Christine Lagarde wird im Februar vorzeitig als Präsidentin der Europäischen Zentralbank abtreten. Die Französin hat ihre Entscheidung an diesem Donnerstag auf der Online-Plattform X bekannt gegeben. Sie habe schon den EZB-Rat und den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, darüber informiert, dass sie ihr Amt zum 7. Februar 2027 niederlegen werde, erklärte die EZB-Chefin. Es sei ihr eine große Ehre gewesen, dieser Institution zu dienen.
"Ich danke allen, die mich auf diesem Weg in den vergangenen sieben Jahren unterstützt haben."
Da Lagarde ihre Videobotschaft mit Pflastern im Gesicht aufnehmen ließ, sah sie sich zu einem ergänzenden Kommentar gezwungen, um möglichen Gerüchten in den sozialen Medien vorzubeugen: Die Pflaster seien das Ergebnis eines kleinen Eingriffs, dem sie sich Anfang der Woche unterzogen habe. Sie riet ihren Followern, die Haut regelmäßig untersuchen zu lassen.
Eigentlich wäre die achtjährige Amtszeit von Lagarde erst Ende Oktober 2027 ausgelaufen. Dennoch kam die Entscheidung der EZB-Chefin nicht ganz überraschend. Spekulationen über einen vorzeitigen Rückzug kursierten bereits seit Längerem. So berichtete die Financial Times im Februar 2026, Lagarde wolle ihr Amt noch vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich im April 2027 niederlegen. Hintergrund seien Befürchtungen, dass eurokritische Rechtspopulisten um Marine Le Pen die Wahlen in der zweitgrößten Volkswirtschaft des Euroraums gewinnen könnten, was die Neubesetzung der EZB-Spitze erschweren könnte.
Nun müssen die Staats- und Regierungschefs der 21 Euro-Staaten die Nachfolge der Französin früher regeln. EU-Ratspräsdident Costa hat inzwischen erklärt, dass das Verfahren zur Regelung der Nachfolge Lagardes noch an diesem Donnerstag eingeleitet werden soll. Als Favoriten gelten derzeit der ehemalige niederländische Zentralbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos, derzeit Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Deutschland hat in der mehr als 25-jährigen Geschichte der Notenbank noch nie die EZB-Spitze gestellt. Als größtes Hindernis für einen Deutschen an der EZB-Spitze gilt, dass bereits die Europäische Kommission von einer Deutschen geführt wird: Ursula von der Leyen. Zwei Deutsche an der Spitze von derart wichtigen Institutionen in Europa dürften schwer zu vermitteln sein.
Mehr zum Thema – Inflation im Euroraum springt auf 3,8 Prozent