufrieden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bei der Universität Chemnitz in Auftrag gegeben hat. Eine Befragung, die von Anfang Juni bis Anfang Juli dieses Jahres unter den Mitgliedern der Gewerkschaft stattfand, die jünger als 30 sind, ergab 8.219 ausgefüllte Fragebögen. Genug, um statistisch belastbare Zahlen zu ergeben.

Die Ziele der Erhebung kann man auf der Webseite der GdP nachlesen:

"Vor allem fehlen bisher differenziertere Erkenntnisse zur Arbeitszufriedenheit jüngerer Altersgruppen. (…) Mit dieser Studie soll ein Beitrag dazu geleistet werden, Verbesserungspotenziale während der Ausbildung und im Berufsalltag der Polizei zu identifizieren, um künftig wieder mehr Bewerberinnen und Bewerber zu gewinnen und diese langfristig an sich zu binden."

Eine bundesweite Gesamtzahl ist nicht bekannt, aber beispielsweise von Berlin weiß man, dass bis zu 2.500 Planstellen nicht besetzt sind. Zuletzt blieben auch bis zu einem Viertel der Ausbildungsplätze unbesetzt, weil die Bewerber unter anderem an der Sprachprüfung scheiterten. Bei der Bundespolizei wurde die Zahl der Planstellen im Verlauf der vergangenen zehn Jahre von 30.300 auf 40.200 in diesem Jahr erhöht, aber die neu geschaffenen Stellen sind nur teilweise bereits besetzt.

Tatsächlich liegt die Abbrecherquote während der Ausbildung für den Polizeidienst bei bis zu 20 Prozent. Dazu kommen noch jene, die an der Prüfung scheitern. Genaue Zahlen, wie hoch die Abgänge in den ersten Dienstjahren sind, sind nicht bekannt. Bei der Bundespolizei gab es von 2020 bis 2024 2.900 Entlassungsanträge, bei etwa 41.200 Beamten im aktiven Dienst.

In der Umfrage wurden als Gründe für Überlegungen, die Ausbildung oder das Studium abzubrechen, die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, geringe Bezahlung, fehlende Anerkennung und psychische Belastung genannt. Als Veränderungen wurden von einem Viertel ein effizienteres und schnelleres Strafverfolgungssystem gewünscht, von 16 Prozent eine geringere Arbeitsbelastung (es gibt Millionen nicht abbaubarer Überstunden) und von 16 Prozent eine bessere Ausstattung.

Auf einer Skala von eins bis sieben erteilten die Befragten bezüglich der Annerkennung ihrer Arbeit eine 3,34 und hinsichtlich der Beförderungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten eine 3,38. Für die Arbeitszeiten gab es eine 3,52 und das Einkommen wurde mit 3,75 bewertet. Der Informationsfluss erhielt eine 3,65. Die Anerkennung durch die Politik wurde mit einer 2,37 bewertet und die mediale Berichterstattung lag bei 2,58. Trotzdem liegt die Gesamtzufriedenheit mit dem Beruf immer noch bei 4,39 – der rettende Faktor dürfte die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen sein, die eine 5,3 erhielt.

Dennoch haben 55 Prozent schon einmal darüber nachgedacht, den Beruf zu wechseln, in der Bundespolizei sogar 65 Prozent. Solche Überlegungen finden bereits während der Ausbildung statt: 40 Prozent der sich in Ausbildung befindlichen haben schon einen Abbruch von Ausbildung oder Studium in Erwägung gezogen.

Die GdP verfolgt mit dieser Studie eigene Interessen:

"Nur wer die tatsächlichen Bedarfe, Erwartungen und Belastungsfaktoren kennt, kann gegenüber Politik und Dienstherrn zielgerichtet und wirksam für Verbesserungen eintreten."

Zu diesem Zweck wird es auch noch einen zweiten Teil der Studie geben, der qualitativ und nicht quantitativ ansetzen und auf ausführlichen Gesprächen beruhen wird.

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