Unfallchirurgie-Studie: Konstanter Anstieg schwerer Stichverletzungen

Eine Studie der Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie wertete Daten von mehr als 600 Krankenhäusern aus den Jahren 2013 bis 2024 aus. Der Anstieg von Schwerverletzten mit Stichverletzungen stieg allein in dieser Zeit um 58 Prozent. Die Opfer waren überwiegend männlich "und vergleichsweise jung".

In den letzten Jahren ist die Zahl der gemeldeten Gewaltdelikte mit Messern gestiegen, so die einleitende Zusammenfassung einer englischsprachigen Studie mit dem Titel: "Stichverletzungen infolge von Gewaltverbrechen". Laut den Autoren lagen in Deutschland bis zur Veröffentlichung keine verlässlichen Zahlen zu schweren Stichverletzungen vor, wobei "die lückenhafte Evidenz" die demnach notwendige "Auseinandersetzung mit diesem Thema" nicht nur auf medizinischer, "sondern auch auf politischer Ebene erschwert". In einem WDR-Artikel wird bezugnehmend auf die Studie berichtet, dass Ärzte in Nordrhein-Westfalen zunehmend die "Versorgung von Messerangriffen üben müssen".

Die Studienautoren erklären vorab, dass mit ihrer Arbeit "erstmals Daten zur Entwicklung der Fallzahlen schwerer Verletzungen durch Messerstechereien" in Deutschland ausgewertet wurden. Die eingesetzten Daten aus dem Traumaregister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) wurden "retrospektiv ausgewertet". Für die beabsichtigte Analyse "der geografischen Verteilung" von Vorfällen wurden zudem Daten der Akademie für Unfallchirurgie (AUC) herangezogen.

Das Einschlusskriterium lautete, dass nur die Erwähnungen berücksichtigt wurden, bei denen eine dokumentierte schwere Stichverletzung im "Verdacht bestand, dass sie im Zeitraum von Januar 2013 bis Dezember 2024 im Rahmen eines Gewaltdelikts verursacht wurde".

Ein Artikel der ARD-Faktenfinder-Redaktion kam im März 2018 zu dem Ergebnis, dass es zum damaligen Zeitpunkt "keine flächendeckende 'Messer-Epidemie'" in Deutschland gab. Auschlaggebend für den Beitrag war ein Bild-Artikel, in dem von einem "dramatischen Anstieg von Messer-Attacken" in Deutschland berichtet worden war. Die Correctiv-Redaktion reagierte auf die mediale Berichterstattung ebenfalls mit einem "Faktencheck" und der Bewertung "Teilweise falsch", um darzulegen:

"Von einem 'dramatischen' Anstieg oder einer 'Messer-Epidemie' in Deutschland kann nicht die Rede sein. Tatsächlich ist in vielen Bundesländern ein Anstieg zu vermerken."  

Zahlen aus der Studie belegen, dass Gewalttaten mit Stichwaffen "von 212 im Jahr 2013, dem niedrigsten Wert, auf 336 im Jahr 2024" angestiegen sind. Den höchsten Jahreswert gab es demnach 2023 mit 382 Betroffenen. In einem Artikel des Deutschen Ärzteblatts wird dazu ergänzend erklärt, dass unter Stichwaffen "beispielsweise Messer, Schraubenzieher oder Eispickel" zählen.

Die Auswertung belegt zudem, dass die registrierten Verletzungen "besonders oft den Körperstamm, insbesondere Brust und Bauchraum" betrafen. So heißt es:

"Sie erforderten in 72 Prozent dringliche operative Maßnahmen, was auf die häufige Verletzung lebenswichtiger Körperteile unter Umständen mit relevanten Blutungen hinweise.".

Die Klinikdaten liefern laut der Studie "keine Informationen zum Täter- und Opferkreis und der Motivation für die Straftaten". Weitere Informationen zur "Herkunft und zum sozialen Status der Betroffenen" werden ebenfalls nicht im Register erfasst.

Im WDR-Artikel wird bezogen auf die Realität in Nordrhein-Westfalen erklärt, dass dortige Notaufnahmen und Kliniken vor enormen Herausforderungen stehen, "denn für sie ist es schwer, für solche Fälle Routine und Erfahrung aufzubauen".

Die Zahl der Patienten mit schweren und gefährlichen Stichverletzungen sei aktuell "deutlich gestiegen". Aus der Studie zitierend heißt es zum bundesweiten Phänomen:

"Die Patienten sind überwiegend männlich und vergleichsweise jung – im Schnitt 34,2 Jahre alt. Die meisten Fälle gab es im Westen. 37 Prozent der durch Stiche Schwerverletzten mussten in NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland behandelt werden. Im Süden waren es 27 Prozent, im Osten 20 Prozent und in der Region Nord 15,9 Prozent."

Wie wichtig es mittlerweile sei, dass Mediziner auch aus kleineren Krankenhäusern, "in ländlich geprägten Gebieten mit überwiegend kleinen Kliniken", Stichverletzungen unmittelbar behandeln können, zeigt laut dem WDR auch die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025.

Diese verzeichnete einen Anstieg an Messerangriffen von 0,8 Prozent gegenüber dem Jahr 2024. Damit sei die "Messerkriminalität" laut Kriminalstatistik, ohne Berücksichtigung der registrierten Daten aus diesem Jahr, "weiterhin auf einem hohen Niveau".

Abschließend heißt es in der Studie, dass das ausgewertete Register "während der COVID-19-Pandemie 2020–2022 eine geringere Gesamtzahl an Fällen auswiesen", was laut den Studienautoren "zum Teil auf die Lockdowns zurückzuführen sein könnte".

Mehr zum Thema – Brandenburg: Potsdamer Polizei überfordert mit migrantischer Jugendgewalt?