Harte Konkurrenz: Europa und Asien verschärfen den Wettbewerb um LNG

Die EU nähert sich der Heizperiode mit geringen Gasvorräten – und ist gezwungen, auf dem Beschaffungsmarkt mit asiatischen Ländern zu konkurrieren. Unterdessen steigen die Energiepreise dramatisch an – angeheizt durch immer neue Eskalationen des Nahostkonflikts.

Der Konflikt im Nahen Osten, der offenbar kein Ende nehmen will, sowie die Sperrung der Straße von Hormus haben dazu geführt, dass Europa mit nur zu 74 Prozent gefüllten Gasspeichern in die Heizperiode geht – im Vergleich zu einem saisonalen Durchschnittswert von 89 Prozent in den letzten fünf Jahren. Alle wichtigen Lieferanten, von denen die EU im Rahmen langfristiger Verträge Flüssiggas bezog, sind durch die Lage am Persischen Golf praktisch blockiert – und eine baldige Lösung des Problems ist nicht in Sicht.

So behindern beispielsweise Angriffe auf Schiffe die Wiederaufnahme der LNG-Lieferungen aus Katar, das vor dem Krieg etwa ein Fünftel der weltweiten LNG-Exporte bereitstellte. Um auf die Weltmärkte zu gelangen, müssen katarische Gastanker die Straße von Hormus passieren. Nach Angaben von OilPrice lagen die LNG-Transportmengen durch diese Meerenge Anfang Oktober weiterhin um mehr als 75 Prozent unter dem Vorkriegsniveau.

Nun müssen die fehlenden Mengen vor dem Winter aufgekauft werden, wenn die Nachfrage sowohl in Europa als auch in Asien steigt. Dabei sind die asiatischen Länder im Gegensatz zu den EU-Staaten bereit, Gas und Öl auch zu exorbitanten Preisen einzukaufen, die jedes Mal steigen, wenn es zu einer neuen Welle von Angriffen auf Schiffe im Nahen Osten kommt. Die Zeitung Iswestija schreibt:

"Da sie die im Rahmen langfristiger Verträge vereinbarten Brennstoffmengen nicht erhalten haben, wenden sich die Abnehmer dem Spotmarkt zu – auf der Suche nach Lieferungen mit kürzester Lieferfrist. Hier konkurrieren europäische Unternehmen mit asiatischen Importeuren, die sich ebenfalls auf die kalte Jahreszeit vorbereiten. Einige von ihnen schließen laut Medienberichten sogar zu den aktuellen Preisen weiterhin Geschäfte ab, was den Wettbewerb um verfügbare Lieferungen verschärft. Zwar haben die USA, Kanada und Nigeria ihre Exporte erhöht, doch ist es bislang noch nicht gelungen, die ausgefallenen Lieferungen aus dem Nahen Osten vollständig auszugleichen."

Bis zum Frühjahr könnten die Gasspeicher in Nordwesteuropa selbst bei normalem Winterwetter auf bis zu 20 Prozent geleert sein, wie Analysten von LSEG berechnet haben. Sollte der Winter streng ausfallen, werde der Füllstand auf 15 Prozent sinken. Dies würde den Aufbau von Vorräten, die bereits für die nächste Heizperiode bestimmt sind, deutlich erschweren.

Vor diesem Hintergrund erreichten die Spotpreise für Flüssigerdgas in Asien 30,4 US-Dollar pro Million britischer Wärmeeinheiten (BTE) – den höchsten Stand seit Dezember 2022. Nach Angaben der Agentur Bloomberg hat sich der Preis für den Brennstoff seit Beginn des Krieges zwischen den USA und Iran verdreifacht.

Daher bleibt Europa vorerst nichts anderes übrig, als russisches LNG zu kaufen. Iswestija betont:

"Im September stiegen die Importe gegenüber August um 60 Prozent, und die Lieferungen erreichten einen Wert von 615 Millionen Euro. 72 Prozent der Menge wurden in französischen Häfen entladen, die übrigen Lieferungen gingen in die Niederlande und nach Portugal. Die Einkäufe erfolgen im Rahmen bereits abgeschlossener Verträge: Neue Verträge mit russischen Energieunternehmen hatte Brüssel bereits zu Beginn des Jahres untersagt. Ein vollständiges Einfuhrverbot für russisches Flüssigerdgas soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten – mitten in der Heizperiode."

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