Die Europäische Union beabsichtigt, weiterhin Beschränkungen bei der Erteilung von Visa für russische Staatsbürger einzuführen. Dies gab der Sprecher der EU-Kommission, Markus Lammert, am Montag bei einem Briefing bekannt. "Die Einschränkung der Visaerteilung für russische Staatsbürger ist seit 2022 eine Priorität für die Kommission und die EU", so Lammert. Obwohl die Gewährung eines Visums in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten falle, könne man dennoch notwendige Maßnahmen auf EU-Ebene ergreifen, fügte er hinzu. "Genau das haben wir getan", sagte er.
Weiter erinnerte der Sprecher der EU-Kommission an die Leitlinien aus dem Jahr 2022 und rief die EU-Staaten auf, diese Empfehlungen anzuwenden. Es gehe darum, die Erteilung von Visa für Russen zu "depriorisieren" und verstärkt auf Sicherheitsaspekte zu achten.
Diese Visapolitik habe schon "starke" Resultate gezeigt. Lammert zufolge haben die EU-Staaten im Jahr 2022 etwa vier Millionen Visa erteilt. Im darauffolgenden Jahr seien deutlich weniger Visa an Russen ausgestellt worden – etwa 618.000 bis 620.000. "Doch wir belassen es nicht dabei. Unsere Arbeit geht weiter. Zudem haben wir Maßnahmen ergriffen, um die Erteilung von Visa für die mehrfache Einreise an russische Staatsbürger zu erschweren – weitere Schritte werden folgen", so Lammert.
Sobald die EU-Minister eine Entscheidung über Einschränkungen für Teilnehmer an Kampfhandlungen getroffen haben, werde die Kommission Maßnahmen zu deren Umsetzung vorlegen, sagte er. Zudem gab Lammert bekannt, dass die EU Anfang nächsten Jahres eine umfassendere Reform der Visabestimmungen umzusetzen plane. Details über die neuen Maßnahmen gab er jedoch nicht an.
Im Zuge der Eskalation des Konflikts in der Ukraine verschärfte Brüssel seine Visapolitik für Russen. Im September 2022 setzte der EU-Rat das Abkommen über die Erleichterung der Visaerteilung mit Russland aus. Die Maßnahmen sahen eine Erhöhung der Visagebühr, die Verpflichtung zur Vorlage zusätzlicher Unterlagen, eine Verlängerung der Bearbeitungszeiten für Anträge sowie strengere Regeln für die Erteilung von Mehrfachvisa vor.
Im November 2025 schränkte die Europäische Union die Erteilung von Schengen-Mehrfachvisa für Russen ein. In einer Erklärung der EU-Kommission hieß es, dass das Verbot mit dem Krieg in der Ukraine zusammenhänge. Der Konflikt habe "die mit russischen Visumantragstellern verbundenen Migrations- und Sicherheitsrisiken grundlegend verändert." In der Stellungnahme wurde festgestellt, dass Russland die Migration instrumentalisiert habe. Zu weiteren Bedrohungen gehörten "Cyber- und Industriespionage sowie der potenzielle Missbrauch von Visa zur Verbreitung von Propaganda" gegen die Ukraine. Mehrfache Einreisevisa können an Menschen, die enge Verwandte in der EU haben, und Transportarbeiter weiterhin erteilt werden.
Ende Juli erfolgten weitere Visabeschränkungen, als die EU ihr 21. Sanktionspaket gegen Russland erließ. In einer Stellungnahme der EU-Kommission hieß es, dass die Maßnahmen "ein umfassendes Verbot der Erteilung von Visa an Kombattanten und ehemalige Kombattanten der russischen Streitkräfte und anderer Stellvertretergruppen" vorsehen, die am Konflikt in der Ukraine beteiligt sind.
Das Außenministerium in Moskau hat die Verschärfung der Regeln für die Erteilung von Schengen-Visa an Russen als "Diskriminierung" bezeichnet. Laut dem stellvertretenden Außenminister Alexander Gruschko sind einfache russische Bürger von dieser Maßnahme betroffen. "Die Verschärfung […] ist ein weiterer Ausdruck von Diskriminierung aufgrund der nationalen Herkunft, ein Element der von Brüssel vorangetriebenen Kultur der Ablehnung alles Russischen sowie ein Beweis für die Heuchelei und den Doppelstandard der EU", betonte der Diplomat.
Maria Sacharowa, die Pressesprecherin des russischen Außenamtes, erklärte, dass die Visa-Einschränkungen Europa in den Selbstmord treiben könnten, indem die europäischen Staaten sich selbst der legalen Touristen aus Russland beraubten. "Ich glaube, das treibt Europa freilich in den Selbstmord", sagte sie.
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