Bolivien ruft nationalen Notstand wegen El Niño aus

Das dieses Jahr besonders stark ausfallende Klimaphänomen El Niño sorgt in Südamerika für Wetterturbulenzen. Nun hat der bolivianische Präsident den Notstand ausgerufen. Damit will er eine bessere Reaktion der Behörden auf die Krisensituation ermöglichen.

Wie die Nachrichtenagenturen AFP und Xinhua berichten, hat der bolivianische Präsident Rodrigo Paz Pereira am Samstag den Notstand in dem südamerikanischen Land verkündet. Damit sollen die Maßnahmen zur Bewältigung des Klimaphänomens El Niño besser koordiniert werden können. Der Christdemokrat regiert den lateinamerikanischen Binnenstaat seit November 2025.

Nötig gemacht hatten die Notfallmaßnahme demnach eine Dürre in Folge von El Niño und ein anschließendes Viehsterben aufgrund von Wasser- und Futtermittelknappheit. Zahlreiche Haushalte sind von den Auswirkungen betroffen. Laut einem in dieser Woche veröffentlichten Regierungsbericht haben in sechs der neun Departamento genannten Verwaltungseinheiten Boliviens 78.000 Familien unter der Dürre zu leiden. Insgesamt sind 63 Gemeinden bereits aufgrund des ausbleibenden Regens zum Dürregebiet erklärt worden. Nach der Dürre drohen indes Überschwemmungen.

Als Reaktion auf die krisenhafte Wetterlage traf der Präsident die Entscheidung zur Ausrufung des Notstands. In einer Ansprache an die bolivianische Bevölkerung kündigte er mittels dieser Maßnahme zusätzliche finanzielle Mittel und weitere Rettungskräfte an. Auch eine bessere Koordination der verantwortlichen Behörden werde dadurch ermöglicht.

Paz Pereira erklärte in seiner Stellungnahme Medienberichten zufolge: "Dieses Phänomen wird sehr schwerwiegende Folgen durch Dürren und Überschwemmungen haben, und wir brauchen die Zusammenarbeit aller Institutionen." Diese verstärkte Zusammenarbeit zwischen internationalen Organisationen, Regierungsbehörden und lokalen Bürgermeisterämtern werde er mittels Dekret autorisieren. Auch die Streitkräfte und die Polizei des Landes sollten bei der Bewältigung der Krise mithelfen. Damit werde seine Regierung den schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels vorbeugen, versicherte der Präsident.

Die Politik seiner Regierung zeige zudem bereits Wirkung, denn das Ausmaß an Waldbränden sei zurückgegangen, zitieren die bolivianischen Tageszeitungen La Razón und Opinión Bolivia das Staatsoberhaupt. Hätten im Jahr 2025 noch mehr als 2,6 Millionen Hektar Wald gebrannt, seien es bisher im Jahr 2026 noch nicht einmal 70.000 Hektar gewesen. "Wir haben enorm viel Arbeit geleistet, um die Umwelt zu schützen", hob Paz Pereira die Maßnahmen seiner Regierung hervor.

Die Bürger seines Landes rief der Präsident zur Einigkeit bei der Bekämpfung der Folgen des Klimawandels auf: "Wir stellen uns unseren Problemen, wir erarbeiten Lösungen. Und nun, in dieser schwierigen Zeit, die vor uns liegt, werden wir gemeinsam mit allen Bolivianern voranschreiten", schloss Rodrigo Paz Pereira seine Ansprache.

Die Vereinten Nationen warnen, dass das derzeit vorherrschende El-Niño-Phänomen ein beispielloses Ausmaß erreichen könnte, wie es seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen sei. El-Niño-Ereignisse treten in unregelmäßigen Abständen auf, durchschnittlich alle vier Jahre. Nicht immer sind die Auswirkungen so stark wie in diesem Jahr.

Ursache für das El-Niño-Phänomen, das seinen Höhepunkt häufig zur Weihnachtszeit erreicht, ist die Erwärmung des Oberflächenwassers im Pazifik vor Lateinamerika. Dadurch verändern sich Wind- und Niederschlagsmuster, nicht nur auf dem südamerikanischen Kontinent, sondern weltweit. Die Auswirkungen können dabei sehr unterschiedlich sein: In Peru treten bei hohen Temperaturen derzeit Waldbrände auf, in Chile dagegen kam es im Oktober zu schweren Regenfällen.

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