Präsidentschaftswahlen in Bulgarien: Amtsinhaberin gewinnt Stichwahl

Am 1. November fanden die Stichwahlen in Bulgarien statt. Den Nachwahlbefragungen zufolge hat die Amtsinhaberin Iljana Jotowa das Rennen gemacht. Die Wahl gilt als richtungsweisend für den weiteren außenpolitischen Kurs des Schwarzmeeranrainers.

Glaubt man den Prognosen, hat die bulgarische Präsidentin Iljana Jotowa bei der Stichwahl um das Präsidentenamt mit deutlichem Vorsprung gegenüber ihrem Herausforderer Andrej Gjurow gesiegt. Wie der bulgarische öffentlich-rechtliche Sender BNT bekannt gab, hat die Zentrale Wahlkommission um 20 Uhr Ortszeit den Wahltag für beendet erklärt.

Der Sender BNT nannte auch die Auszählungsergebnisse zweier Meinungsforschungsinstitute. Laut dem Institut "Myara" gewann Amtsinhaberin Jotowa die Stichwahl mit 58,2 Prozent der Stimmen, ihr Konkurrent Andrej Gjurow erhielt lediglich 38,6 Prozent.

Jotowa wurde von einem Bündnis der Bulgarischen Sozialistischen Partei mit der Regierungspartei "Progressives Bulgarien" unterstützt, Gjurow startete für den Verbund aus liberalkonservativer PP und der Partei "Demokratisches Bulgarien". Als Vizepräsidentenkandidaten fungierten Kiril Waltschew beziehungsweise Georgi Kandew. 3,2 Prozent der an die Wahlurne getretenen Wähler wollten keines der beiden Kandidatenpaare wählen.

Dem Meinungsforschungsinstitut "Alpha Research" zufolge steht Jotowa bei 57,4 Prozent, Andrej Gurow bei 39,6 Prozent. Aber auch hier ist die Tendenz klar. Die Wahlbeteiligung beziffert "Alpha Research" mit 29,1 Prozent, bei "Myara" ist von 27,2 Prozent die Rede. Damit lag sie höher als bei der ersten Wahlrunde am vorherigen Sonntag, als die Teilnahme an der Wahl mit 23 Prozent auf ein Rekord-Desinteresse der Wähler stieß. Die Wahlbeteiligung war damit weit von der für die erste Wahlrunde verpflichtenden 50-Prozent-Quote entfernt.

Am 25. Oktober 2026 hatte keiner Kandidaten die erforderlichen mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen erreicht. Insgesamt waren bei der ersten Runde 27 Kandidaten für das Präsidentenamt angetreten. Jotowa war im Januar 2026 Nachfolgerin von Rumen Radew geworden, nachdem dieser vom Präsidentenamt zurückgetreten war. Radew ist mittlerweile zum Ministerpräsidenten Bulgariens gewählt worden.

Die heutige Wahlentscheidung gilt auch als richtungsweisend für die künftige außenpolitische Ausrichtung des Landes. Denn die amtierende und auch künftige Präsidentin setzt sich im Ukraine-Krieg für Verhandlungen mit Russland ein, um eine Friedenslösung in diesem Konflikt zu erzielen. Ihr Kontrahent Gjurow steht dagegen für eine stärkere Unterstützung der Ukraine und gilt als proeuropäisch. Allerdings will auch Jotowa die NATO- und EU-Mitgliedschaft ihres Landes beibehalten.

Das bulgarische Staatsoberhaupt besitzt vor allem repräsentative Aufgaben, verfügt allerdings über das Recht, gegen Gesetze ein Veto einzulegen. Auch fungiert der Staatspräsident (oder die Staatspräsidentin) als Oberbefehlshaber über die Streitkräfte.

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